Kursstufe: Die Nachkriegszeit in Deutschland 1945-1949

Das obige Thema haben wir in seinen fünf wichtigsten Teilbereichen untersucht, hier fasse ich die Ergebnisse der Gruppenarbeiten kurz zusammen. Die Ergebnisse beziehen sich auf alle Besatzungszonen, fokussieren sich aber aufgrund des Materials hin und wieder auf die Westzonen. Natürlich können hier die fünf Kernthemen und die entsprechenden Ergebnisse nur verkürzt dargestellt werden und dienen als Lernbasis.

1. Alltagsnot der Bevölkerung und „Stunde Null“

2. Potsdamer Konferenz und die Einteilung in Besatzungszonen

3. Währungsreform und Berlin-Blockade

4. Entnazifierung und Nürnberger Prozesse

5. Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten

Thema 1: Alltagsnot der Bevölkerung und „Stunde Null“

Alltagsnot

– verwüstetes Land, zerstörte Städte -> „Trümmerfrauen“
– zerstörte Infrastruktur (Eisenbahnlinien, Transportwege) => Versorgungsengpässe
– Kälte & Hunger (extrem kalter Winter 1946/47) => Hungerwinter
– Entstehung eines Schwarzmarkts -> Zigaretten als Ersatzwährung, Reichsmark wertlos
– Unterernährung durch Nahrungsmittelknappheit führte zu Mangelkrankheiten -> erhöhte Sterblichkeit
– viele Flüchtlinge (deutsche Vertriebene) kamen nach Deutschland (über 12 Millionen Menschen)
– am Ende des Krieges 9-10 Millionen „Displaced Persons“ -> ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge
– wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen -> Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen
– große Zahl von Kriegsversehrten und -invaliden, die arbeitsunfähig und pflegebedürftig waren

=> viele Menschen lebten 1945 am Rande des Existenzminimums oder darunter

Stunde Null

Definition: Ende des alten deutschen Gesellschaftsgefüges bei Niederlage Deutschlands im Krieg und komplette Neuentwicklung des gesamten gesellschaftlichen Wertgefüges

Pro Argumente:
– Ausschaltung antidemokratischer Machtfaktoren durch die Besatzungsmächte (Potsdamer Konferenz)
– neue Armee im Staatsgefüge integriert + Kontrolle durch das Parlament (Bundeswehr)
– Entflechtung der deutschen Groß- & Schwerindustrie durch die Alliierten

Contra Argumente:
– keine langfristige Um- und Neuverteilung der Besitzverhältnisse
– keine umfassende Reform des Wirtschaftssystems
– keine Reform des Schulwesens
– Fortbestehen des Berufsbeamtentums
– Sozialsystem wird fort- nicht neuentwickelt
– keine Auswechslung der Lehrerschaft und vieler Justizbeamter (mit NS-Vergangenheit)

Fazit:
Von einer „Stunde Null“ kann wegen der nicht umgesetzten kompletten Neuentwicklung des gesamten gesellschaftlichen Wertgefüges in keiner der Zonen gesprochen werden.

Thema 2: Potsdamer Konferenz und die Einteilung in Besatzungszonen

Bestimmungen der Potsdamer Konferenz:
– Entnazifierung der Gesellschaft
– Demilitarisierung (völliger Abbau des Militärs und der Rüstungsindustrie)
– Demokratisierung der Gesellschaft und der Politik
– Dezentralisierung der Institutionen und der Politik
– Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen
– Abtretung von Ostgebieten an Polen und die Sowjetunion (Königsberg)
– Umerziehung der Jugend
– Zahlung von Reparationen
– wirtschaftliche Stärkung (Ausnahme: Schwerindustrie)
– Umsiedlung von Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reichs (ca. 12 Mio.)
– Einteilung Berlins in vier Besatzungszonen

Durch ideologische Unterschiede zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion (UdSSR) kommt es ab 1946 bis 1949 zur schrittweisen Teilung Deutschlands.

Deutsche Teilung:

BRD (Gründung 1949):
– Trizone ab 1947 aus amerikanischer, britischer und französischer Zone
– starker wirtschaftlicher Staat
– Aufbau pluralistischer und parlamentarischer Strukturen zu einer demokratischen Republik
– kapitalistische Wirtschaftsordnung

DDR (Gründung 1949):
– SBZ (Sowjetische Besatzungszone)
– Einbruch der Wirtschaft wegen zu hohen Reparationszahlungen
– hohe Verluste der Industriekapazitäten durch sowjetische Requirierungen
– Aufbau kommunistischer Strukturen
– Aufbau eines planwirtschaftlichen Wirtschaftssystems

=> führte zur doppelten Staatsgründung von 1949
https://histoproblog.org/2013/05/10/die-doppelte-staatsgrundung-1949/

Thema 3: Währungsreform und Berlin-Blockade

Währungsreform in Westdeutschland 1948
-> Ersetzen der Reichsmark durch die neue Deutsche Mark
-> Ziel: Antrieb des freien Kapitalmarks mit Warenverkehr durch verlässliche Währung
-> politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Neuanfang in den Westzonen

=> WESTZONEN: Wirtschaftlicher Alleingang der Westalliierten – Beginn eines Wirtschaftsbooms
=> OSTZONEN: Endgültiger Bruch der Anti-Hitler-Koalition, Übergang zur Politik der Abgrenzung, Einführung eigener Ostmark

BERLIN-BLOCKADE (24.06.1948 – 12.05.1949) als Reaktion der Sowjetunion unter Stalin
– Blockade aller Land- und Wasserwege nach West-Berlin
– kein Güterverkehr, nur Personenverkehr
– Ziel: Rückzug der Alliierten aus West-Berlin, Eingliederung Berlins in die SBZ
– Versorgung der Einwohner durch alliierte Luftbrücke

-> garantierte Versorgung der West-Berliner durch die Luftbrücke führte zum Scheitern der Berlin-Blockade

Folgen:
-> verstärkter Kampf und völlige Abgrenzung der Westdeutschen gegen den Kommunismus der UdSSR
-> Wendepunkt in den Beziehungen zwischen „besiegtem Deutschland“ und den Westalliierten
-> Akzeptanz der amerikanischen und britischen Truppen als „Befreier“

siehe auch hier: https://histoproblog.org/2013/05/10/marshall-plan-wahrungsreform-und-berlin-blockade/

Thema 4: Entnazifierung und Nürnberger Prozesse

Entnazifierung in den Westzonen:
– Befragungsbögen
– Einteilung der Bevölkerung in fünf Kategorien: Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer, Entlastete
– Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus -> Übertragung auf deutsche Behörden
– Re-education: Versuche der Umerziehung der Deutschen
– „automatic arrest“ – Internierung von Parteimitgliedern und Offizieren
– justizielle Säuberung, allerdings gescheitert
– Versuche der Aufklärung, Konfrontation der Bevölkerung mit NS-Verbrechen
– Währungsreform
– Kommunalverwaltungen zu Dezentralisierung der Politik

Ziel: Umerziehung zur Demokratie

Ergebnis: zwar schrittweise erfolgreiche Umerziehung, allerdings gescheiterte Bestrafung der Schuldigen, keine strukturelle Entnazifierung erfolgt

Entnazifierung in der sowjetischen Besatzungszone:
– Sowjetisierung von Staat und Gesellschaft
– Erziehung zum Kommunismus
– Internierung von Nationalsozialisten in „Speziallagern“, hohe Sterblichkeit
– Entlassung der Beamten und alten Eliten
– Säuberung der Gesellschaft, Eliminierung der alten Eliten
– Übernahme der gesellschaftlichen Führung durch in Moskau geschulte Parteikader

Ziel: Bekämpfung des Kapitalismus durch Kommunismus

Ergebnis: Erfolg bei struktureller Entnazifierung, allerdings gleichzeitig Aufbau einer weiteren Autokratie durch Stalin

Nürnberger Prozesse:

– internationaler Militärgerichtshof tagte in Nürnberg (20.11.1945 – 01.10.1946)
– Anklage: Führung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen, Völkermord
=> Todesurteile: 12 Todesurteile, 7 langjährige Haftstrafen, 3 Freisprüche
=> NSDAP, SS, Gestapo, SD werden als verbrecherische Organisationen eingestuft und verboten
=> „Entlassung“ aller Nationalsozialisten aus öffentlichen Berufen
– viele Folgeprozesse gegen führende Größen aus Militär, Verwaltung, Medizin, Industrie usw.

Thema 5: Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten

– ab Ende 1944 wurden vor allem aus dem heutigen Polen, der Tschechei und dem damaligen Jugoslawien circa 12 Millionen Deutsche vertrieben, die dort vorher als Minderheiten gelebt hatten (z.B. Schlesier, Sudeten, Donauschwaben)
– viele Vertriebene wurden mit Gewalt aus ihren Dörfern gejagt und konnten kaum Habseligkeiten mitnehmen, manche gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrten erst nach Jahren nach Deutschland zurück

– beispielsweise Situation in Polen (Sorau) am 23. Juni 1945:
Ausweisung von bis zu 29.000 Menschen aus Polen binnen 10 Minuten
Plünderungen der Häuser und Wohnungen durch polnische Zivilisten und russische Soldaten
keine Nutzung von Zügen möglich, dreimonatiger Marsch auf Landstraßen nach Deutschland

– Situation der Vertriebenen in Deutschland ab 1945
beispielsweise im Sommer 1945 in Brandenburg: hohe Säuglingssterblichkeit, katastrophale Lebensbedingungen
ab September 1945 Bildung von Seuchen, Massensterben durch Unterernährung

– Integration von 12 Millionen Vertriebenen als gesellschaftliches Problem in Deutschland
schwere Auseinandersetzungen mit der alt-eingesessenen Bevölkerung, Flüchtlinge waren nicht willkommen

– Anhänger Hitlers verdrängten und verleugneten die eigenen Taten und kamen ohne Strafen davon (Persilscheine)

– Gründe für die Vertreibung
teilweise Beteiligung der deutschen Minderheiten an deutschen Verbrechen
Vorwurf der Unterwanderung der alten Heimatstaaten durch die deutschen Minderheiten
„Entflechtung der Völker“: gewaltsame Entmischungspolitik und -dynamik durch die Siegermächte
Revanchegedanken

=> Umsetzung der Idee der „ethnisch-homogenen Nationalstaaten“ („ethnische Säuberungen“) zur Sicherung des zukünftigen Friedens

=> Entstehung der Revanchegedanken und der Forderungen zur Rückgabe der Heimat durch die Vertriebenen bis zum aktuellen Tag

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Eine Antwort zu Kursstufe: Die Nachkriegszeit in Deutschland 1945-1949

  1. Bolko schreibt:

    Hallo,
    die Schlesier waren deutsche Staatsbürger! Schlesien hatte sich durch die Jahrhunderte hindurch zu einem integralen Bestandteil Deutschlands entwickelt und wäre heute ein Bundesland (wie z.B. das Saarland an der westlichen Grenze), wenn man die Bevölkerung von dort nicht vertrieben hätte etc. – Oberschlesien hatte das zweitgrößte deutsche Industrierevier, das willkürlich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg Polen zugeschlagen wurde, weil Frankreich das besiegte Deutschland schwächen wollte.

    Ich wünsche viel Freude mit dem Fach Geschichte und Offenheit für neue Erkenntnisse.

    Bolko

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