Die Ideologie des Nationalsozialismus

Die Ideologie des Nationalsozialismus entstand aus der Ideologie des Faschismus, die sich nach dem Ersten Weltkrieg als rechtsradikale Antwort auf die ideologische Orientierungslosigkeit nach dem Zerfall des monarchisch-feudalen System entwickelte.

In Deutschland wurde der Faschismus schnell durch seine weit radikalere Ausprägung, den Nationalsozialismus, verdrängt. Der Nationalsozialismus überhöhte die im Faschismus inkludierte Rassentheorie der Eugenik in das Extreme und führte die Ideologie zu einer totalitären Prägung aus. Das bedeutet, dass der Nationalsozialismus als Gesellschaftsmodell alle Bereiche des Lebens der Menschen total (vollkommen) bestimmen sollte und die Gesellschaft als solches vollkommen transformieren sollte.

Dieser Artikel soll diese für Deutschland so fatale Ideologie in seinen fünf Grundprinzipien darstellen und untersuchen, warum dieses radikale Gesellschaftsmodell für die Deutschen der 1920er und 1930er-Jahre so attraktiv war.

Zunächst soll die Grundlage der Ideologie aus einer Rede Adolf Hitlers erarbeitet werden.

Adolf Hitler in einer Rede zum Erntedankfest in Bückeburg am 1. Oktober 1933:
„Der Nationalsozialismus hat weder im Individuum noch in der Menschheit den Ausgangspunkt seiner Betrachtungen, seiner Stellungnahmen und Entschlüsse. Er rückt bewusst in den Mittelpunkt seines ganzen Denkens das Volk. Dieses Volk ist für ihn eine blutsmäßig bedingte Erscheinung, in der er einen von Gott geweihten Baustein der menschlichen Gesellschaft sieht. Das einzelne Individuum ist vergänglich, das Volk ist bleibend. Wenn die liberale Weltanschauung in ihrer Vergötterung des einzelnen Individuums zur Zerstörung des Volkes führen muss, so wünscht dagegen der Nationalsozialismus das Volk zu schützen, wenn nötig, auf Kosten des Individuums. Es ist notwendig, dass der einzelne sich langsam zur Erkenntnis durchringt, dass sein eigenes Ich unbedeutend ist, gemessen am Sein des ganzen Volkes…‚ dass vor allem die Geistes- und Willenseinheit einer Nation höher zu schätzen sind als die Geistes- und Willenseinheit des einzelnen.“
Günter Schönbrunn, Weltkriege und Revolutionen 1914-1945. Geschichte in Quellen, München 1961, S. 294.

1. Wie sieht Hitler das Wesen der Volksgemeinschaft?

Hitler definiert die Volksgemeinschaft als „Blutsgemeinschaft“, in der Menschen von angeblich gleichem Blut ein gemeinsames Volk bilden. Die Existenz und die Wohlfahrt dieses Volkes steht für Hitler als primärstes Gut im Zentrum aller Ziele des Nationalsozialismus. Der Einzelne muss sich der Wohlfahrt und der Einheit dieser Volksgemeinschaft vollständig unterwerfen, notfalls sogar bis zur Aufopferung des Individuums.

2. Welche Gegenbegriffe des Liberalismus gilt es nach seiner Ansicht zu bekämpfen?

Hitler sieht im Liberalismus eine „Vergötterung des einzelnen Individuums“ auf Kosten der Wohlfahrt des Volkes. Er möchte diese angebliche Entwicklung umdrehen und die Existenz und Einheit des Volks schützen, während das Individuum sich diesem unzuordnen hat.

3. Welche Folgen hat Hitlers Doktrin für den einzelnen „Volksgenossen‘?

Die Mitglieder dieser Volksgemeinschaft müssen ihre individuellen Ziele dem „Volkswillen“ unterordnen, verlieren ihre Individualrechte (Grund- und Menschenrechte), wie z.B. das Recht auf Menschenwürde oder die Meinungsfreiheit und müssen ihr eigenes Wohl dem Wohl der Gemeinschaft aufopfern, notfalls sogar ihr Leben.

LF: Warum war die Ideologie des Nationalsozialismus (trotzdem) so anziehend für die Deutschen?

Grundprinzip 1: Rassenlehre und Antisemitismus

Durch die Eugenik wurde das Prinzip von der Evolution der Tiergattungen auf die Menschen übertragen. Die Eugenik stellt eine Rassenlehre auf, die die Menschheit fälschlicherweise in Rassen einteilt. Im daraus folgenden Sozialdarwinismus wurde behauptet, dass diese Menschenrassen in Konkurrenz zueinander stünden und sich mit Stärke und Gewalt gegen die anderen Rassen durchzusetzen hätten. Aus dieser Konkurrenz ginge die stärkste Rasse als „Herrenrasse“ aus den anderen hervor. Die „arische“ (germanische) Rasse solle in der Folge die anderen Rassen führen. Die „semitische“ Rasse sei gleichzeitig eine Bedrohung für die „arische“ Rasse, weil sie sich wie ein Parasit in den Volkskörper der „Herrenrasse“ eingraben und sich von diesem ernähren würde.
Die Nationalsozialisten erklärten auf dieser Theorie basierend den Kampf gegen die „semitischen“ Juden zum Überlebenskampf ihrer Rasse. Ziel war der Sieg im „Selbsterhaltungskampf der arischen Rasse“, der in der Vernichtung der „Parasiten“ sowie im militärischen Sieg über die anderen „Rassen“ enden musste (sogenannter „Endsieg“).

Wichtig ist dabei, dass es biologisch unter den Menschen keine Rassen gibt. Die anatomischen und genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen sind so gering und die biologische Durchmischung der Menschheit in den letzten Jahrhunderten ist so grundlegend, dass sich keine verschiedenen Rassen entwickelt haben. Im Gegensatz zu Hunden wurden Menschen nie über lange Zeit künstlich selektiert (was über mehrere Generationen möglicherweise zur Bildung einer Rasse führen könnte), sondern unterlagen biologisch bisher natürlicher Selektion sowie massiver Durchmischung.

Für manche Deutsche (v.a. ungebildete Schichten) war die Rassenlehre allerdings aus drei Gründen attraktiv:
1. Juden waren historisch bereits seit dem Mittelalter für gescheiterte Kreuzzüge, die Pest, Seuchen und Naturkatastrophen verantwortlich gemacht worden. Unter den Nationalsozialisten wurden sie wieder als Sündenböcke für die schlechte wirtschaftliche und sozialpolitische Situation in Deutschland missbraucht. Da viele Menschen neidisch auf den Reichtum und die überdurchschnittliche Bildung innerhalb der jüdischen Gemeinden waren, waren sie oft gerne bereit die Rassenlehre zu übernehmen.

2. Nach dem Prinzip von Identität und Alterität ist die Schaffung eines gemeinsamen Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb einer Gruppe (Gruppenidentität) am einfachsten, wenn man einen gemeinsamen Feind (Alterität) schafft.

3. Viele Deutschen fühlten sich in ihrer Selbstachtung und ihrem Selbstwertgefühl aufgewertet, wenn sich sich als „Herrenmenschen“ definierten. Die Ideologie des Nationalsozialismus legitimierte für die meisten Deutschen ein aggressiveres Verhalten gegenüber Schwächeren, Andersdenkenden und Menschen anderer Herkunft. Diese Legitimation ermöglichte jedem Deutschen, der nicht selbst Opfer wurde, die Ausübung von Macht über andere, was für viele Deutsche nach Jahrzehnten der Sorge und Demütigung (Versailler Vertrag) anscheinend anziehend wirkte.

Grundprinzip 2: Volksgemeinschaft

In der Volksgemeinschaft vereinigen sich alle Individuen eines Volkes in ihren Interessen, Wünschen und Zielen zu einer Einheit. Diese Volksgemeinschaft verlangt von den Menschen eine völlige Unterordnung der Individuen unter die Gemeinschaft, die Rechte des Individuums an sich werden abgelehnt. Das Individuum muss eine hohe Opferbereitschaft für die Volksgemeinschaft aufbringen, bis hin zur Aufopferung des eigenen Lebens, sollte die Volksgemeinschaft von außen in ihrer Existenz bedroht werden (Krieg). Die Einheit der Volksgemeinschaft wird außerdem erzeugt durch die Ausgrenzung und Verfolgung von Andersdenkenden und angeblich biologisch oder „rassisch“ andersartigen Menschen (in nationalsozialistischer Propagandasprache: „artfremd“).

Für große Teile der deutschen Gesellschaft war die Schaffung einer Einheit mit klaren gemeinsamen Zielen attraktiv. Die Abgabe von Grundrechten wurde für viele Menschen als notwendiges Opfer für die Schaffung einer starken Gemeinschaft gesehen und damit begrüßt. Für manche Deutsche war wohl auch das Angebot einfacher Lösungen (Ausgrenzung aller Andersdenkender) für komplizierte Fragen sowie die Abschaffung eines auf individuellen, schwierigen Entscheidungen basierenden pluralistischen Systems anziehend.

Grundprinzip 3: Führerprinzip

Durch das Führerprinzip wurde schon im Faschismus die gesamte Gesellschaft militärisch von ihrer Führungsspitze bis zum letzten Individuum quasi-militärisch gegliedert. So wurde im deutschen Nationalsozialismus das NS-Reich in 41 Gaue (ab 1940) gegliedert, die wiederum in Kreise, dann in Ortsgruppen, dann in Zellen und dann in Blocks eingeteilt wurden. Jeder dieser Einteilungen wurde von einem eigenen Leiter geführt, der dem nächsthöheren Leiter befehlsgebunden war. Keiner dieser Leiter außer dem „obersten Führer“ war durch Wahlen oder Abstimmungen in ihrer Position eingesetzt worden.

Die klare Strukturierung der Gesellschaft und die Problemlösung ohne größere Diskussionen war für viele Deutsche attraktiv, da sie einfache und schnelle Lösungen versprach. Die Deutschen waren durch die preußische Militärtradition des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts traditionell an Befehlsstrukturen gewohnt und viele Menschen wünschten sich nach zwei Jahrzehnten der Unklarheiten in einem pluralistischen System einen starken Mann an der Spitze sowie klare Befehlsstrukturen zurück.

Grundprinzip 4: Lebensraumpolitik

In er rassistischen Weltanschauung der Nationalsozialisten wurde behauptet, die „Herrenrasse“ der „Arier“ sei ein „Volk ohne Raum“. Die „germanische Rasse“ sei, so die Theorie, von slawischen und zentralasiatischen Völkern seit der Völkerwanderung nach Westen vertrieben worden und müsse sich ihren „Lebensraum im Osten“ wieder zurückerobern. Die slawischen Völker waren nach der Rassenlehre weniger wert und sollten nach der Eroberung als Sklavenrasse dienen. Gleichzeitig mit dieser Unterwerfung sollten die in den osteuropäischen Staaten lebenden Juden vernichtet werden. Das dadurch gewonnene Land sollte als Siedlungsgrund zum Aufbau eines deutschen Großreichs freigegeben werden (mit dem Uralgebirge als deutscher Ostgrenze). Dieses schon früh angekündigte Prinzip machte eines der größten Ziele und Verbrechen des Nationalsozialismus schnell klar: den deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa.

Trotzdem war auch dieses Prinzip durchaus attraktiv für deutsche Wähler. Militaristen versprachen sich durch den Feldzug eine Stärkung der Rolle der Armee in der Gesellschaft und eine bestimmende Rolle des Deutschen Reichs in der Welt. Für die Schwerindustrie bedeutete dieses Ziel einen riesigen Absatzmarkt für Waffen, Nachschub und Fahrzeuge. Für Nationalisten bedeutete der mögliche Erfolg einer solchen Politik eine Stärkung des Nationalprestiges. Für viele einfachere Menschen bildete dieses Ziel wahrscheinlich ein gemeinsames Ziel das die „Volksgemeinschaft“ stärken und zusammenführen würde.

Grundprinzip 5: Parteiorganisationen

Als der italienische Diktator Mussolini in den frühen 1920ern mit dem Aufbau eines faschistischen Systems begann, waren die „Fasci“, paramilitärische Gruppen, die Grundlage für den Aufbau des Systems und seines Erfolgs. Die NSDAP kopierte die Idee fußte ihre Macht als Partei auf der Sturmabteilung (SA) und später der „Schutzstaffel“ (SS). Die SA trug durch ihren kompromisslosen und gewalttätigen Straßenkampf gegen politische Gegner massiv zum Erfolg der NSDAP in Deutschland bei. Viele orientierungs- und erfolglose junge Menschen fühlten sich von den selbstbewussten Gruppierungen und ihrer Kameradschaft angezogen. Nach Hitlers Machtübernahme wurde der Rest der Gesellschaft ebenfalls in Parteiorganisationen organisiert, die gleichgeschaltet waren, also von der Parteiführung direkt kontrolliert und überwacht wurden. In diesen Organisationen wurden die Menschen für die Ideologie des Nationalsozialismus durch Propaganda-Manipulation rekrutiert und fehlgeleitet. Für alle Gesellschaftsteile gab es eigene Organisationen. So wurde die Jugend des Landes in der „Hitler-Jugend“ und im „Bund Deutscher Mädel“ gleichgeschaltet, LKW-Fahrer im „NS-Kraftfahrerkorps“, Lehrer im „NS-Lehrerbund“ usw.

Für viele Deutsche war die straffe Organisation der Gesellschaft ein Merkmal eines sicheren und effektiven Systems. Die Organisationen gaben ihren Mitgliedern häufig das Gefühl, „seinen Platz“ in der Gesellschaft gefunden zu haben, viele genossen das Gemeinschaftsgefühl in diesen Gruppierungen. Durch strike Erfüllung von Befehlen und klare Loyalität zum Leiter und zur Ideologie konnte man außerdem schnell zu einer bedeutenden Position aufsteigen, ohne besondere weitere Leistungen zu zeigen.

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