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Der Dreißigjährige Krieg

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Dreißig Jahre lang, von 1618 bis 1648, zogen Heere aus halb Europa durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Sie plünderten Dörfer, brannten Städte nieder und brachten Hunger und Seuchen mit sich. Am Ende war in manchen Gegenden Deutschlands mehr als die Hälfte der Bevölkerung tot. Der Dreißigjährige Krieg gilt als eine der größten Katastrophen der deutschen Geschichte. Wie kam es zu diesem Krieg, warum dauerte er so lange – und war er wirklich ein Krieg um den Glauben?

Ein brüchiger Frieden

Seit der Reformation war das Reich in Katholiken und Protestanten gespalten. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 hatte festgelegt, dass jeder Landesherr die Religion seiner Untertanen bestimmen durfte. Doch viele Fragen blieben offen, etwa was mit Kirchengütern geschehen sollte oder ob auch die Calvinisten, eine weitere protestantische Richtung, unter den Frieden fielen. Die Spannungen wuchsen. 1608 schlossen sich protestantische Fürsten zur Union zusammen, 1609 antworteten katholische Fürsten mit der Liga. Das Reich stand sich in zwei bewaffneten Lagern gegenüber.

Der Funke: der Prager Fenstersturz

Den Auslöser lieferte Böhmen. Die überwiegend protestantischen böhmischen Adligen hatten sich 1609 im sogenannten Majestätsbrief Religionsfreiheit zusichern lassen. Der habsburgische König, der zugleich Kaiser war, und seine Beamten schränkten diese Rechte jedoch immer weiter ein. Am 23. Mai 1618 drangen aufgebrachte protestantische Adlige in die Prager Burg ein und warfen zwei kaiserliche Statthalter und einen Schreiber aus dem Fenster. Die drei überlebten den Sturz aus rund 17 Metern Höhe – der Legende nach, weil sie auf einem Misthaufen landeten. Die Tat war eine offene Kampfansage an die Habsburger.

Der Verlauf in vier Phasen

1. Der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618–1623)

Die Böhmen setzten den Habsburger Ferdinand II. ab und wählten den protestantischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum König. Doch schon 1620 besiegten kaiserliche und ligistische Truppen die Böhmen in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag. Friedrich musste nach nur einem Winter fliehen und wurde deshalb „Winterkönig“ genannt. Böhmen wurde gewaltsam wieder katholisch gemacht, Friedrich verlor auch seine Pfalz mit Heidelberg.

2. Der Dänisch-Niedersächsische Krieg (1625–1629)

Nun griff der protestantische König Christian IV. von Dänemark ein, der auch Herzog von Holstein war. Gegen ihn stellte der Kaiser ein riesiges Söldnerheer unter dem böhmischen Adligen Albrecht von Wallenstein auf. Wallenstein finanzierte seine Truppen, indem er die besetzten Gebiete ausplündern ließ – nach dem Grundsatz „Der Krieg ernährt den Krieg“. Er besiegte die Dänen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht erließ der Kaiser 1629 das Restitutionsedikt: Alle seit 1552 von Protestanten eingezogenen Kirchengüter sollten zurückgegeben werden. Das empörte die Protestanten und beunruhigte auch katholische Fürsten, die eine zu große Macht des Kaisers fürchteten.

3. Der Schwedische Krieg (1630–1635)

1630 landete der schwedische König Gustav II. Adolf mit seinem Heer in Pommern. Er wollte den Protestanten helfen, aber auch die Vorherrschaft Schwedens an der Ostsee sichern. Unterstützt wurde er mit Geld vom katholischen Frankreich, das die Habsburger schwächen wollte. 1631 zerstörten kaiserliche Truppen die protestantische Stadt Magdeburg; Zehntausende Einwohner kamen ums Leben. Gustav Adolf zog siegreich bis nach Süddeutschland, fiel aber 1632 in der Schlacht bei Lützen. Wallenstein, der eigenmächtig Friedensverhandlungen führte, wurde 1634 auf Befehl des Kaisers ermordet. Nach dem kaiserlichen Sieg bei Nördlingen 1634 schlossen der Kaiser und die meisten protestantischen Fürsten 1635 den Prager Frieden.

4. Der Schwedisch-Französische Krieg (1635–1648)

Doch Frieden kehrte nicht ein. Nun trat Frankreich offen in den Krieg ein – an der Seite der protestantischen Schweden gegen den katholischen Kaiser und Spanien. Spätestens jetzt ging es kaum noch um Religion, sondern um die Vorherrschaft in Europa. Der Krieg zog sich noch 13 Jahre hin, obwohl ab 1643 bereits Friedensverhandlungen liefen.

Das Leid der Bevölkerung

Die Soldaten waren meist Söldner, die für Geld kämpften und oft monatelang keinen Sold erhielten. Sie versorgten sich, indem sie die Bevölkerung ausraubten. Bauern wurden gefoltert, um Verstecke von Geld und Vorräten zu verraten, Frauen vergewaltigt, Dörfer niedergebrannt. Mit den Heeren kamen Hunger und Seuchen wie die Pest. Insgesamt verlor das Reich wohl etwa ein Drittel seiner Bevölkerung; in besonders betroffenen Gebieten, zum Beispiel in Württemberg nach der Schlacht bei Nördlingen, waren es noch weit mehr. Viele Menschen flohen in die Städte oder in die Wälder. Der Dichter Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen schilderte diese Schrecken später in seinem Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“.

Der Westfälische Frieden 1648

Nach fünf Jahren Verhandlungen in Münster und Osnabrück wurde am 24. Oktober 1648 der Westfälische Frieden geschlossen. Es war einer der ersten großen Friedenskongresse Europas. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Neben Katholiken und Lutheranern wurden nun auch die Calvinisten reichsrechtlich anerkannt.
  • Für den Besitz von Kirchengütern und die Religion wurde der Stand des Jahres 1624 festgelegt (Normaljahr).
  • Die Landesfürsten erhielten mehr Rechte, zum Beispiel durften sie Bündnisse mit anderen Staaten schließen. Die Macht des Kaisers wurde dadurch weiter eingeschränkt.
  • Die Niederlande und die Schweiz schieden endgültig aus dem Reich aus.
  • Schweden erhielt Gebiete an der Ostseeküste, Frankreich Gebiete im Elsass und in Lothringen. Beide wurden Garantiemächte des Friedens.

Ein Religionskrieg?

Der Dreißigjährige Krieg begann als Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken. Doch schon früh mischten sich andere Ziele hinein: die böhmischen Stände kämpften um ihre politischen Rechte, die Fürsten um ihre Macht gegenüber dem Kaiser, und Staaten wie Dänemark, Schweden, Spanien und Frankreich um Einfluss und Gebiete. Dass das katholische Frankreich an der Seite der protestantischen Schweden kämpfte, zeigt deutlich, dass Machtpolitik oft wichtiger war als der Glaube. Historiker sprechen deshalb von einem Krieg mit vielen Ursachen, in dem religiöse, verfassungspolitische und machtpolitische Konflikte miteinander verflochten waren.

Hinweis für Lehrkräfte

Für den Unterricht in Baden-Württemberg lohnt ein regionaler Zugang: Das Landesportal LEO-BW bietet ein eigenes Themenmodul zum Dreißigjährigen Krieg mit Quellen und Karten zu Ereignissen im Südwesten. Ebenfalls gut geeignet ist ein Vergleich von Bildquellen, etwa Jacques Callots Radierungen „Die großen Schrecken des Krieges“ (1633), mit den Friedensbildern von 1648.

Aufgaben

  1. Erkläre, warum der Augsburger Religionsfrieden keinen dauerhaften Frieden brachte.
  2. Lege eine Zeitleiste mit den vier Phasen des Krieges an und nenne jeweils die wichtigsten Beteiligten.
  3. Beschreibe, was der Satz „Der Krieg ernährt den Krieg“ für die Bevölkerung bedeutete.
  4. Beurteile, ob der Dreißigjährige Krieg ein Religionskrieg war.

Quellen