Nach dem Zweiten Weltkrieg standen sich über vier Jahrzehnte lang zwei Supermächte gegenüber: die USA und die Sowjetunion. Sie führten nie direkt Krieg gegeneinander – deshalb spricht man von einem „kalten“ Krieg. Und doch stand die Welt mehrmals am Rand eines Atomkriegs, in vielen Ländern wurden blutige Stellvertreterkriege geführt, und Deutschland war bis 1990 geteilt. Diese Übersicht erklärt die wichtigsten Ursachen, Phasen und Begriffe des Kalten Krieges.
Wie der Kalte Krieg entstand
Im Zweiten Weltkrieg hatten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion gemeinsam gegen Hitler-Deutschland gekämpft. Doch das Bündnis beruhte nur auf einem gemeinsamen Feind. Die beiden neuen Weltmächte vertraten gegensätzliche Ordnungen:
- Die USA standen für Demokratie mit freien Wahlen und Meinungsfreiheit und für eine Marktwirtschaft (Kapitalismus).
- Die Sowjetunion stand für die Diktatur einer kommunistischen Partei und für eine staatlich gelenkte Planwirtschaft.
Jede Seite hielt ihr System für überlegen und fürchtete, die andere wolle es weltweit verbreiten. Nach Kriegsende brachte die Sowjetunion die von ihr besetzten Länder Osteuropas unter kommunistische Herrschaft. Der britische Politiker Winston Churchill sprach 1946 von einem „Eisernen Vorhang“, der Europa teile. 1947 verkündete US-Präsident Harry S. Truman, die USA würden allen freien Völkern helfen, die sich gegen Unterdrückung wehrten (Truman-Doktrin). Ziel war die Eindämmung (Containment) des Kommunismus. Mit dem Marshallplan unterstützten die USA den Wiederaufbau Westeuropas. Viele Historiker sehen das Jahr 1947 als Beginn des Kalten Krieges.
Zwei Blöcke
Die Welt teilte sich in zwei Lager (Bipolarität). 1949 gründeten die USA, Kanada und westeuropäische Staaten das Militärbündnis NATO. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten antworteten 1955 mit dem Warschauer Pakt. Auch wirtschaftlich gab es zwei Blöcke. Viele Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika versuchten, sich keinem Lager anzuschließen, wurden aber oft zum Schauplatz des Konflikts.
Deutschland im Zentrum
Deutschland lag genau an der Grenze zwischen den Blöcken. Als die Westmächte 1948 in ihren Besatzungszonen eine neue Währung einführten, sperrte die Sowjetunion alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Die Westmächte versorgten die Stadt fast ein Jahr lang über eine Luftbrücke. 1949 entstanden zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die DDR im Osten. Weil Hunderttausende DDR-Bürger in den Westen flohen, ließ die DDR-Führung am 13. August 1961 die Berliner Mauer bauen. Sie wurde zum bekanntesten Symbol des Kalten Krieges.
Das Gleichgewicht des Schreckens
1945 hatten die USA als Erste Atombomben eingesetzt. 1949 zündete auch die Sowjetunion ihre erste Atombombe. Es begann ein Wettrüsten: Beide Seiten bauten Tausende Atomwaffen und immer bessere Raketen. Schließlich besaßen beide so viele Waffen, dass sie sich gegenseitig mehrfach hätten vernichten können. Genau das verhinderte aber einen großen Krieg: Wer zuerst angriff, musste mit seiner eigenen Zerstörung rechnen. Man nannte dies Abschreckung oder das „Gleichgewicht des Schreckens“.
Auch im Weltraum wetteiferten die Supermächte. 1957 schickte die Sowjetunion mit Sputnik den ersten Satelliten ins All, 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen. 1969 landeten die USA die ersten Menschen auf dem Mond.
Heiße Kriege in einem kalten Krieg
Kalt blieb der Krieg nur zwischen den Supermächten selbst. In anderen Teilen der Welt wurden Stellvertreterkriege geführt, in denen die USA und die Sowjetunion jeweils eine Seite unterstützten. Im Koreakrieg (1950–1953) starben Millionen Menschen; Korea ist bis heute geteilt. Im Vietnamkrieg kämpften die USA jahrelang gegen das kommunistische Nordvietnam und mussten sich schließlich zurückziehen. 1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Auch in der eigenen Einflusszone ging die Sowjetunion gewaltsam gegen Reformbewegungen vor, etwa 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei.
Die Kubakrise 1962
Am gefährlichsten wurde es im Oktober 1962. Die Sowjetunion stationierte heimlich Atomraketen auf Kuba, nur rund 150 Kilometer von der Küste der USA entfernt. Präsident John F. Kennedy verhängte eine Seeblockade und verlangte den Abzug. Dreizehn Tage lang stand die Welt am Rand eines Atomkriegs. Schließlich lenkte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow ein und zog die Raketen ab; im Gegenzug verzichteten die USA auf eine Invasion Kubas und zogen später eigene Raketen aus der Türkei ab. Die Krise war ein Wendepunkt: Beide Seiten richteten einen „heißen Draht“ ein, eine direkte Fernschreibverbindung zwischen Washington und Moskau, und begannen Gespräche über Rüstungskontrolle.
Entspannung und neue Konfrontation
In den 1960er- und 1970er-Jahren folgte eine Phase der Entspannungspolitik. Die Supermächte schlossen Verträge zur Begrenzung von Atomwaffen, etwa das SALT-I-Abkommen 1972. Die Bundesrepublik suchte unter Bundeskanzler Willy Brandt mit der Neuen Ostpolitik einen Ausgleich mit den Staaten Osteuropas und der DDR. 1975 unterzeichneten die Staaten Europas, die USA und Kanada in Helsinki die Schlussakte der KSZE, in der sich auch die Ostblockstaaten zur Achtung der Menschenrechte verpflichteten. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und dem Streit um neue Mittelstreckenraketen in Europa verschärfte sich die Lage Anfang der 1980er-Jahre jedoch wieder.
Das Ende des Kalten Krieges
1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der sowjetischen Kommunistischen Partei. Die Sowjetunion war wirtschaftlich erschöpft. Gorbatschow setzte auf Offenheit (Glasnost) und Umbau (Perestroika) und vereinbarte mit US-Präsident Ronald Reagan 1987 die Abschaffung aller landgestützten Mittelstreckenraketen. Er ließ zu, dass die Staaten Osteuropas eigene Wege gingen. 1989 kam es dort zu friedlichen Revolutionen. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt. 1991 löste sich zuerst der Warschauer Pakt und schließlich im Dezember auch die Sowjetunion selbst auf. Damit war der Kalte Krieg zu Ende.
Die wichtigsten Begriffe
- Bipolarität: eine Welt, die von zwei Machtzentren bestimmt wird.
- Eindämmung (Containment): die US-Politik, die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern.
- Abschreckung: einen Gegner durch die Drohung mit Vergeltung von einem Angriff abhalten.
- Stellvertreterkrieg: ein Krieg, in dem Großmächte nicht selbst gegeneinander kämpfen, sondern verbündete Parteien unterstützen.
- Entspannungspolitik: Bemühungen, Spannungen durch Verhandlungen und Verträge abzubauen.
Aufgaben
- Erkläre, warum man den Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion „Kalten Krieg“ nennt.
- Erstelle eine Zeitleiste mit den wichtigsten Krisen und Phasen der Entspannung von 1947 bis 1991.
- Erläutere, warum gerade die Atomwaffen einen direkten Krieg zwischen den Supermächten verhinderten.
- Beurteile, welche Rolle Deutschland im Kalten Krieg spielte.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung: Der Kalte Krieg und das Wettrüsten
- Bundeszentrale für politische Bildung: Die Zäsur des Mauerbaus im Kalten Krieg und in der deutsch-deutschen Geschichte
- Bundeszentrale für politische Bildung: Kalter Krieg (Das junge Politik-Lexikon)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Vom Kalten Krieg zur Ära der Entspannung
- Planet Wissen: Kalter Krieg