Die römische Republik und die gemischte Verfassung (nach Polybios)

Der griechische Schriftsteller Polybios (um 200 bis 120 v. Chr.; als Sohn eines griechischen Feldherren als Geisel nach Rom verschleppt) berichtete über römische Republik und beschrieb dabei die Verfassung Roms als „eigentümlich“. Sie mache den römischen Staat „unüberwindlich“ und ermögliche es ihm, alles zu erreichen was dieser sich vorgenommen habe.

Leitfrage: Was war so besonders an der römischen Verfassung und machte sie die römische Republik wirklich unüberwindlich?

Nach der Beschreibung des Polybios besteht der römische Staat aus drei Elementen:

An der Spitze des Staates stehen zwei Konsulen, die vom Volk jährlich aus dem patrizischen Stadtadel Roms gewählt werden und den Staat führen. Sie führen die republikanischen Armeen im Verteidigungsfall und treffen zentrale Entscheidungen. Sie führen auch die Gesetze aus. Den beiden Konsulen unterstehen eine Reihe von Magistraten (Beamten), die wichtige Regierungsfunktionen ausüben (zu den Magistraten weiter unten mehr).

=> Die beiden Konsulen stellen innerhalb des römischen Staates die monarchische Gewalt dar, da sie Rechte und Aufgaben von Königen ausführen. Sie sind zu zweit, damit sie sich gegenseitig in ihrer Machtausübung kontrollieren können. Zudem kann ein Konsul die Regierungsgeschäfte weiterführen, wenn der andere Konsul die Armee gegen den Feind ins Feld führt.

Der Adel Roms, die Patrizier finden sich im Senat Roms wieder. Jeder der 300 Mitglieder ist ein ehemaliger Magistrat. Der Senat bereitet Gesetze und wichtige Entscheidungen über Krieg und Frieden vor und berät die Magistrate in ihren Entscheidungen.

=> Der Senat stellt innerhalb des römischen Staats die aristokratische Gewalt dar, da mit diesem Gremium der Adel seinen gewaltigen Einfluss auf den Staat sicherstellt.

Alle erwachsenen Männer mit römischen Bürgerrecht waren in der Volksversammlung stimmberechtigt. Dieses Gremium wählte nicht nur die Magistrate, sondern stimmten mit über Gesetze und wichtige Entscheidungen ab. Besonders bei Entscheidungen über Krieg und Frieden musste die Volksversammlung gehört werden, schließlich stammte die große Mehrzahl der Soldaten der römischen Armee aus dem einfachen Volk.

=> Die Volksversammlung stellte den Einfluss des ganzen Volkes, vor allem der ärmeren Schichten sicher. Sie ist deshalb das demokratische Element der Republik.

Polybios argumentiert, dass diese drei Elemente in der römischen Verfassung der Republik perfekt aufeinander abgestimmt seien. Alle drei Elemente hätten die Macht einander zu schaden, kontrollierten sich aber und glichen ihre Macht untereinander aus.

Die römische Republik war durch ihre gemischte Verfassung also besonders stark, weil sie die Interessen aller Teile der Bevölkerung beachtete und von allen drei antiken Staatsformen die sinnvollsten Elemente übernahm.

Weitere Vorteile:

– Konsulen können sich nicht als Alleinherrscher durchsetzen und eine Tyrannis (Einzelherrschaft) aufbauen

– Mitbestimmung des Volkes in der Volksversammlung verhindert Aufstände der ärmeren Schichten

– Volk ist bereit in den Krieg zu ziehen, da ihre Stimme bei der Entscheidung über Krieg und Frieden gehört worden ist

– Feldherren sind immer Adlige oder Konsulen, die auf ihre Aufgabe perfekt vorbereitet wurden, sie sind nicht wahllos ausgelost worden, wie im demokratischen Athen

Nachteile:

– Sehr reiche Konsulen konnten sich durch Bestechung des Volkes große Macht aneignen und die Macht des Senats mit Hilfe des Volkes und der Armee aushebeln (=> Caesar!).

– Die beiden Gremien (Senat und Volksversammlung) verschärften den Aufbruch der römischen Gesellschaft in zwei Lager, Adel und Volk (Patrizier und Plebejer). Dies konnte zu Bürgerkriegen oder zu gesellschaftlichen Stillstand führen.

– Wenn die Republik in Gefahr war (Angriffe von anderen Völkern, Volksaufstände, etc.) konnte ein Adliger zum Diktator für ein halbes Jahr ausgerufen werden. Die Gefahr bestand allerdings, dass dieser mit Hilfe des Volkes eine Diktator auf Lebenszeit ausrufen konnte.

– Der Aufbau des Staates auf die Magistrate (einzelne Personen) ermöglichte Korruption, welche den Staat weniger effizient machen konnte.

– Frauen, Sklaven und Ausländer hatten in der römischen Republik keinerlei politisches Mitspracherecht, meist auch keine persönliche Freiheit. Dies konnte zu Unzufriedenheit, Aufständen oder anderen Problemen führen.

Magistrate (nach Rangfolge):

Konsulen:
– hatten im Kriegsfall den Oberbefehl über das Heer
– Amtsführung, sie leiten die Magistrate

Prätor:
– Stellvertreter der Konsulen
– Überwachung der Rechtsprechung

Ädile:
– Sorge für die öffentliche Sicherheit
– Ordnungsdienst
– Prüfung der Preise, Maße und Gewichte auf dem Markt
– Organisation von Festen und Spielen

Zensor: – Führung der Senatorenlisten
– Steuerverwalter
– Überwachung der Sitten

Quästor:
– Verwalter der Staatskasse (Einstieg in die Magistratslaufbahn)

Volkstribunen:
– Schutz des einfachen Volkes
– Einberufung der Volksversammlung (durften von niemandem in ihrer Amtshandlung behindert werden, hatten Vetorecht gegen Amtshandlungen anderer Magistrate)

 

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4 Antworten zu Die römische Republik und die gemischte Verfassung (nach Polybios)

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  3. M schreibt:

    „Die Volksversammlung stellte den Einfluss des ganzen Volkes, vor allem der ärmeren Schichten sicher.“

    Diese Aussage halte ich für überaus gewagt, wenn man berücksichtigt, dass die Zenturiatkomitien auf dem timokratischen Prinzip aufgebaut sind, wodurch die oberen (reichen) Zenturien immer die Mehrheit stellen können und das ärmere Volk in den unteren Zenturien komolett vernachlässigt werden kann. Es ist überliefert die unterste Zenturie hätte wohl so viele Bürger inneghabt wie alle anderen zusammen. Selbiges gilt für die Tributkomitien, die nach territorialem Prinzip ihre Stimmen abgaben. Dort wurde die arme Bevölkerung den Städten zugeschrieben, welche 4 Stimmen besaßen, die reiche Oberschicht wurde dem Land zugeschrieben, welches 31 Stimmen hatte. Somit war auch dort in der Volksversammlung de facto nur die Stimme der Oberschicht ausschlaggebend und repräsentierte keinesfalls die Meinung der Unterschicht.

    Einzig das Concilium plebis könnte deine Aussage teilweise decken. Die Problematik, dass das Volk lediglich den Gesetzesvorschlägen zustimmen oder sie ablehnen konnte mal aussen vor gelassen. So sind lediglich 8 abgelehnte Anträge überliefert, 4 davon nicht einmal mit Sicherheit. Von den übrigen 4 Anträgen ist es sicher, dass die Nobilität (die in dem oben auch Artikel nie erwähnt wird) gegen 3 der Anträge vorgegangen ist. Es ist also anzunehmen, dass die Volksversammlung immer so abgestimmt hat, wie es von Antragssteller gewünscht wurde. (Egon Flaig: Entscheidung und Konsens. In: Martin Jehne (Hrsg.): Demokrarie in Rom?)

    „Der Adel Roms, die Patrizier finden sich im Senat Roms wieder.“

    Nach dem Ende der Ständekämpfe gab es auch aufstrebende plebejische Familien in die Senatsaristokratie aufsteigen, somit erweiterte sich der Kreis des alten römischen Adles zur Nobilität.

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