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Rom in Gefahr ab 200 n. Chr.

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Um das Jahr 200 n. Chr. schien das Römische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Es reichte von Britannien bis nach Syrien, von der Nordsee bis an den Rand der Sahara. Doch nur wenige Jahrzehnte später stand es am Rande des Zusammenbruchs: Kaiser wurden reihenweise ermordet, Germanen fielen über Rhein und Donau ein, im Osten eroberten die Perser römische Städte, und das Geld verlor seinen Wert. Die Historiker sprechen von der Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Wie kam es dazu – und wie überstand Rom diese Krise?

Die Severer: Macht durch das Heer

Nach einem Bürgerkrieg setzte sich 193 n. Chr. der Feldherr Septimius Severus als Kaiser durch. Er stammte aus Nordafrika und verdankte seine Macht allein dem Militär. Er erhöhte den Sold der Soldaten deutlich. Seinen Söhnen soll er auf dem Sterbebett geraten haben, sich um die Soldaten zu kümmern und alle anderen zu verachten. Sein Sohn Caracalla verlieh 212 n. Chr. fast allen freien Einwohnern des Reiches das römische Bürgerrecht – auch, um mehr Steuern einnehmen zu können.

Unter den Kaisern aus dem Haus der Severer (193–235) wurde deutlich, wie sehr die Herrschaft nun vom guten Willen der Armee abhing. Als der letzte Severer, Severus Alexander, 235 n. Chr. von meuternden Soldaten ermordet wurde, begann eine Zeit großer Unsicherheit.

Die Zeit der Soldatenkaiser (235–284)

In den folgenden 50 Jahren regierten mehr als zwanzig anerkannte Kaiser, dazu kamen zahlreiche Gegenkaiser. Man nennt sie Soldatenkaiser, weil sie meist von ihren Truppen zum Kaiser ausgerufen wurden. Viele von ihnen waren Offiziere aus einfachen Verhältnissen, die Rom selbst kaum kannten. Kaum einer regierte länger als ein paar Jahre, fast alle starben eines gewaltsamen Todes – im Kampf oder durch Mord. Sobald ein Heer mit seinem Kaiser unzufrieden war oder ein anderer Feldherr mehr Geld versprach, rief es einen neuen Kaiser aus. Statt die Grenzen zu verteidigen, kämpften römische Armeen oft gegeneinander.

Feinde an allen Grenzen

Gleichzeitig wuchs der Druck von außen:

  • Im Osten: 224 n. Chr. übernahm in Persien die neue Dynastie der Sassaniden die Macht. Sie war viel angriffslustiger als die Parther vor ihr. 260 n. Chr. geriet Kaiser Valerian in persische Gefangenschaft – eine unerhörte Demütigung für Rom. Er starb in Gefangenschaft.
  • Im Norden: Germanische Gruppen wie die Alamannen und Franken am Rhein und die Goten an der unteren Donau überfielen immer wieder römische Provinzen. 251 n. Chr. fiel Kaiser Decius in einer Schlacht gegen die Goten. Um 260 n. Chr. gaben die Römer den Limes, den Grenzwall in Süddeutschland, auf und zogen sich an Rhein und Donau zurück.

Das Reich zerfällt in drei Teile

Weil die Kaiser nicht überall gleichzeitig sein konnten, nahmen manche Regionen ihre Verteidigung selbst in die Hand. Im Westen rief sich der Feldherr Postumus 260 n. Chr. zum Kaiser aus und gründete das Gallische Sonderreich mit Gallien, Britannien und Spanien. Im Osten baute die Stadt Palmyra in Syrien unter ihrer Herrscherin Zenobia ein eigenes Reich auf, das bis nach Ägypten reichte. Um 270 n. Chr. war das Römische Reich faktisch dreigeteilt. Diese Sonderreiche schwächten zwar die Einheit des Reiches, schützten aber zugleich ihre Regionen vor Angriffen.

Geldentwertung, Seuchen und Verfolgungen

Die vielen Kriege kosteten enorm viel Geld. Um die Soldaten bezahlen zu können, mischten die Kaiser immer weniger Silber in ihre Münzen. Am Ende bestanden die Silbermünzen fast nur noch aus Kupfer mit einem dünnen Silberüberzug. Das Geld verlor an Wert, die Preise stiegen (Inflation). Der Handel ging zurück, und die Steuerlast wurde für viele Menschen drückend. Hinzu kam um 250 n. Chr. eine schwere Seuche, die in vielen Teilen des Reiches wütete.

In dieser unsicheren Zeit suchten viele Menschen Halt in der Religion. Neue Kulte, besonders das Christentum, gewannen Anhänger. Einige Kaiser glaubten dagegen, die Krise komme daher, dass man die alten Götter vernachlässige. Kaiser Decius verlangte 250 n. Chr. von allen Bürgern ein Opfer für die Götter. Wer sich weigerte, wurde bestraft. Es war die erste reichsweite Christenverfolgung.

Die Rettung: Aurelian und Diokletian

Ab etwa 270 n. Chr. gelang es einigen tatkräftigen Kaisern, das Reich wieder zu stabilisieren. Aurelian (270–275) besiegte Palmyra und das Gallische Sonderreich und vereinigte das Reich wieder. Um Rom selbst ließ er eine neue, gewaltige Stadtmauer bauen – ein Zeichen dafür, dass sich selbst die Hauptstadt nicht mehr sicher fühlte.

Entscheidend wurden die Reformen Diokletians, der 284 n. Chr. Kaiser wurde:

  • Tetrarchie: Ab 293 n. Chr. teilte er die Herrschaft auf vier Kaiser auf: zwei ranghöhere Augusti und zwei jüngere Caesares. So konnte an mehreren Grenzen gleichzeitig ein Kaiser eingreifen, und die Nachfolge sollte geregelt sein.
  • Verwaltung: Er teilte die Provinzen in kleinere Einheiten auf und trennte die militärische von der zivilen Verwaltung. So wurde es schwieriger für einen Statthalter, sich gegen den Kaiser zu erheben.
  • Heer: Das Heer wurde vergrößert und in Grenztruppen und bewegliche Eingreiftruppen gegliedert.
  • Steuern und Wirtschaft: Ein neues Steuersystem sollte regelmäßige Einnahmen sichern. Mit einem Höchstpreisedikt (301 n. Chr.) versuchte Diokletian, die Inflation zu stoppen – allerdings mit wenig Erfolg.

Diokletian verstärkte auch den Kaiserkult und ließ ab 303 n. Chr. die Christen noch einmal hart verfolgen. Die Tetrarchie zerbrach bald nach seinem Rücktritt. Sein Nachfolger Konstantin der Große setzte sich als Alleinherrscher durch und förderte ab 313 n. Chr. das Christentum.

War es wirklich eine „Krise“?

Die Forschung sieht die Zeit heute differenzierter. Nicht alle Regionen litten gleich stark: Nordafrika zum Beispiel blieb weitgehend von Kriegen verschont und erlebte sogar eine Blütezeit. Viele Soldatenkaiser erkannten die Probleme und begannen Reformen, auf die Diokletian später aufbauen konnte. Deshalb sprechen manche Historiker lieber von einer Zeit des Wandels als von einer reinen Krise. Unbestritten ist aber, dass das Römische Reich nach dem 3. Jahrhundert ein anderes war: stärker militärisch geprägt, mit einem Kaiser, der nicht mehr als „Erster unter Gleichen“, sondern als unnahbarer Herrscher auftrat. Mit Diokletian beginnt die Epoche der Spätantike.

Ausblick

Die Probleme des 3. Jahrhunderts waren mit Diokletians Reformen nicht dauerhaft gelöst. Der Druck an den Grenzen blieb, und die Idee, das Reich aufzuteilen, setzte sich durch. 395 n. Chr. wurde das Reich endgültig in eine westliche und eine östliche Hälfte geteilt. Im Westen führten innere Schwäche und die Wanderungsbewegungen germanischer Gruppen dazu, dass 476 n. Chr. der letzte weströmische Kaiser abgesetzt wurde. Das Oströmische Reich bestand dagegen noch fast tausend Jahre weiter.

Aufgaben

  1. Erkläre, warum man die Kaiser zwischen 235 und 284 „Soldatenkaiser“ nennt.
  2. Ordne die Probleme des Reiches in innere und äußere Gefahren ein.
  3. Beschreibe, wie Diokletian mit der Tetrarchie die Probleme lösen wollte.
  4. Beurteile, ob man die Zeit eher als „Krise“ oder als „Wandel“ bezeichnen sollte.

Quellen