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Stammt der Mensch vom Affen ab? – Vorzeit des Menschen

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„Der Mensch stammt vom Affen ab“ – diesen Satz hast du bestimmt schon einmal gehört. Er klingt einfach, ist aber so nicht richtig. Wissenschaftler sagen heute: Mensch und Affe haben gemeinsame Vorfahren. Das ist ein wichtiger Unterschied. In diesem Beitrag erfährst du, was damit gemeint ist, woher wir das wissen und wie die ersten Vorfahren des Menschen in der Vorzeit lebten.

Was ist Evolution?

Pflanzen und Tiere verändern sich über sehr lange Zeiträume. Diese langsame Veränderung von Lebewesen über viele Generationen nennt man Evolution. Der englische Naturforscher Charles Darwin erklärte 1859 in seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“, wie das funktioniert: Innerhalb einer Art sind nicht alle Tiere gleich. Diejenigen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, überleben häufiger und bekommen mehr Nachkommen. Ihre Eigenschaften setzen sich deshalb langsam durch. Über viele Tausend Generationen können so neue Arten entstehen.

1871 schrieb Darwin in einem weiteren Buch, dass auch der Mensch durch Evolution entstanden sei. Das war für viele Menschen damals ein Schock, denn es widersprach der Vorstellung, dass Gott den Menschen direkt erschaffen habe. Karikaturisten zeichneten Darwin deshalb als Affen. Aus dieser Zeit stammt auch das Missverständnis, der Mensch stamme von den heutigen Affen ab.

Vettern statt Großeltern

Stell dir die Verwandtschaft der Lebewesen wie einen großen Familienstammbaum vor. Du stammst nicht von deinem Cousin ab – ihr habt aber gemeinsame Großeltern. Genauso ist es mit dem Menschen und dem Schimpansen: Vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren lebte in Afrika eine Art von Menschenaffen, von der sowohl die heutigen Schimpansen als auch wir Menschen abstammen. Von da an entwickelten sich zwei Linien getrennt voneinander weiter. Die heutigen Schimpansen sind also nicht unsere Vorfahren, sondern unsere entfernten Vettern. Auch sie haben sich in diesen Millionen Jahren weiterentwickelt.

Deshalb ist auch die Frage „Wenn der Mensch vom Affen abstammt, warum gibt es dann noch Affen?“ falsch gestellt. Aus einer gemeinsamen Ursprungsart können sich mehrere neue Arten entwickeln, die nebeneinander weiterbestehen.

Woher wissen wir das?

  • Fossilien: Forscher haben in Afrika viele versteinerte Knochen früher Vorfahren des Menschen gefunden. An ihrer Form können sie erkennen, ob ein Lebewesen aufrecht ging, wie groß sein Gehirn war und was es aß.
  • Vergleich des Körperbaus: Menschenaffen und Menschen haben sehr ähnliche Skelette, Hände mit Daumen, die sich gegenüberstellen lassen, und nach vorn gerichtete Augen.
  • Erbgut (DNA): Vergleicht man das Erbgut, stimmt das des Menschen mit dem des Schimpansen zu etwa 98 bis 99 Prozent überein. Kein anderes Lebewesen ist uns so ähnlich.

Die ersten Schritte: aufrecht gehen

Das wichtigste Merkmal, das unsere frühen Vorfahren von den Menschenaffen unterschied, war nicht ein großes Gehirn, sondern der aufrechte Gang auf zwei Beinen. Warum sich dieser entwickelte, ist nicht ganz geklärt. Eine Erklärung lautet: Das Klima in Ostafrika wurde trockener, die Wälder schrumpften und es entstanden offene Graslandschaften, die Savannen. Wer aufrecht ging, konnte weiter sehen, bei Hitze weniger Sonne abbekommen und die Hände zum Tragen benutzen.

Ein berühmter Fund ist „Lucy“. So nannten Forscher das Skelett einer jungen Frau der Art Australopithecus afarensis („Südaffe aus Afar“), das 1974 in Äthiopien entdeckt wurde. Lucy lebte vor etwa 3,2 Millionen Jahren, war nur rund einen Meter groß und hatte ein Gehirn kaum größer als das eines Schimpansen. Ihr Becken und ihre Beine zeigen aber, dass sie aufrecht ging. Dazu passen versteinerte Fußspuren aus Laetoli in Tansania, die etwa 3,6 Millionen Jahre alt sind. Die Australopithecinen nennt man auch Vormenschen.

Werkzeuge verändern alles

Vor etwa 2,5 Millionen Jahren tauchten die ersten Vertreter der Gattung Homo („Mensch“) auf. Man nennt sie Urmenschen oder Frühmenschen. Einer von ihnen ist Homo habilis, der „geschickte Mensch“. Die ältesten bekannten Steinwerkzeuge sind sogar noch etwas älter. Unsere Vorfahren schlugen Stücke von Steinen ab, um scharfe Kanten zu erhalten. Damit konnten sie Fleisch von Knochen schneiden und Knochen aufschlagen, um an das nahrhafte Mark zu kommen. Mehr Fleisch in der Nahrung lieferte viel Energie – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Gehirn im Laufe der Zeit größer werden konnte.

Die Vorzeit des Menschen

Die Zeit, aus der es keine schriftlichen Quellen gibt, nennen Historiker Vorgeschichte oder Vorzeit. Weil die Menschen ihre Werkzeuge vor allem aus Stein herstellten, heißt der längste Abschnitt Steinzeit. Die Altsteinzeit begann mit den ersten Steinwerkzeugen und dauerte bis vor etwa 12.000 Jahren. In dieser Zeit lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Sie zogen in kleinen Gruppen umher, jagten Tiere, sammelten Früchte, Nüsse und Wurzeln und wohnten in Höhlen, unter Felsvorsprüngen oder in Zelten aus Fellen. Wichtige Fortschritte waren die Nutzung des Feuers und immer bessere Werkzeuge wie der Faustkeil.

Unsere eigene Art, Homo sapiens, entstand erst vor rund 300.000 Jahren in Afrika. Wie sich die Gattung Homo bis dahin entwickelte und wie der Neandertaler in dieses Bild passt, erfährst du im Beitrag „Der Homo sapiens und seine Vorfahren“.

Ein Stammbusch statt einer Leiter

Vielleicht kennst du das bekannte Bild, auf dem ein gebückter Affe sich Schritt für Schritt zu einem aufrechten Menschen aufrichtet. Dieses Bild ist irreführend. Die Entwicklung des Menschen verlief nicht wie eine gerade Leiter. Sie gleicht eher einem verzweigten Busch: Oft lebten mehrere Vor- und Urmenschenarten gleichzeitig, viele Zweige starben aus, und nur einer führte zu uns. Mit jedem neuen Fund müssen Forscher ihr Bild der Menschheitsgeschichte ergänzen oder korrigieren.

Merke

  • Der Mensch stammt nicht vom Affen ab, sondern hat mit den Menschenaffen gemeinsame Vorfahren.
  • Unser nächster lebender Verwandter ist der Schimpanse.
  • Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika.
  • Am Anfang der Menschwerdung stand der aufrechte Gang, erst später wuchs das Gehirn.

Aufgaben

  1. Erkläre mit dem Beispiel eines Familienstammbaums, warum der Satz „Der Mensch stammt vom Affen ab“ falsch ist.
  2. Nenne drei Arten von Beweisen, mit denen Wissenschaftler die Verwandtschaft von Mensch und Affe belegen.
  3. Beschreibe, wie die Menschen in der Altsteinzeit lebten.

Quellen