Können wir Alexander wirklich den „Großen“ nennen? (6. Klasse)

Leitfrage der Stunde: Können wir Alexander von Makedonien wirklichen „den Großen“ nennen?

In seiner Alexandergeschichte berichtet der römische Historiker der Kaiserzeit (genaue Lebensdaten unbekannt) von einer Begebenheit in Susa, die in ähnlicher Weise auch von Diodor berichtet wird:
„Er setzte sich hierauf auf den königlichen Thron, der jedoch für seine Körpergröße viel zu hoch war. Da also seine Füße die oberste Stufe nicht erreichten, stellte einer von den königlichen Pagen einen Tisch darunter.“

I. Alexanders Leben

Zunächst sollten wir das Leben und die Herrschaft Alexanders untersuchen:

Zeitleiste zu Alexander dem Großen:

359 – 336 v. Chr.: Alexanders Vater Philipp II. von Makedonien regiert als König und reformiert den Staat in Verwaltung und Militär. Die Einführung der überlegenene Makedonischen Phalanx und der schweren Reiterei (Hetairenreiterei) sollten für den Aufstieg Makedoniens in der Folge entscheidend werden.

356 v. Chr.: Alexander wird als Sohn Philipps und dessen Ehefrau Olympias in der makedonischen Hauptstadt Pella geboren. In den Erzählungen antiker Geschichtsschreiber ranken sich zahlreiche Legenden über die wundersame Geburt und Herkunft des Alexander. So soll er beispielsweise von Zeus abstammen.

356 – 336 v. Chr.: Die Kindheit und Jugend Alexanders ist schwer zu rekonstruieren, aber von vielen Legenden bestimmt. So soll er in jungen Jahren das wilde Pferd Bukephalos gezähmt haben, da er dem Hengst die Angst vor seinem eigenen Schatten nahm.

338 v. Chr.: Alexander ist als Anführer einer Reiterei-Abteilung in der wichtigen Schlacht von Chaironeia beteiligt. Makedonien unterwirft dabei die griechischen Stadtstaaten, deren Freiheitsstreben damit für immer beendet ist. (der Unterwerfung durch die Makedonen folgt die Unterwerfung durch die Römer im 2. Jahrhundert v. Chr.)

337 v. Chr.: Die Heirat Philipps mit der Nichte des Generals Attalos folgt ein erbitterter Nachfolgestreit zwischen Attalos und Alexander.

336 v. Chr.: Während der Hochzeit von Alexanders Schwester mit dem König von Epeiros wird Philipp vom Leibgardisten Pausanias ermordet. Alexanders Beteiligung ist unklar, aber möglich. Alexander wird nach der blutigen Niederwerfung aller politischer Gegner in Makedonien zum König erhoben.

335 v. Chr.: Alexander wendet sich nun den äußeren Feinden zu und unterwirft die illyrischen und thrakischen Stämme. Eine Revolte der griechischen Stadtstaaten wird mit der völligen Zerstörung Thebens erstickt.

334 v. Chr.: Nach der Unterwerfung aller Gefahren für seine Königsherrschaft wendet er sich dem alten Erzfeind, den Persern zu: Die makedonische Armee setzt mit 30.000 Mann nach Kleinasien über und beginnt den Krieg gegen die Perser. Alexanders Heer landet bei Troja (Ilion). Der König opfert der Athene und besucht das Grab des Achilles. Am Fluß Granikos erleiden die Perser 334 v. Chr. die erste Niederlage. In der Burg von Gordion zerteilt Alexander mit dem Schwert den komplizierten Knoten einer Wagendeichsel. Einer alten Sage nach sollte derjenige, der diesen Knoten lösen konnte, Herr über Asien werden.

333 v. Chr.: Bei Issos schlägt das Heer Alexanders das Heer des Perserkönigs Dareios III. Damit ist die unermessliche Macht des Perserkönigs zum ersten Mal ernsthaft in Gefahr, Dareios ist in der Defensive.

332 v. Chr.: Alexander wendet sich Ägypten zu und erobert diese wichtige Satrapie der Perser. An der Mittelmeerküste gründet er die Stadt Alexandria als griechische Vorzeigemetropole. Das Heer erobert danach den Nahen Osten, v.a. Gaza, Tyros und Damaskus. Da Tyros lange Widerstand geleistet hatte, werden 10.000 Bürger ermordet, 30.000 in die Sklaverei verkauft. Die große persische Flotte (400 Schiffe) wird in einem Seekrieg vernichtet.

331 v. Chr.: Die Priester der ägyptischen Oase Siwa begrüßen Alexander als den Sohn ihres Gottes, des Zeus-Amun. Bei Gaugamela am Fluss Tigris (heutiger Irak) besiegt Alexander 331 v. Chr. das persische Heer entscheidend. Alexander nennt sich nun König von Asien. Die wichtigen persischen Machtzentren Susa und Babylon fallen ebenfalls an die Makedonen.

330 v. Chr.: Auf der Flucht wird der persische König Darius III. von einem Leibwächter ermordet. Alexander lässt ihn mit königlichen Ehren bestatten und den Mörder Bessos hinrichten. Der Königspalast von Persepolis brennt nieder, vielleicht aus Rache für die Zerstörung der Akropolis. Alexander will den Ostteil des Perserreichs erobern.

330 – 326 v. Chr.: Alexander erobert in der Folge das gesamte Perserreich (Medien, Parthien, Baktrien, Gedrosien, Vorderindien) bis zum Fluss Indus. Bis ins Hindukuschgebirge marschiert Alexanders Heer. Als man Fichten am Fluss Oxos sieht, glaubt man wieder in Europa zu sein. Nun nimmt Alexander auch Perser in sein Heer auf. Zahlreiche Gelehrte begleiten seine Feldzüge und untersuchen die Gebiete, zeichnen Karten und erschließen wichtige Bodenschätze.

326 v. Chr.: Auf Flößen fährt ein kleiner Teil des Heeres zum Indischen Ozean, wo die Soldaten erstmals Ebbe und Flut erleben. Die Soldaten des restlichen Heeres zwingen Alexander allerdings zur Umkehr, weil Asien viel größer als erwartet und nicht zu erobern ist.

326 – 323 v. Chr.: Die Rückkehr zu Wasser und zu Lande ist mit großen Schwierigkeiten und Mühen verbunden. In der Wüste sterben viele Soldaten. Zurück in Susa bemüht sich Alexander die Griechen, Makedonen und Perser durch Massenhochzeiten und Aufnahme von persischer Kultur und Hofsitten zu verbinden. Die dagegen aufkommende Kritik schlägt er mit aller Härte nieder, im Rausch erschlägt er sogar einen Jugendfreund, der sein persisches Verhalten kritisiert hatte.

323 v. Chr.: Alexander stirbt während seiner Vorbereitungen für einen Feldzug nach Arabien in Babylon an einem Fieber. Bereits kurz nach seinem Tod wird er „Alexander der Große“ genannt.

ab 323 v. Chr.: Schon kurz nach seinem Tod zerfällt sein Reich und wird unter seinen Feldherren aufgeteilt. In langen Kriegen formten sich die Diadochenreiche (Nachfolgerreiche): das Ptolemäerreich in Ägypten, das Seleukidenreich in Syrien und einem Teil Vorderasiens und das Antigonidenreich in Makedonien.

II. Alexander im Spiegel der Quellen

Alexander wurde von seinen Zeitgenossen und seiner Nachwelt sehr unterschiedlich bewertet. Die folgenden drei Quellen zeigen die Sichtweise griechischer und römischer Geschichtsschreiber

Quellen aus: http://www.gottwein.de/Grie/arr/an1001.php (Arrian)
Hans-Joachim Gehrke: Alexander der Große, München 1996, S. 9 und S. 100f. (Diodor und Seneca)

Arrian 92 – 175 n. Chr.:

„Alexander war körperlich sehr schön, äußerst tätig, sehr rasch in der Ausführung seines Willens, höchst mannhaft, ungemein ehrgeizig, in hohem Grade gefahrenliebend und im Götterdienste sehr aufmerksam, in leiblichen Genüssen sehr enthaltsam, in geistigen für Lob allein unersättlich; er war ebenso geschickt, in unabgeklärten Lagen das Erforderliche zu erkennen, (…) aus klar vorliegenden Verhältnissen die wahrscheinlichen Folgen zu erraten, und ungemein erfahren, ein Heer aufzustellen, zu bewaffnen und auszurüsten, den Mut seiner Soldaten anzufeuern, sie mit guten Hoffnungen zu erfüllen und die Furcht in den Gefahren durch seine Furchtlosigkeit zu verscheuchen. (…) In der Erfüllung von Verträgen oder mündlichen Zusagen war er unerschütterlich, gegen Betrüger und ihre Schlingen durchaus gefestigt, mit dem Gelde für seine eigenen Genüsse ebenso sparsam wie in der Wohltätigkeit gegen andere höchst freigebig.“

Diodor 90 – 30 v. Chr.:

„In kurzer Zeit hat dieser König große Taten vollbracht. Dank seiner eigenen Klugheit und Tapferkeit übertraf er an Größe der Leistungen alle Könige, von denen die Erinnerung weiß. In nur zwölf Jahren hatte er nämlich nicht wenig von Europa und fast ganz Asien unterworfen und damit zu Recht weithin reichenden Ruhm erworben, der ihn den alten Heroen und Halbgöttern gleichstellte.“

Seneca 4 v. Chr. – 65 n. Chr.:

„Den unglücklichen Alexander trieb seine Zerstörungswut sogar ins Unerhörte. Oder hältst du jemanden für geistig gesund, der mit der Unterwerfung Griechenlands beginnt, wo er doch seine Erziehung erhalten hat? […]
Nicht zufrieden mit der Katastrophe so vieler Staaten, die sein Vater Philipp besiegt […] hatte, wirft er die einen hier, die anderen dort nieder und trägt seine Waffen durch die ganze Welt. Und nirgends macht seine Grausamkeit erschöpft halt, nach Art wilder Tiere, die mehr reißen als ihr Hunger verlangt.“

III. Ergebnissicherung

Die Ergebnissicherung wird nach der Unterrichtsstunde nachgereicht.


IV. Gründe für seine Eroberungen

Abschließend haben wir die Gründe für Alexanders erfolgreiche Eroberungen untersucht und diskutiert. Die Zeitung „Die Welt“ hat aus den aktuellen Forschungsergebenissen zehn Gründe zusammengetragen, die ihr hier nachlesen könnt:
http://www.welt.de/geschichte/article116789477/Zehn-Gruende-warum-Alexander-die-Welt-eroberte.html

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Eine Antwort zu Können wir Alexander wirklich den „Großen“ nennen? (6. Klasse)

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