Am 8. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Deutschland war besiegt, besetzt und weitgehend zerstört. Nur vier Jahre später gab es zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Nachkriegszeit von 1945 bis 1949 – vom Alltag in den Trümmern bis zur doppelten Staatsgründung.
Leben in Trümmern
Viele deutsche Städte lagen in Schutt und Asche. In Köln, Dresden oder Hamburg war ein großer Teil der Wohnungen zerstört. Straßen, Brücken und Bahnlinien waren kaputt, die Versorgung brach zusammen. Die Menschen hausten in Kellern, Ruinen und Notunterkünften. Frauen räumten die Trümmer weg und sortierten brauchbare Ziegel – die „Trümmerfrauen“ wurden zu einem Symbol des Neuanfangs. Viele Männer waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft.
Lebensmittel waren knapp und wurden über Lebensmittelkarten zugeteilt. Die Rationen reichten oft kaum zum Überleben. Im besonders kalten Hungerwinter 1946/47 starben viele Menschen an Hunger und Kälte. Auf dem Schwarzmarkt tauschten die Menschen Wertsachen gegen Essen; Zigaretten wurden zu einer Art Ersatzwährung. Städter fuhren aufs Land, um bei Bauern Kartoffeln oder Eier zu „hamstern“.
Hinzu kamen Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus Osteuropa, die in den Besatzungszonen untergebracht werden mussten. Außerdem lebten Hunderttausende Displaced Persons in Deutschland: ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Überlebende und Kriegsgefangene, die nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten oder wollten.
Vier Besatzungszonen
Die Siegermächte teilten Deutschland in vier Besatzungszonen auf: eine amerikanische, eine britische, eine französische und eine sowjetische. Auch die Hauptstadt Berlin, die mitten in der sowjetischen Zone lag, wurde in vier Sektoren geteilt. Die höchste Gewalt lag bei den Militärregierungen. Fragen, die Deutschland als Ganzes betrafen, sollte der Alliierte Kontrollrat in Berlin gemeinsam entscheiden. Baden-Württemberg, das es damals noch nicht gab, war zwischen der amerikanischen Zone im Norden und der französischen Zone im Süden geteilt.
Die Potsdamer Konferenz
Vom 17. Juli bis 2. August 1945 berieten die Regierungschefs der USA (Truman), Großbritanniens (Churchill, später Attlee) und der Sowjetunion (Stalin) im Schloss Cecilienhof in Potsdam über die Zukunft Deutschlands. Frankreich war nicht eingeladen, schloss sich den Beschlüssen aber später an. Die Ziele lassen sich mit den „fünf D“ zusammenfassen:
- Demilitarisierung: Deutschland sollte vollständig entwaffnet werden.
- Denazifizierung (Entnazifizierung): Nationalsozialisten sollten aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft entfernt und bestraft werden.
- Dezentralisierung: Die Macht sollte auf Länder und Gemeinden verteilt und große Wirtschaftskonzerne sollten entflochten werden.
- Demokratisierung: Das politische Leben sollte auf demokratischer Grundlage neu aufgebaut werden.
- Demontage: Als Reparationen durften die Siegermächte Industrieanlagen abbauen und abtransportieren.
Außerdem wurden die Gebiete östlich von Oder und Neiße unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt. Die Ausweisung der dort lebenden Deutschen sollte „in ordnungsgemäßer und humaner Weise“ erfolgen – tatsächlich verlief sie oft brutal.
Entnazifizierung und Nürnberger Prozess
Im Nürnberger Prozess (1945/46) mussten sich führende Nationalsozialisten vor einem internationalen Militärgerichtshof verantworten; zwölf wurden zum Tode verurteilt. Erstmals wurden Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit vor einem internationalen Gericht verhandelt. In den Westzonen mussten Millionen Deutsche Fragebögen über ihre Vergangenheit ausfüllen und wurden vor Spruchkammern in Gruppen von „Hauptschuldigen“ bis „Entlasteten“ eingestuft. Viele Belastete kamen jedoch mit milden Strafen davon. In der sowjetischen Zone wurde die Entnazifizierung genutzt, um die Gesellschaft nach kommunistischen Vorstellungen umzubauen.
Getrennte Wege in Ost und West
Schon bald entwickelten sich die Zonen auseinander. In der sowjetischen Besatzungszone wurden Großgrundbesitzer enteignet (Bodenreform), Betriebe verstaatlicht, und im April 1946 wurden SPD und KPD unter Druck zur SED zusammengeschlossen, die bald die Macht allein ausübte. In den Westzonen entstanden Parteien wie CDU, SPD und FDP, und in den neu gegründeten Ländern fanden freie Wahlen statt.
Mit dem beginnenden Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion zerbrach die Zusammenarbeit der Siegermächte. Die USA und Großbritannien legten ihre Zonen zum 1. Januar 1947 zur Bizone zusammen, später kam die französische Zone hinzu. Mit dem Marshallplan unterstützten die USA ab 1948 den Wiederaufbau Westeuropas einschließlich der Westzonen. Die Sowjetunion lehnte die Hilfe für ihren Machtbereich ab.
Währungsreform und Berlin-Blockade
Am 20. Juni 1948 führten die Westmächte in ihren Zonen die Deutsche Mark ein. Über Nacht füllten sich die Schaufenster wieder mit Waren, die vorher zurückgehalten worden waren. Die Sowjetunion reagierte mit einer eigenen Währungsreform – und ab dem 24. Juni 1948 mit der Blockade West-Berlins. Alle Straßen, Bahnlinien und Wasserwege nach West-Berlin wurden gesperrt. Die Westmächte antworteten mit der Luftbrücke: Fast ein Jahr lang versorgten amerikanische und britische Flugzeuge die über zwei Millionen West-Berliner mit Lebensmitteln, Kohle und allem Nötigen. Die Berliner nannten sie „Rosinenbomber“. Im Mai 1949 gab die Sowjetunion auf und hob die Blockade auf. Aus Besatzern waren für viele West-Berliner Verbündete geworden.
Die doppelte Staatsgründung 1949
Im Juli 1948 beauftragten die Westmächte die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder, eine Verfassung auszuarbeiten. Im Parlamentarischen Rat in Bonn, dessen Präsident Konrad Adenauer war, entstand das Grundgesetz. Man nannte es bewusst nicht „Verfassung“, weil es nur vorläufig bis zu einer Wiedervereinigung gelten sollte. Am 23. Mai 1949 wurde es verkündet – die Bundesrepublik Deutschland war gegründet. Im August 1949 wurde der erste Bundestag gewählt, im September wurde Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler gewählt.
In der sowjetischen Zone wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Trotz ihres Namens war sie keine Demokratie, sondern ein von der SED beherrschter Staat nach sowjetischem Vorbild. Damit war Deutschland für die nächsten 40 Jahre geteilt.
Eine „Stunde Null“?
Oft wird das Kriegsende 1945 als „Stunde Null“ bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass alles von vorne begann. Historiker sehen ihn heute kritisch: Vieles ging weiter – Menschen, Einstellungen, Beamte, Firmen und Traditionen. Viele ehemalige Nationalsozialisten fanden später wieder wichtige Posten. Zugleich war 1945 ein tiefer Einschnitt: Die NS-Diktatur war beendet, und für die Menschen in den Westzonen begann ein Weg zur Demokratie.
Aufgaben
- Beschreibe den Alltag der Menschen in Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren.
- Erkläre die „fünf D“ der Potsdamer Konferenz.
- Stelle dar, wie Währungsreform und Berlin-Blockade zusammenhingen.
- Erörtere, ob der Begriff „Stunde Null“ für das Jahr 1945 passend ist.
Quellen
- Geschichte kompakt: Berlin-Blockade
- Geschichte kompakt: Deutschland 1945 bis 1949
- LeMO (Haus der Geschichte): Berlin-Blockade 1948
- LeMO (Haus der Geschichte): Leben in Trümmern
- LeMO (Haus der Geschichte): Marshall-Plan und Währungsreform
- LeMO (Haus der Geschichte): Nachkriegsjahre
- LeMO (Haus der Geschichte): Potsdamer Konferenz
- segu Geschichte: Besatzungszeit und deutsche Teilung