Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler. Nur achtzehn Monate später war aus der Weimarer Republik eine Diktatur geworden, in der es keine Parteien außer der NSDAP, keine freien Gewerkschaften, keine unabhängigen Länder und keine Grundrechte mehr gab – und Hitler als „Führer und Reichskanzler“ allein herrschte. Wie konnte das so schnell gehen? Diese Zeitleiste ordnet die wichtigsten Schritte der Machteroberung und Machtsicherung.
Januar bis März 1933: Terror und scheinbare Legalität
- 30. Januar: Reichspräsident Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler. Im Kabinett sitzen neben Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten; die konservativen Partner um Franz von Papen glauben, Hitler „einrahmen“ zu können.
- 1. Februar: Der Reichstag wird aufgelöst, Neuwahlen werden für den 5. März angesetzt.
- 4. Februar: Eine Notverordnung schränkt die Presse- und Versammlungsfreiheit ein.
- Februar: In Preußen setzt Innenminister Hermann Göring SA- und SS-Männer als Hilfspolizei ein. Politische Gegner werden verprügelt, verschleppt und in „wilden“ Konzentrationslagern festgehalten.
- 27. Februar: Der Reichstag brennt. Die NS-Führung beschuldigt sofort die Kommunisten; wer den Brand tatsächlich gelegt hat, ist bis heute umstritten.
- 28. Februar: Die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ (Reichstagsbrandverordnung) setzt die wichtigsten Grundrechte außer Kraft. Sie bleibt bis 1945 in Kraft und wird zur rechtlichen Grundlage des Terrors. Tausende Kommunisten und Sozialdemokraten werden verhaftet.
- 5. März: Bei der Reichstagswahl erhält die NSDAP trotz Terror nur 43,9 Prozent der Stimmen. Erst zusammen mit der DNVP verfügt die Regierung über eine knappe Mehrheit.
- März: In den Ländern übernehmen Reichskommissare die Macht. Bei Dachau wird eines der ersten Konzentrationslager eröffnet.
- 21. März: Beim „Tag von Potsdam“ inszeniert sich Hitler mit Hindenburg in der Garnisonkirche als Erbe der preußischen Tradition. Die Feier soll konservative Bürger für das Regime gewinnen.
- 23. März: Der Reichstag beschließt das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (Ermächtigungsgesetz) mit 444 gegen 94 Stimmen. Nur die SPD stimmt dagegen; ihr Vorsitzender Otto Wels hält eine mutige Gegenrede. Die Abgeordneten der KPD sind verhaftet oder geflohen. Die Regierung kann nun Gesetze ohne das Parlament erlassen, sogar solche, die von der Verfassung abweichen.
April bis Dezember 1933: Die Gleichschaltung
- 31. März und 7. April: Zwei Gleichschaltungsgesetze beseitigen die Selbstständigkeit der Länder. Reichsstatthalter überwachen die Landesregierungen.
- 1. April: Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien.
- 7. April: Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ermöglicht die Entlassung jüdischer und politisch unliebsamer Beamter (siehe Jüdisches Leben in Deutschland 1933–1939).
- 2. Mai: Einen Tag nach dem als „Tag der nationalen Arbeit“ gefeierten 1. Mai besetzen SA und SS die Gewerkschaftshäuser. Die freien Gewerkschaften werden zerschlagen; an ihre Stelle tritt die Deutsche Arbeitsfront.
- 10. Mai: Bücherverbrennungen in vielen Universitätsstädten.
- 22. Juni: Die SPD wird verboten. Bis Anfang Juli lösen sich alle anderen Parteien unter Druck selbst auf.
- 14. Juli: Das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ macht die NSDAP zur einzigen erlaubten Partei. Deutschland ist ein Einparteienstaat.
- 20. Juli: Im Reichskonkordat mit dem Vatikan sichert das Regime der katholischen Kirche Rechte zu; im Gegenzug ziehen sich katholische Organisationen aus der Politik zurück. Das Abkommen bringt Hitler internationales Ansehen.
- September/Oktober: Kultur und Presse werden gleichgeschaltet: Wer als Künstler oder Journalist arbeiten will, muss Mitglied der Reichskulturkammer sein; Juden und Regimegegner werden ausgeschlossen.
- 14. Oktober: Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus.
- 12. November: „Reichstagswahl“ mit einer Einheitsliste der NSDAP und gleichzeitige Volksabstimmung über den Austritt aus dem Völkerbund.
- 1. Dezember: Das „Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat“ verbindet NSDAP und Staat eng miteinander.
1934: Die Vollendung der Diktatur
- 30. Januar: Das „Gesetz über den Neuaufbau des Reichs“ löst die Volksvertretungen der Länder auf und überträgt ihre Hoheitsrechte auf das Reich. Im Februar wird auch der Reichsrat abgeschafft.
- April: Der Volksgerichtshof wird eingerichtet, ein Sondergericht für politische Straftaten.
- 30. Juni bis 2. Juli: Im sogenannten „Röhm-Putsch“ lässt Hitler die Führung der SA um Ernst Röhm ermorden, der eine „zweite Revolution“ und die Verschmelzung von SA und Reichswehr gefordert hatte. Zugleich werden konservative Gegner umgebracht, darunter der frühere Reichskanzler Kurt von Schleicher. Die Reichswehr, die die SA als Konkurrenz fürchtete, begrüßt die Morde. Ein Gesetz erklärt sie nachträglich als „Staatsnotwehr“ für rechtens.
- 2. August: Reichspräsident Hindenburg stirbt. Hitler vereinigt die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers und nennt sich „Führer und Reichskanzler“. Noch am selben Tag werden die Soldaten der Reichswehr persönlich auf Hitler vereidigt.
- 19. August: In einer Volksabstimmung stimmen offiziell fast 90 Prozent der Wähler der Vereinigung der Ämter zu.
Wie konnte das so schnell geschehen?
Die Nationalsozialisten verbanden drei Strategien: Terror gegen politische Gegner, den Anschein von Legalität durch Gesetze und Verordnungen (Hitler sprach selbst von einer „legalen Revolution“) und die Verführung großer Teile der Bevölkerung durch Propaganda und Inszenierungen wie den Tag von Potsdam. Hinzu kam, dass wichtige Eliten in Verwaltung, Justiz, Reichswehr und Wirtschaft das Regime unterstützten oder zumindest nicht behinderten. Der Widerstand der Arbeiterparteien war durch ihre Spaltung geschwächt. Viele Deutsche hofften auf ein Ende der Krise und nahmen den Verlust der Freiheit in Kauf – oder begrüßten ihn.
Aufgaben
- Ordne die Ereignisse den Bereichen „Ausschaltung des Parlaments“, „Gleichschaltung“ und „Ausbau der Führerherrschaft“ zu.
- Erläutere die Bedeutung der Reichstagsbrandverordnung und des Ermächtigungsgesetzes.
- Erkläre, warum der „Röhm-Putsch“ für die Machtsicherung Hitlers so wichtig war.
- Beurteile Hitlers Behauptung, die Machtübernahme sei eine „legale Revolution“ gewesen.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung: 1933 – Reichstag verabschiedet Ermächtigungsgesetz
- Bundeszentrale für politische Bildung: Machteroberung (Dossier Nationalsozialismus)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Machteroberung 1933 (Informationen zur politischen Bildung)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Reichstagsbrand – auf dem Weg in die Diktatur
- Geschichte kompakt: Ermächtigungsgesetz