Kaiser Friedrich II. und das Papsttum

Das fürstliche Haus der Staufer versuchte die Macht der deutschen Kaiser schon seit dem 12. Jahrhundert gegenüber der Macht des Papstes zu sichern, häufig auch auszuweiten. Seit dem Investiturstreit 1059 bis 1122 n. Chr. (vor allem durch das Wormser Konkordat von 1122) war die kaiserliche Macht durch den Papst eingeschränkt und deutlich bedroht.

Im 13. Jahrhundert forderte Friedrich II. die Kirche endgültig heraus, was zu einem Streit zwischen ihm und Papst gipfelte. In der Gegenüberstellung der Argumente der folgenden Quellen lässt sich der Streit gut nachvollziehen:

Friedrich II. über Papst Gregor IX. in einem Rundschreiben an die deutschen Fürsten 1239: Papst Gregor IX. im Jahre 1239 in einem Brief an den Erzbischof von Reims:
– bezeichnet ihn „aus Mangelhaftigkeit seiner Person“ als unwürdig für den Heiligen Stuhl- bezeichnet ihn als untreu

– wirft katholischen Priestern die Beschmutzung von Heiligen vor

– wirft Gregor das Handeln gegen das Gesetz vor

– warnt die Fürsten davor, dass nach des Kaisers Erniedrigung diejenige der Fürsten folgen würde

– bezeichnet Gregor als Schande für die Kirche

– wirft Gregor vor als Haupt der Kirche zu „schlafen“

– bezeichnet den Kaiser als wilde Bestie mit eisernen Krallen und Füßen- bezichtigt ihn der Lüge

– bezeichnet ihn als „Stab des Bösen“ und als „Hammer der Erde“, der die ganze Welt „zermalmen“ will

– wirft ihm Gotteslästerung und Ketzerei vor

– wirft ihm vor, mit dem Königreich Sizilien die Kirche unterjochen zu wollen

Was waren die Gründe für den gegenseitigen Hass?

– Gregor und sein Nachfolger Innozenz wollten den Papst über den Kaiser stellen.

– Kaiser Friedrich II. und seine staufischen Vorgänger lehnten diese Machterweiterung des Papsttums strikt ab.

– Friedrich II. bedrohte den Vatikanstaat von zwei Seiten militärisch: Von Norden, da Norditalien Teil des Reichs war und von Süden durch das Königreich Sizilien, ein ehemals normannisches Königreich, dessen König Friedrich zudem war.

– Die Päpste waren gegen die religiöse Toleranz Friedrichs. Der Kaiser hatte muslimische Bogenschützen in seiner Armee, beschäftigte muslimische Ärzte und Wissenschaftler und spielte mit Größen der islamischen Welt Schach.

Die Folgen des Streits:

– 1239 verhängt Papst Gregor IX. den Kirchenbann über Friedrich II. Er schloss ihn damit aus der kirchlichen Gemeinschaft aus, was ihn für seine Fürsten als Kaiser untragbar machen sollte.

– Friedrich nahm allerdings die Waffen auf und kämpfte um seine Stellung als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Erst 1246 konnte Innozenz IV. einen Gegenkaiser in Deutschland finden, der Staufer Friedrich bekämpfte diesen aber wirkungsvoll.

– Erst der plötzliche Tod Friedrichs 1250 inmitten des unentschiedenen Streits ließ das Papsttum die Oberhand gewinnen. Friedrichs Nachfolger Konrad IV. starb früh und bis 1273 sollte im Reich kein neuer Kaiser gewählt werden (Interregnum).

– Das staufische Adelshaus wurde vom Papsttum gejagt, 1268 wurde mit Konradin der letzte Staufer geköpft.

– Die Macht des Papsttums war durch diesen Sieg endgültig gefestigt. Bis ins 14. Jahrhundert übte der Papst nun auch große weltliche Macht aus.

– Die Macht des Kaisertums war endgültig geschwächt. Die Kronvasallen schwangen sich nun zu starken Landesherren mit weitreichenden Herrschaftsrechten im Reich auf. Sie behandelten ihre (vom Reich eigentlich entliehene) Lehen wie Privatbesitz und stellten eigene Armeen auf, trafen Heiratsabmachungen und förderten den Handel, um ihre Territorien zu vergrößern.

 

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2 Antworten zu Kaiser Friedrich II. und das Papsttum

  1. Sinja von Haar schreibt:

    Gibt es für Friedrichs Schach „mit Größen der islamischen Welt“ belastbare Quellen? Damit wäre zu vermuten, dass der Weg des Schach von Indien über Arabien eben nicht zuerst in die italienischen Renaissance-Städte, sondern in des Staufers (ohnehin ein halber Araber in den Augen seiner Zeitgenossen) Sizilien geführt hätte.

    • batumammut schreibt:

      Gute Frage, die Information habe ich tatsächlich nur aus der Sekundärliteratur. Ich kann mir diesen Weg aber sehr gut vorstellen. So etwas wäre im Studium eine super Hausarbeit geworden. 😉

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