Wie wurde Rom gegründet?

„753 – Rom schlüpft aus dem Ei!“

So haben es schon vor Jahrzehnten in Deutschland alle Geschichtsschüler gelernt. Genau im Jahr 753 v. Chr. sollte angeblich die Stadt Rom gegründet worden sein. Doch wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Gründung Roms nicht an einem Tag erfolgt sein kann. Die Gründung Roms 753 v. Chr. ist also eine Sage, die allerdings noch heute Verbreitung findet und vor allem unter Römern nicht angezweifelt wird. Wodurch unterscheiden sich die beiden Gründungsversionen?

Die Sage:

Nach Vergils Epos „Aeneis“, der römischen Imitatio von Homers Ilias, soll der Königssohn und Halbgott Aeneas mit seinen Leuten aus dem brennenden Troja nach Italien geflohen sein. Dessen spätere Nachfahrin Ilia soll Jahrhunderte später mit dem Kriegsgott Mars zwei Söhne gehabt haben, Romulus und Remus.

Ein machtgieriger Onkel soll sie aber in den Tod getrieben haben und ihre Söhne als Säuglinge in Binsenkörbchen im Tiber sich selbst überlassen haben. Eine Wölfin soll die Kinder gefunden und gesäugt haben, um sie vor dem Verhungern zu retten. Ein Hirte soll sie später aufgezogen haben.

Um diese wundersame Rettung zu ehren wollten beide eine Stadt am Tiber gründen, dort wo sie damals angespült worden waren. Im Jahre 753 v. Chr. sollen sie der Sage nach eine Stadt an einer besonders vorteilhaften Stelle am Tiber, genauer auf dem Hügel Palatin gegründet haben. Doch es soll zum Streit gekommen sein, in dem Romulus seinen Bruder Remus erschlagen haben soll.

Die Wirklichkeit:

Ausgrabungen haben ergeben, dass im 11. Jahrhunder v. Chr., etwa um das Jahr 1000 v. Chr., im Bereich des Tibers und vor allem auf den sieben Hügeln

Palatin, Kapitol, Aventin, Caelius, Esquilin, Vilminal und Quirinal

um eine seichte Stelle des Tibers die Stämme der Latiner und Sabiner einzelne kleine Siedlungen mit Lehmhäusern errichteten und dort Landwirtschaft betrieben. Die Stelle am Tiber war für diese Stämme besonders interessant, weil der Boden dort fruchtbar war, an dieser Stelle der Übergang über den Tiber möglich und damit das Eintreiben von Zöllen möglich war, die Stelle besonders ideal für den Handel war und der Ort weit genug vom Mittelmeer entfernt war, um nicht regelmäßig von anderen Völkern überfallen zu werden. Die sieben Hügel waren außerdem durch ihren Höhenunterschied besonders gut zu verteidigen.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die Siedlung aus diesen Gründen auch für das hochentwickelte Volk der Etrusker interessant. Etruskische Könige herrschten ab etwa 600 v. Chr. über den Ort, errichteten eine Stadtmauer um den im Etruskischen „Ruma“ genannten Ort und entwickelten ihn durch den Aufbau einer Kanalisation, eines Markts und von Tempeln zu einer Stadt und zu einem kulturellen Zentrum.

Die Sage konnte also von der Wissenschaft widerlegt werden. Warum erzählen sich die Römer noch heute, nach mehr als 2500 Jahren diese Gründungssage und glauben an sie?

– die Sage besteht schon so lange, dass sie keiner mehr anzweifelt

– die Römer wollen weiterhin glauben, dass sie indirekt von Mars abstammen

– Glaube an die Götter verpflichtete sie früher dazu

– die wissenschaftliche Gegenbeweise gibt es erst seit höchstens 200 Jahren und haben sich nicht bei allen durchgesetzt

 

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