Die Kreuzzüge im Mittelalter – ein Kampf um den Glauben?

Die Kreuzzüge im Mittelalter
Leitfrage: Warum zogen die Kreuzfahrer ins Heilige Land?

Quellenarbeit zum Auftrag Urbans II. an die Kreuzfahrer 1095 in Clermont:

S. 100 Forum Geschichte Quelle M1: „Der Aufruf zum Kreuzzug“

Version des Mönchs Robert von Reims von 1107:

Wie beschreibt der Papst das Volk der Franken? Volk nördlicher Alpen

Gottes geliebtes und auserwähltes Volk

=> die Franken werden ganz besonders hervorgehoben und als Gottes Volk bezeichnet

Wie beschreibt er die islamischen Gegner? Fremdes Volk ohne Vertrauen auf Gott

„Gottfernes Volk“; „Brut von ziellosem Gemüt“

Mörder, Räuber und Brandstifter

=> Verallgemeinernde Diffamierung von Muslimen

Welchen Auftrag gibt er den Rittern? Sie sollen die armen Leute rächen, die im Heiligen Land angeblich den Foltertod gestorben sind

Rückeroberung des Heiligen Lands für die Christenheit

Weg zum Heiligen Grab für Pilger öffnen

Wie rechtfertigt er diesen Auftrag? Rache, weil die Muslime angeblich die Christen vertrieben haben

Sie sind auserwählt worden, die Ungläubigen zu besiegen

Es ist angeblich Gottes Wille = Deus lo vult! (Legitimation)

Welche Hoffnungen weckt er bei den Rittern? Belohnung: Ewiges Leben im Paradies

Hundertfacher Segen Gottes, Vergeben aller Sünden

Aussicht auf große Mengen Beute (Geld, Häuser)

 

Fazit: Den Kreuzfahrern wird vom Papst in Aussicht gestellt, dass sie ins Paradies kommen können, dass sie viel Beute machen können und dass sie Gottes Segen erhalten, damit sie die gefährliche Reise unternehmen.
(Gottes Wille in den Krieg zu ziehen, dient hier als Legitimation des Unternehmens.)

Motive für die Kreuzzüge:
– Auftrag Gottes, das Heilige Land zurückzuerobern und den Weg für Pilger zu öffnen
– Rache für die angeblichen Vertreibungen und die Folter von Christen durch Muslime
– Aussicht auf die Vergebung aller Sünden, ewiges Leben im Paradies als Belohnung
– Beutelust und Habgier – Möglichkeit durch Beute reich zu werden
– Flucht vor Schulden und Armut
– Flucht vor Frondiensten bei den Lehnsherren
– Flucht vor Strafen für Verbrechen in der Heimat
– Abenteuerlust (Ritter und Fürsten)
– Flucht aus der Schollengebundenheit und Perspektivlosigkeit

=> Stellenwert des „Befreiung Jerusalems“? -> War die Eroberung der „Heiligen Stadt“ eine reine Legitimation für einen Raubzug?

=> Welche Motive mag Urban II. in Wirklichkeit gehabt haben? Hat sich die Macht der Kirche durch seinen Aufruf vergrößert?

Folgen der Kreuzzüge:
– Eroberung der Stadt Jerusalem im Jahre 1099
– Die Juden in den deutschen Städten wurden umgebracht und geschändet, weil man ihnen vorwarf, die hätten Christus kreuzigen lassen. In Wirklichkeit wollte man sich so von Schulden befreien und den Hass an Unschuldigen ausleben.
– Die Kreuzfahrer nahmen die Stadt Jerusalem in 40 Tagen ein und töteten die Einwohner, darunter 70.000 Muslime in der für sie heiligen Moschee. Sie raubten dabei eine erhebliche Anzahl an Plündergut.

 

Zeitleiste der Kreuzzüge

Zum Überblick für die Unterrichtsstunden zum Thema „Die Kreuzzüge“ hier eine kurze Zeitleiste, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Aufgeführt werden nur die Kreuzzüge ins Heilige Land (in klassischer Zählung).

Erster Kreuzzug 1096-1099
– 1071 eroberten türkische Seldschuken Jerusalem und richteten die muslimische Bevölkerung hin, Christen und Juden wurden allerdings geschont
– in der Folgezeit bedrohten Seldschuken das christlich-orthodoxe Byzantinische Reich
– Kreuzzug wurde ausgerufen durch Papst Urban II. nach Hilfegesuch des byzantinischen Kaisers
– Ziel war die Eroberung des Heiligen Landes, vor allem der Heiligen Stadt Jerusalem (Grabeskirche!)
– Anführer war Gottfried von Bouillon
– Neben der Rittertruppe, die mit Hilfe von Byzanz über den Bosporus übersetzte, wälzte sich auch eine Gruppe armer Pilger (Armenkreuzzug) durch das Land
– Durch die Pilger wurden in mehreren europ. Städten Judenpogrome mit insgesamt mehr als 2.000 Toten begangen, in Ungarn wurden die Gruppen wegen ihrer Plünderungen durch ungar. Truppen vernichtet
– Auf dem Weg der Rittertruppe wurden die Kreuzfahrerstaaten Grafschaft Edessa und Fürstentum Antiochia gegründet
– 1099 erfolgreiche Eroberung Jerusalems, blutiges Massaker an Muslimen, Juden und orth. Christen

Zweiter Kreuzzug 1147-1149
– Anlass war der Verlust der Grafschaft Edessa 1144
– ausgerufen von Papst Eugen III.
– Anführer war Kaiser Konrad III (HRR)
– wurde 1147 vom Zisterzienier-Mönch Bernhard von Clairveaux ausgerufen
– trotz einiger Schlachtensiege führte die Unternehmung zu einem völligen Misserfolg

Dritter Kreuzzug 1189-1192
– Anlass war die Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187
– Ziel Rückeroberung Jerusalems
– Anführer frz. König Philipp II., engl. König Richard I. Löwenherz und Kaiser Friedrich I. Barbarossa
– Eroberung der Stadt Akkon, Jerusalem konnte nicht erobert werden
– Richard Löwenherz wurde auf seiner Rückreise in Österreich festgenommen, weil er den öst. Herzog auf dem Kreuzzug mehrfach schwer beleidigt hatte (Lösegeld betrug mehrer Tonnen reines Silber)
– Friedrich I. Barbarossa ertrank 1189 in Kilikien (heutige südwestliche Türkei) im Fluss Saleh

Vierter Kreuzzug 1202-1204
– Ziel war Rückeroberung Jerusalems
– ausgerufen durch Papst Innozenz III.
– Anführer war der Markgraf Bonifaz von Montferrat
– Statt Jerusalem wurde Konstantinopel eingenommen und zerstört
– Zerstörung Konstantinopels war ein Grund für die spätere Eroberung der Stadt durch die türkischen Seldschuken 1453 (seit Osman I. Gazi auch „Osmanen“ genannt)

Fünfter Kreuzzug 1218-1229
– Ziel war (Überraschung!) die Rückeroberung Jerusalems
– Anführer war Kaiser Friedrich II., der allerdings vom Papst gebannt war, nachdem der Kaiser die Abreise um Jahre verschoben hatte
– Friedrich konnte (man sagt während eines Schachspiels mit dem türkischen Sultan) die friedliche Koexistenz von Christen und Muslimen sowie den freien Zugang zu den Heiligtümern aushandeln

Sechster und Siebter Kreuzzug 1248-1254 / 1270
– Zwei vergebliche Versuche des französischen Königs gegen die islamischen Mamelucken in Ägypten vorzugehen

Eroberung der letzten christlichen Festung Akkon: 1291
– Ende des Kreuzzugs-Gedankens

Transfer:

Kann ein Krieg heilig sein?

Multiperspektivische Untersuchung der Begriffe „Kreuzzug“ und „Dschihad“

nach den Seiten 104f im Schulbuch Forum Geschichte von Cornelsen

Ergebnisse folgen

 

Eine interessante Untersuchung der heutigen muslimischen Perspektive wurde als binnendifferenzierte Aufgabe ausgegeben.

Hier kann das Material nachgelesen werden:

http://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/geschichte/unterrichtsmaterialien/fenster-zur-welt-globalgeschichte/kreuzzug_aus_muslimischer_sicht

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