Kursstufe: Der Aufstieg der USA zur Großmacht um 1900

Kursstufe: Der Aufstieg der USA zur Großmacht um 1900

Leitfrage: Wie konnten die Vereinigten Staaten bis 1914 zu einer kontinentalen Großmacht aufsteigen?

In folgender Übersicht werden die wirtschaftlichen Faktoren als Grundlage des politischen
Aufstiegs untersucht, die die außenpolitischen Entwicklungen bedingt haben:

Wirtschaft der USA um 1900:

Voraussetzungen:

– Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht durch rasante Industrialisierung in den Nordstaaten
– reiche Rohstoffvorkommen und neue Verfahren zu deren Gewinnung
– hohe Anzahl mobiler und hochmotivierter Arbeiter durch Immigration
– Innovationsbereitschaft durch offene Gesellschaftsstruktur
– steigende Produktivität
– American Dream als Antrieb für die Arbeits- und Risikobereitschaft der Menschen
– Wachstums- und Wettbewerbsdenken (z.B. durch Wirtschaftsliberalismus nach Adam Smith)

Merkmale des Aufstiegs:

– Ausbau des Verkehrsnetzes (Infrastruktur)
– Massenkonsum
– Entwicklung der Fließbandproduktion (Massenproduktion)
– Bildung von Monopolen und Kartellen (Rockefeller bis 1937, Carnegie bis 1919)
– Konzentration des Kapitals im „Big Business“
– Einführung von Schutzzöllen schützten den Absatz im Binnenmarkt
– Bildung von leistungsstarken Industriezentren
– „Open door policy“ => gleichberechtigter Zugang aller Mächte nach China,
später freier Zugang aller Staaten zu allen Märkten
– „Dollarimperialismus“ => wirtschaftliche Durchdringung weniger entwickelter
Länder und daraus resultierende Abhängigkeit der Länder von der Wirtschaft und
Politik der USA

Außenpolitische Grundlagen:

Voraussetzungen:

– Monroe-Doktrin ab 1823:
Distanzierung von Konflikten in Europa, Isolation bei gleichzeitiger Konzentration
auf Lateinamerika, Pazifikraum und Ostasien – Verbot der Agitation europ. Staaten
in diesem Interessensgebiet der USA

– Manifest Destiny:
Grundlage für den wachsenden amerikanischen Imperialismus ab 1893; Sendungsbewusstsein,
das auf der Überzeugung ruhte, die USA hätten sich weltweit für Fortschritt, Zivilisation
und für die in der eigenen Unabhängigkeitserklärung verkündeten Freiheitsrechte einzusetzen

– Maxime der Steigerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit

Merkmale des Aufstiegs:

– Expansion nach Lateinamerika und Südostasien / Ausbau eines „Informal Empires“
1867 Midway-Inseln; Alaska (Kauf von Russischem Reich)
1898 Hawaii, Puerto Rico, Guam, Philippinen (Spanisch-Amerikanischer Krieg)
1899 Ost-Samoa
ab 1903 Indirekte Herrschaft in der Dominikanischen Republik, Nicaragua, Haiti
und Kuba
1903 Revolution und Unabhängigkeit von Panama von Kolumbien
1914 Fertigstellung des Panama-Kanals

– Dollarimperialismus
Überzeugung, dass direkter Kolonialismus zu teuer war
=> Nutzung der überlegenen Wirtschaftskraft der USA für den Ausbau
eines Informal Empires,
das sich auf die wirtschaftliche Durchdringung eines wenig entwickelten Landes und
eine daraus resultierende Abhängigkeit zielte.

Investitionen amerikanischer Banken und Konzerne in den Abbau von Bodenschätzen und
in die Plantagenkultur, Einfuhr neuer Technologien, Rückführung der Gewinne zurück
in die USA (Unternehmer), sodass in den abhängigen Ländern keine eigenständigen
Entwicklungen einsetzten

Fazit:

Grundlage des Aufstiegs der USA zur kontinentalen Großmacht war die wirtschaftliche
Entwicklung.
Die Industrialisierung nahm in den USA in der Phase von nach dem Bürgerkrieg 1865
bis in die 1920er-Jahre (Black Friday) einen rasanten Verlauf, der erstens durch den
Unternehmergeist des American Dream mit seinem Wachstums- und Wettbewerbsdenken
sowie seine Fortschrittsglauben angetrieben wurde, der zweitens durch reiche
Rohstoffvorkommen ermöglicht wurde, der drittens ein wachsendes Angebot an
leistungsbereiten Arbeitern durch die Masseneinwanderung gestützt wurde und der
viertens durch die Fließbandproduktion und den dadurch geförderten Massenkonsum
weiter beschleunigt wurde.
Durch einflussreiche Großunternehmer, die sich in Trusts und Kartellen
zusammenschlossen, wurde die wirtschaftliche Entwicklung gelenkt, entgegen der
Regeln des Wirtschaftsliberalismus sicherten hohe Schutzzölle die eigenen Märkte
gegen Konkurrenz ab.
Ab 1890 brachte diese Entwicklung die Notwendigkeit neuer Märkte mit sich. Anhänger
des Imperialismus setzten im Sinne des Sendungsbewusstseins des Manifest Destiny
die Abkehr vom Isolationismus der Monroe-Doktrin und einen Interventionismus durch,
der in eine Expansionsbewegung außerhalb der USA mündete.
Mit Hilfe ihrer Wirtschaft entwickelten die Vereinigten Staaten ein Informal Empire,
dass nach den Prinzipien des Dollarimperialismus kleinere Länder von der Wirtschaft
und Politik der USA indirekt abhängig machte und die Gewinne aus diesen
Investitionen in die USA abfließen ließen. Die Politik der Open door policy sollte
allen Mächten freien Zugang zu allen weltweiten Märkten ermöglichen, ermöglichte den
wirtschaftlich überlegenen USA allerdings eine weitreichende wirtschaftliche Expansion
und politische Einflussnahme.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 1. Prozesse der Modernisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ab dem 18. Jhd., Leistungskurs abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.