Geistliche und weltliche Macht im Mittelalter (Investiturstreit)

Grundlagen:

Herrschaftspyramide des Mittelalters:
https://histopro.wordpress.com/2012/12/13/die-gesellschaft-des-mittelalters/

Der Papst war zwar nicht offiziell Teil der Gesellschaft im Heiligen Römischen Reich, aber sein Wort legitimierte die Herrschaft des deutschen Königs und machte ihn vor allen zum römisch-deutschen Kaiser.

Das Papsttum im Mittelalter – ein geistliches und weltliches Amt zugleich?

Gelasius I.:
– weltliche und geistliche Macht bestehen nebeneinander
– weltliche Macht soll sich geistlicher Macht unterordnen
Innozenz III:
– weltliche und geistliche Macht bestehen nebeneinander
– weltliche Macht ist von geistlicher Macht direkt abhängig
Bonifaz VIII:
– weltliche Macht soll auf Machtanspruch verzichten
– weltliche Macht soll von geistlicher Macht gelenkt werden

Fazit: Die Kirche stellt im Mittelalter immer weitergehendere Machtansprüche und Forderungen gegenüber der weltlichen Macht.

Das Königtum im Mittelalter – eine rein weltliche Macht?:
Weltliche Aufgaben:
– oberste Gerichtsgewalt (z.B. Bestätigung von Todesstrafen)
– Schutz von Volk und Reich
– Heeresgewalt und -führung
– Erteilung von Lehen an die Kronvasallen
Geistliche Aufgaben:
– Schutz der Kirche
– Falschgläubige vernichten
– Investitur von Geistlichen mittels Insignien

Fazit:
– Der König hatte sowohl weltliche als auch geistliche Verpflichtungen.

Die Investitur:
Kernfrage: Papst oder Kaiser – Wer ist wem untergeordnet?

Streitfragen:
– Wer darf die Bischöfe in ihr Amt einsetzen, also konkret die Investitur mit Insignien durchführen? Der Papst als höchster Geistlicher oder der König/Kaiser als oberster Fürst und Lehnsherr des Reiches?
– Darf der Papst sich in die Frage der Thronfolge in Deutschland einmischen?

Der Investiturstreit:
M1: Papst soll König absetzen dürfen, wenn dieser gegen seinen Eid verstößt und zum Tyrann wird
Begründung: es gibt ein Dekret, nach dem ein Priester verfolgt werden kann, wenn er sich der Amtsgewalt des Vorgesetzen widersetzt

M2: Reich gehört nicht dem Papst, sondern Gott, und der König bekommt das Reich nicht vom Papst sondern direkt von Gott. Die Nachfolge wird also nicht vom Papst sondern durch Erbfolge bestimmt.
Begründung: Papst war überheblich, als er König Heinrich IV. kränkte / der Prophet Daniel sagt „Gott ist das Reich, und er gibt es, wem er will.“

=> Lösung des Streits durch den Gang nach Canossa (1077) und das Wormser Konkordat (1122):
Durch seine Unterwerfungsgeste in Canossa, akzeptierte Heinrich IV. endgültig, dass der Papst über dem Kaiser stand. Auch wenn er später noch einmal militärisch gegen den Papst vorging (und scheiterte), wurde unter seinem Nachfolger Heinrich V. im Wormser Konkordat die Vorherrschaft des geistlichen Machtbereichs über den weltlichen Machtbereich bis zur Zeit der Aufklärung manifestiert.
Durch die Reformation wurde diese Machtbalance nicht geändert, lediglich der geistliche Machtbereich war starken Veränderungen unterworfen (neuer Glaube: Protestantismus!), was sich auf den weltlichen Machtbereich auswirkte (prot. Fürsten entziehen sich dem kaiserlichen Machtbereich -> Dreißigjähriger Krieg!).

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4 Antworten zu Geistliche und weltliche Macht im Mittelalter (Investiturstreit)

  1. Pingback: Die Gesellschaft des Mittelalters | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  2. Wo sind denn Material 1 und 2?

    • batumammut schreibt:

      Hallo Herr Kessler, M1 und M2 lag unseren Untersuchungen im Unterricht zugrunde. Wenn Sie mir eine E-Mail schreiben, kann ich Ihnen das Arbeitsblatt gerne zukommen lassen (E-Mail-Adresse siehe Impressum).

  3. Pingback: Machtverteilung im Mittelalter – History At The Highest Stage

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