Der Homo sapiens und seine Vorfahren

Im Unterricht haben wir die Leitfrage behandelt, ob der Mensch vom Affen abstammt. Dabei ist uns aufgefallen, dass Menschenaffen, wie der Schimpanse, der Gorilla oder der Orang-Utan, zwar mit uns verwandt sind, aber nicht unsere Vorfahren sein können.

Wie in diesem älteren Artikel auf Histoproblog noch einmal erklärt wird, stammen sowohl Menschenaffen als auch Menschen von einem gemeinsamen Vorfahren ab, den Wissenschaftler „Dryopithecus“ nennen. Der Dryopithecus selbst ging in seiner Entwicklung selbst aus frühen Säugetieren hervor, die gemeinsam mit den Dinosauriern die Welt bewohnt hatten, deren Aussterben vor etwa 65 Millionen Jahren aber überlebt hatten.

https://histoproblog.org/2014/02/15/stammt-der-mensch-vom-affen-ab-vorzeit-des-menschen/

Die folgende kurze Übersicht beschreibt alle im Unterricht behandelten Spezies, die für das Verständnis der Entwicklung des heutigen Menschen in der Vor- und Urzeit notwendig sind. Es handelt sich dabei um eine sehr vereinfachte Darstellung, die die großen Zusammenhänge klar machen soll und das Thema im Sinne der didaktischen Reduktion auch Sechsklässlern verständlich machen soll. Die im Unterricht zusätzlich verfügbar gemachten Informationen und Erklärungen können hier nicht in ihrer Gänze dargestellt werden.

Der Text ist von mir geschrieben, meine Quellenangaben befinden sich am Ende des Artikels.

Hier ist der sehr vereinfachte Stammbaum des Homo Sapiens:

Histoproblog Einfacher Stammbaum Homo Sapiens Full

Dryopithecus – der Baumaffe
Zeit: 17 – 12 Millionen Jahre
Größe: ca. 0,5 – 1 m (Schätzungen)
Gewicht: ca. 18 – 45 kg (Schätzungen)
Vorkommen: Europa, Asien, Afrika
Besonderheit: Sehr guter Kletterer, starke Kaumuskulatur

Über den Dryopithecus weiß man wegen der wenigen Skelettfunde relativ wenig. Klar ist nur, dass er sich auf allen Vieren bewegt haben muss und sehr gut im Klettern war. Er hat sich wahrscheinlich nur von Pflanzen und Kleintieren ernährt. Zur Zerkleinerung dieser Nahrung hatte er große Backenzähne und eine sehr starke Kaumuskulatur. Er war extrem stark behaart und seine Arme und Beine waren in etwa gleich lang.

Der Dryopithecus war noch kein Affe, wie wir ihn heute kennen, sondern ein Vorfahre von Menschen und Affen. Um 12 Millionen Jahr vor unserer Zeit haben sich wohl einige Exemplare durch Anpassung an ihre Umwelt zur Art des „Australopithecus“ entwickelt, während andere Exemplare eher affenähnlich blieben und sich zur Art des „Ramapithecus“ weiterentwickelten.

Ramapithecus
Zeit: 14 – 8 Millionen Jahre
Größe: sehr unterschiedlich
Gewicht: sehr unterschiedlich
Vorkommen: Afrika, Asien
Besonderheit: lief mit allen Vieren über Äste, statt sich wie heutige Menschenaffen unter den Ästen zu hangeln

Es gibt keinerlei komplett erhaltenen Skelettfunde des Ramapithecus oder einer seiner Unterarten, deshalb ist es schwierig genauere Informationen über das Leben dieses Tieres zu erhalten. Klar ist allerdings, dass der Ramapithecus sich mit allen Vieren über Äste von Bäumen bewegte, aber auch am Boden nach Nahrung suchte. Seine Kaumuskulatur ist stark und auf die Zerkleinerung von pflanzlicher Nahrung ausgelegt.

Die Wissenschaft nimmt momentan an, dass sich der Ramapithecus aus dem Dryopithecus entwickelt hat und der Vorfahr aller heute lebenden Menschenaffen, also der Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans ist.

Australopithecus – der „südliche Affe“
Zeit: 4,5 – 1,5 Millionen Jahre vor unserer Zeit
Größe: ca. 1 – 1,70 m
Gewicht: ca. 30 – 85 kg
Vorkommen: Afrika (v.a. südliches Afrika)
Besonderheit: nutzten bereits Knochen und Steinsplitter als Werkzeuge zur Tierzerkleinerung und liefen aufrecht!

In Afrika wurden viele Skelette von Arten des Australopithecus gefunden. Durch eine Veränderung des Klimas um etwa 4 Millionen Jahren vor unserer Zeit müssen einige Exemplare die dichten Wälder verlassen und sich am Ufer über Jahrhunderte an einen aufrechten Gang gewöhnt haben. Dies ermöglichte ihnen nicht nur weitere Sicht auf bedrohliche Feinde. Dadurch, dass sie nun die Hände frei hatten, konnten sie diese leichter zum Tragen von gesammelter Nahrung nutzen. Für große Wanderungen auf der Suche nach Nahrung konnten die Kleinkinder nun auch getragen werden, was die Reichweite solcher Suchen vergrößerte.

Der Australopithecus jagte noch keine anderen Tiere, allerdings aß er verendete Tiere (Aas). Um an das wertvolle Fleisch zu gelangen, nutzte er erstmals Knochen und gefundene Steinsplitter und zerschnitt damit deren Haut. Über Millionen von Jahren entwickelten sich einige dieser Exemplare zum „Homo habilis“ fort.

Homo habilis – „der befähigte Mensch“
Zeit: 2,1 mio – 1,5 Millionen Jahre
Größe: bis 1,45 m
Gewicht: ca. 30 – 90 kg
Vorkommen: Afrika
Besonderheit: Nutzung von einfachen Steinwerkzeugen, möglicherweise erste Nutzung von Sprache

Der Homo habilis entwickelte sich aus dem Australopithecus und gilt als die erste Menschenart. Obwohl das Skelett noch sehr ähnlich zu anderen Menschenaffen war, war der Schädel bereits weiterentwickelt. Durch den Verzehr von mehr fleischlicher Nahrung hatte das Gebiss kaum Eckzähne und nur schwache Backenzähne, dafür starke Schneidezähne zum Abbeißen. Das Gehirnvolumen war bereits größer als das von Menschenaffen.

Der Homo habilis gilt deshalb als erste Menschenart, weil er damit begann selbst Werkzeug herzustellen, indem er Steine nahm und deren Kante mit Hilfe von anderen Steinen scharf schlug. Damit ließen sich gefundene tote Tiere viel besser zerlegen. Durch die kalorienreiche fleischliche Nahrung konnte er sich über Jahrmillionen zum Homo erectus entwickeln.

Homo erectus – „der aufrechte Mensch“
Zeit: 1,8 Millionen bis 27.000 Jahre vor unserer Zeit
Größe: bis ca. 1,65 m
Gewicht: bis ca. 60 kg
Vorkommen: Afrika, dann Europa, Asien
Besonderheit: Jagd, Feuernutzung, Bau von Zelten

Der Homo erectus ist eine „Weiterentwicklung“ des Homo habilis. Während Homo habilis verendete Tiere aufbrach, Nahrung sammelte und Steine bearbeitete,
konnte der Homo erectus sein hochentwickeltes Gehirn zu weit mehr nutzen:
Homo erectus schlug Steine zu perfekt nutzbaren „Faustkeilen“ zurecht, mit denen man sogar Knochen durchschlagen konnte. Er lernte das Feuer zu beherrschen, begann die eigenständige Jagd auf Tiere, baute erste einfache Zelte zum Schutz, schloss sich zu Gemeinschaften zusammen und entwickelte Knochenwerkzeuge.

Der Homo erectus war so erfolgreich, dass er sich in Afrika weit verbreiten und am Ende seiner Entwicklung über fast die ganze Welt verbreiten konnte. Er sollte schließlich allerdings von zwei von ihm abstammenden Menschenarten abgelöst werden, die selbst von ihm abstammten: Homo neanderthalensis und Homo sapiens.

Homo neanderthalenis – „der Neandertaler“
Zeit: 200.000 bis 27.000 Jahre vor unserer Zeit
Größe: ca. 1,60 m
Gewicht: ca. 75 kg
Vorkommen: Europa und Naher Osten
Besonderheit: Robuster und sehr kräftiger Eiszeitmensch, spezialisiert auf Großwildjagd in Gruppen

Der Neandertaler entwickelte sich während einer Eiszeit in Europa und ist damit der erste „Ureinwohner“ Europas. Er war eine Weiterentwicklung des Homo erectus und war perfekt an das kalte Wetter Europas angepasst. Er hatte das größte Gehirnvolumen aller Hominiden und einen sehr muskulösen Körperbau. Sein Kopf war runder und mit einem Wulst über den Augen verstehen. Neandertaler waren erfolgreich in der Jagd auf Mammuts
und anderes Großwild. Sie beherrschten die Jagd in großen Gruppen mit Hilfe von Keulen, Feuer, Speeren und anderen Waffen. Der Neandertaler bestatte bereits seine Toten, der Glaube an eine Nachwelt ist also möglich.
Mit dem Ende der letzten Eiszeit wurde der Neandertaler vom einwandernden Homo sapiens verdrängt, der krankheitsresistenter, intelligenter und anpassungsfähiger war.

Homo sapiens – „der moderne Mensch“
Zeit: seit etwa 100.000 Jahren bis heute
Größe: 1,50 bis 2 m
Vorkommen: zunächst nur in Afrika, nun auf der gesamten Erde
Besonderheit: entwickelte Kultur (Musik, Schmuck, Kunst, Religion, ab 10.000 v. Chr. auch Bauwerke)

Der heutige Mensch entwickelte sich vor etwa 100.000 Jahren aus dem Homo erectus. Der Homo sapiens lebte im Eingangsbereich von Höhlen und in Zelten aus Fellen. Er stellte Kleidung aus Fellen her und entwickelte immer besseres Werkzeug. So wurden Feuersteine schon vor 28.000 Jahren an Holzspeeren befestigt, vor etwa 15.000 Jahren wurde die Speerschleuder entwickelt, wenig später Pfeil und Bogen.

Der bei der Jagd effektive Mensch entwickelte allerdings vor 35.000 Jahren seine meisterhafteste Leistung, indem er Gegenstände nicht mehr nur für das Überleben herstellte, sondern als Kunst und Schmuck, für Religion oder Musik. Damit erfand der Mensch eine Fantasiewelt, die er der Natur entgegenstellte: die Kultur. Dadurch begann der Mensch sich nicht nur in der Natur zurechtzufinden, sondern sich eigene Fantasiewelten zu erstellen und die Welt immer weiter nach diesen zu verändern … diese Entwicklung geht bis heute weiter!

Der Schimpanse
Zeit: ca. 4 Millionen Jahre bis heute (mit Veränderungen)
Größe: ca. 1 – 1,70 m
Gewicht: ca. 30 – 70 kg
Vorkommen: West- und Zentralafrika
Besonderheit: bewegen sich am liebsten durch Sprünge von Baum zu Baum fort, können aber auf allen Vieren laufen

Schimpansen sind die nächsten lebenden Verwandten der Menschen und leben im mittleren Afrika. Sie unterscheiden sich von anderen Menschenaffen v.a.
dadurch, dass sie teilweise regelrechte Jagden auf kleine Säugetiere durchführen und dass sie in vermehrter Form Stöcke, Blätter und Steine als Werkzeug nutzen. Allerdings wurde bei Schimpansen noch nie die Herstellung von Werkzeug beobachtet. Schimpansen geben ihren Kindern ihr Wissen weiter, sie entwickeln sich also durch „soziales Lernen“ und nicht durch „Versuch und Irrtum“. Schimpansen sind Allesfresser, ernähren sich aber vor allem von
Pflanzen. Der Lebensraum der Schimpansen in Afrika ist durch die Zerstörung von Wäldern durch Rodung bedroht.

Der Orang-Utan
Zeit: unbekannt – bis heute
Größe: ca. 1,25 – 1,5 m
Gewicht: ca. 30 – 90 kg
Vorkommen: heute nur noch auf Borneo und Sumatra
Besonderheit: lebt fast ausschließlich auf Bäumen

Orang-Utans sind Menschenaffen, die fast ausschließlich auf Bäumen leben.In der Nacht bauen sie sich ein Nest aus Blättern und Ästen, Äste können auch als einfache Werkzeuge zum Graben oder Kratzen genutzt werden.

Der Orang-Utan hat sich aus dem Ramapithecus und seinen Nachfahren entwickelt und war ursprünglich in fast ganz Südostasien beheimatet, vor allem in China. Der Mensch hat ihn allerdings so weit vertrieben, dass er heute nur noch auf den Inseln Borneo und Sumatra in Indonesien überleben kann. Mit nur noch etwa 20.000 bis 40.000 Exemplaren ist der Orang-Utan massiv vom Aussterben bedroht.

Der Orang-Utan hat unter den Menschenaffen noch weniger Gemeinsamkeiten mit dem Menschen als die Schimpansen.

Quellenangaben:
Bick, Almut: Die Steinzeit, Stuttgart 2012.
Schrenk, Friedemann: Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens, München 2008.
Wilson, Edward O.: Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen, München 2014.

http://www.evolution-mensch.de, letzter Aufruf am 19.08.2015

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