Holocaust / Shoa

Ergebnisse des Stationenlernens mit Forschungsblatt und der anschließenden Diskussion:

1) Begriffserklärungen
Holocaust:
von altgriechisch holókauston: „vollständig verbrannt“
Im engeren Sinne: NS-Völkermord an den europäischen Juden
Im weiteren Sinne: Alle von den Nationalsozialisten begangenen Massenmorde

Shoa:
Jüdische Bezeichnung für den Holocaust
Wörtlich „Katastrophe, Untergang, Unheil“
Wurde von manchen Teilen der jüdischen Gesellschaft als von Gott gesandte Bedrohung gesehen

2) Opfergruppen und Opferzahlen
– circa 6 Millionen Juden
– min. 200.000 Sinti und Roma (als „Zigeuner“ verunglimpft) => „Porajmos“
– je über drei Millionen Bürgern Polens und der Sowjetunion, besonders an sowjetischen
Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern
– mehr als 100.000 Behinderten, getarnt als „Aktion T4“
– etwa 20.000 deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten
– etwa 7.000 Homosexuelle
– rund 1.200 Zeugen Jehovas

3) Methoden der Vernichtung
– Sammlung in Konzentrationslagern und Ghettos
– Massenerschießungen (v.a. in Russland und auf dem Balkan)
– Vergasung (Gaskammern, mobile Gaswägen, etc.)
– Ausbeutung durch Zwangsarbeit, „Tod durch Arbeit“
– Medizinische Experimente an den Opfern (z.B. Tests mit tödlichem Senfgas)
– Hunger u. Seuchen durch gezielten Nahrungsentzug und katastrophale Hygienesituation in den KZs u. Ghettos

4) Chronologie des Verbrechens
– Juli 1925: Veröffentlichung v. Hitlers „Mein Kampf“ => Theoretische Grundlagen des Völkermords
– Januar 1933: Machtübernahme der NS => Erste Verfolgung v. Juden u. pol. Gegnern
– 20.1.1935: Nürnberger Rassegesetze => die Verfolgungen werden Gesetz
– 9/10.11.1938: Reichspogromnacht => Beginn der systematischen Verfolgungen
– 20.1.1942: Wannseekonferenz => Beginn der systematischen Vernichtung
– 27.1.1945: Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, weitere Befreiungen bis Mai 1945

5) Die Parole „Arbeit macht frei“
Vor allem Jugendliche benutzen heutzutage wieder häufiger den Spruch „Arbeit macht frei“, z.B. wenn es um Arbeitsmoral geht. Ist es Deiner Meinung nach gerechtfertigt Mitarbeitern zu kündigen, die öffentlich die Parole „Arbeit macht frei“ benutzen? Wären auch weitergehende Maßnahmen (Stichwort „Volksverhetzung“) moralisch vertretbar? Begründe Deine Meinung.

Die Parole „Arbeit macht frei“ ist eine zynische Verhöhnung der Opfer des Holocaust durch die Nationalsozialisten. Die Parole diente als Schriftzug unter anderem über dem Eingang des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Unter dem Motto „Arbeit macht frei“ wurden hier über eine Million Juden, Sinti und Roma, politische Gegner und andere Opfergruppen grausam vernichtet.
Dabei bedeutete die Parole „Arbeit macht frei“ für die Opfer vor allem das „Arbeiten bis zum Tod“. Für die Nationalsozialisten war diese Parole als beißender Sarkasmus gegenüber ihren Opfern gemeint, die Opfer sollten sich durch Arbeit von ihrem leiderfüllten Dasein „befreien“.
=> Eine Anklage wegen Volksverhetzung bei einem bewusstem Einsatz der Parole wurde von beiden Klassen in Betracht gezogen.

6) Denke mit Deinem Sitznachbarn über folgende These nach und ziehe ein begründetes Fazit:
Bei den Eroberungen des Mongolen Dschingis-Khan ließ dieser Millionen Chinesen mit dem Schwert enthaupten. Die Eroberung der Neuen Welt durch Spanier, Engländer, Portugiesen usw. rottete ganze Indianerstämme in Nord-, Mittel- und Südamerika aus. In den sowjetischen Gulags unter Stalin sollen Millionen Anti-Kommunisten durch Zwangsarbeit und Massenerschießungen getötet worden sein.
Trotzdem sehen heutige Historiker den Massenmord der Nationalsozialisten an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Demokraten, Kommunisten und Pazifisten als Verbrechen ohne Vergleich an. Welche Gründe könnte die Geschichtswissenschaft für diese These haben?

– Ermordung der Menschen aus „Rassengründen“
– Verarbeitung vieler Opfer und derer (auch biologischer) Hinterlassenschaften zu Produkten (z.B. Haare, die zu Bürsten verarbeitet wurden; Goldzähne, die eingeschmolzen wurden, etc.)
– Industrialisierte Vernichtung der Opfer in Konzentrationslagern (quasi „Todesfabriken“)

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