Kursstufe: Die Industrielle Revolution – der Sprung in die Moderne? (Gruppenarbeit)

Die Industrielle Revolution – der Sprung in die Moderne?

Die Industrielle Revolution hat laut Historikern Europa und Nordamerika im 19. Jahrhundert in die Moderne „katapultiert“ und die Lebensumstände der Menschen von Grund auf verändert.
In der heutigen Gruppenarbeit untersuchen wir, in welcher Weise sich das Leben, die Arbeit und die Gesellschaft durch die Industrielle Revolution tatsächlich verändert hat. Bitte bearbeitet Euer Thema so hochwertig und zügig wie möglich und präsentiert Eure Erkenntnisse dann mit Hilfe von Plakaten.
(Arbeitsgrundlage: Kursbuch Geschichte Baden-Württemberg von Cornelsen)

Gruppe 1 – Die Entwicklung der Industriewirtschaft

– Erläutert, welche Bedeutung das Verlagssystem, die Manufakturen und die Fabrik für die Industrialisierung
hatten.

Verlagssystem:
– Heimproduktion
– von Verkaufsleuten gesteuert: Lagerung, Vertrieb, Rohstoffversorgung, Personal usw.
=> bedeutend für Entstehung kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen und dezentraler Produktionsweise

Manufakturen:
– Großbetriebe mit handwerklichen Methoden
– bessere Kontrolle von Arbeitern, direktere Produktionswege
=> bedeutete Konkurrenz für die Heimbetriebe in der Industriewirtschaft, effektivere Produktion

Fabriken:
– Unternehmer steuerte Produktion direkt
– Einsatz von Maschinen zur Steigerung der Produktion und der Effizienz
=> Überlegenheit der Fabrik aufgrund des Maschineneinsatzes, setzte sich auf lange Sicht durch

Fazit: Jede Neuerung in der Industriewirtschaft sorgte für mehr Produktivität und setzte sich dadurch schnell durch.

– Stellt dar, welches Verhältnis Staat und Markt während der „Großen Depression“ hatten und vergleicht dieses
Verhältnis mit der Theorie des Wirtschaftsliberalismus des Adam Smith.

Freihandel:
– Tausch beruht auf Freiwilligkeit und Konkurrenz
=> führte zur Großen Depression von 1874-1895 in Westeuropa

aufgrund von:
– Überhitzung der Konjunktur, Überangebot von Waren
– Gründerkrise, kleinere Unternehmen wurden zu zahlreich und gingen ein
=> Staat musste entgegen der Theorie von Adam Smith eingreifen

Folge der Depression: Umorientierung der Wirtschaftspolitik
-> Protektionismus und Schutzzollpolitik
-> Verbesserte Wettbewerbslage

Gruppe 2 – Gesellschaftlicher Wandel und Soziale Frage

– Erläutert, wie es zur Entstehung der Sozialen Frage kam.

Soziale Frage:
– schlechte Arbeitsverhältnisse der Industriearbeiter aufgrund von fehlenden staatlichen Sicherungen
– Versuch der Steigerung der Profite durch geringe Lohnzahlungen durch die Unternehmer
– Rechtslosigkeit für die Arbeiter
– Urbanisierung führte zu großer Verfügbarkeit von Arbeitern, Arbeiter konnten bei Protest einfach ausgetauscht werden
– Verelendung der Arbeiter und völlige Perspektivlosigkeit, Ausbeutung

– Stellt die einzelnen Lösungsversuche (Kommunismus, Sozialdemokratie, Liberalismus, christliche
Kolping-Bewegung, Initiativen der Unternehmer) dar. [Beurteilt kurz ihre Erfolgschancen.]

Lösungsversuche:
-> Initiativen der Unternehmer:
– Aufbau von Betriebswohnungen und Kindergärten
– Ausgabe von Renten
– Ausgabe von geringen Versicherungen
=> Die Initiativen hatten einen absoluten Gehorsam der Arbeiter und eine Produktionssteigerung zum Ziel, nicht die Wohlfahrt der Arbeiter.

-> christliche Kolping-Bewegung:
– Forderung nach Sozialreform
– Forderung nach Koalitions- und Streikrecht
– Forderung nach Eigentumsordnung
– charitative Wohlfahrtsarbeit zur Linderung des Elends

-> Liberalismus
– Forderung nach Bildung für die Unterschichten
– Forderungen weitreichender Versicherungen
– Aufbau von Konsumvereinen
– Selbsthilfevereine

-> Sozialdemokratie
– Errichtung von Gewerkschaften als Interessensvertreter der Arbeiter
– Aufbau eines Rentensystems
– Umsetzung von Arbeiterrechten durch Reformen
– Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten
=> Die Forderungen scheiterten bis 1918 weitgehend am fehlenden Interesse der Unternehmer und Reichen

-> Kommunismus
– Aufbau einer Arbeitergesellschaft durch Revolutionen
– Enteignung der Reichen als Ziel
– Abschaffung der Währung, gleiche Verteilung von Wohlstand auf alle Arbeiter
=> Völlig neues Gesellschaftssystem als Antwort auf die Soziale Frage

Aus den Antworten auf die Soziale Frage entstanden ab 1848 die meisten politischen Ideologien und Richtungen des 20. Jahrhunderts. Die Soziale Frage löste daher einen tiefgehenden gesellschaftlichen und politischen Wandel in Europa aus.

Gruppe 3 – Folgen der Industrialisierung

– Erklärt den Begriff „Urbanisierung“ (Verfassertext) und zeigt anhand der Statistik M 2 auf, wie dieser
Prozess in Preußen und im Deutschen Reich ablief.

Urbanisierung:
-> Verstädterung
– Vergrößerung der Städte durch Zuzug aus dem Land (Suche nach Arbeitsplätzen)
– veränderte Lebensformen in den Großstädten (Mietshäuser, Straßenzüge)
– individuelle Gestaltung des eigenen Lebens möglich
– verbesserte Bildungsangebote

Folgen:
– Auflösung regionaler, familiärer Bindungen
– Wohnungsnot
– Slumbildungen
– Mietkasernen (Familien lebten in Enge)
– mangelnde Hygiene
– schlechte Nahrungsqualität, Mangel an sauberem Wasser
– Kriminalität durch Perspektivlosigkeit

– Erläutert, welche Umweltprobleme die Industrialisierung mit sich brachte. (Verfassertext)

Folgen für die Umwelt:
– zunehmende Wasserverschmutzung durch Abfälle, Exkremente usw.
– industriell verunreinigte Gewässer
– Verschmutzung der Straßen durch Müll
– Luftverschmutzung durch Abgase, Schornsteine und Rauch durch Kohleeinsatz

=> führte zu:
Gestank, schlechter Hygiene und verschlechterter Gesundheit, z.B. Cholera-Epidemien mit teilweise tausenden Toten

– Stellt die Argumente zum Fischsterben in Sobernheim dar. (M4)

Beispiel Fischsterben in Sobernheim:

Argumente für die Entsorgung der Abfälle in Gewässern:
– Industrie brachte jährlich 35.000 Mark durch Arbeitsplätze
– schützte Stadt vor Abwanderung von Bevölkerung
– ohne Abwasserabgabe hätten Firmen stillgelegt werden müssen
– Unannehmlichkeiten für die Umwelt waren durch die Industrialisierung unumgänglich

Argumente gegen die Entsorgung:
– Geruchsbelästigung
– Schwimmen in den Gewässern unmöglich
– Fische sterben qualvoll und sind für Menschen gesundheitlich gefährdend

=> Entweder man entschied sich für den Schutz der Umwelt oder für den Wohlstand für Industrialisierung, Kompromisse waren undenkbar

Gruppe 4 – Industrieller Wandel und Migration

– Erklärt den Begriff „Binnenwanderung“ und erläutert den Zusammenhang von Binnenwanderung und
industriellem Wandel im Ruhrgebiet.

Binnenwanderung ins Ruhrgebiet:
– Wanderungsbewegung größerer Bevölkerungsteile innerhalb eines Staats oder einer Großregion
– durch Anschluss des Ruhrgebiets an Preußen waren größere Absatzmärkte verfügbar
– größerer Bedarf an Arbeitsplätzen folgte -> Zuwanderung aus Ost- und Westpreußen
– viele Arbeiter verwurzelten sich kulturell und familiär und blieben in der Region
– Verdopplung bis Verdreifachung der Bevölkerung im Ruhrgebiet -> Urbanisierung als Folge

=> ohne Binnenwanderung hääte es im Ruhrgebiet keine Industrialisierung gegeben, da die Arbeitskräfte gefehlt hätten

– Erläutert die Ursachen für die Abwanderung von 6 Mio. Deutschen in die USA zwischen 1820 und 1930.

Ursachen für die Abwanderung in die USA:
– Armut und Not durch starke Bevölkerungszunahme
– Krisenjahr 1816/17 brachten Missernten und Hungersnöte
– 1830er und 1840er-Jahre brachten eine Verteuerung der Nahrungsmittel
– Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen nach der gescheiterten Revolution von 1848/49
– 1860er und 1880er-Jahre Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Preußen

=> Die Abwanderung vieler Deutscher in die USA war eine Katastrophe für Deutschland, da wichtige Fachkräfte verloren gingen.

– Lest den Brief M9 vor und beurteilt ihn kurz.

Brief eines Auswanderers aus Amerika in seine alte Heimat
– 1858 schreibt ein Saarländer über seine Auswanderung im Jahre 1854
– resümiert sein Leben
– kaufte ein Stück Land in den USA
– freut sich über die wirtschaftliche und politische Freiheit
– empfiehlt es aber nicht weiter, da es mit Aufgabe der eigenen Identität einhergeht

=> wirtschaftliche Vorteile und Freiheit trieben nicht jeden in die Auswanderung, weil er dafür die Heimat verlassen musste

Gruppe 5 – Industrialisierung und Globalisierung um 1900

– Stellte dar mit welchen technischen Erfindungen es der deutschen Wirtschaft gelang die Gründerkrise zu
überwinden. (Verfassertext)

Technische Erfindungen:
– Elektrotechnik -> Elektrisches Licht, Telefon, Telegraph, usw.
– Chemieindustrie -> Kunststoffe, Explosivstoffe, usw.
– Verbrennungsmotoren -> bessere Transportmittel

– Erklärt was „Rationalisierung der Arbeit“ bedeutet und zeigt auf, mit welchen Mitteln die Arbeit im 19.
Jahrhundert rationalisiert wurde. (Verfassertext)

Rationalisierung der Arbeit:
– Zerlegung eines Fertigungsprozesses in einzelne Arbeitsschritte
– Einführung des Fließbands nach Taylorismus => Steigerung der Produktivität
– Mechanisierung / Automatisierung => Ersetzung menschlicher Arbeit durch Maschinen wegen besserer Effizienz

– Erklärt was „Globalisierung“ bedeutet und zeigt auf, wie sich dieser Prozess durch die Industrialisierung
beschleunigte. (Verfassertext) [Vor- und Nachteile aus M4]

Globalisierung:
– Aufbau, Verdichtung und weltweite Vernetzung von Wirtschaftbeziehungen
– verbesserte Kommunikations- und Transportmittel
– gesteigerter Handel zwischen Industrienationen -> Freihandel ohne Schutzzölle

=> Agrarwirtschaft kann nicht mithalten und niedrigere Preise für die Konsumenten

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