Kursstufe Geschichte: Wie interpretiere ich eine schriftliche Quelle?

Erst durch die systematische Analyse schriftlicher Quellen können wir die Vergangenheit ansatzweise realistisch rekonstruieren. Deshalb muss eine Quellenanalyse in Form einer Interpretation stets gründlich und nach festgelegten Schritten erfolgen. Nur so können die Grundaussage, die Inhalte sowie die Intention der Quelle erkannt werden.

Die Quelleninterpretation ist in der Schule immer auf die innere Quellenkritik eingeschränkt, die äußere Quellenkritik würde untersuchen, ob die Quelle wirklich echt ist und ob sie tatsächlich aus der angegebenen Zeit stammt.

Zu den verschiedenen Quellenarten:
https://histoproblog.org/2014/01/25/woher-wissen-wir-etwas-uber-die-vergangenheit-6-klasse/

Um eine Quelle ergebnisorientiert untersuchen zu können, benötigt man eine Leitfrage. In einer Klausur ist die Leitfrage natürlich oft vorgegeben. Wenn nicht, sollte trotzdem eine Fragestellung die Untersuchung der Quelle begleiten.

Schritt 1: Formale Analyse
Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Hier reichen zwei bis drei Sätze, die folgende Formalien zusammenfassen:
– Autor der Quelle mit Informationen zu seinem Amt, seiner Stellung usw)
– Textart (z.B. Essay, Vertrag, Rede, Brief usw.)
– Thema des Textes
– Adressat, also an wen die Quelle gerichtet ist; ein Brief ist meistens an eine einzelne Person gerichtet, offene Briefe an diesen und die Öffentlichkeit, Essays an gebildete Kreise oder wissenschaftliche Experten, andere Schriftstücke sind für die Nachwelt erstellt worden usw.)

Schritt 2: Inhaltliche Analyse:
Dieser Teil muss natürlich weiter ausholen und folgende Fragen klären:
– wesentliche Textaussagen / möglicherweise Einteilung des Textes in gedankliche Abschnitte
– zentrale Schlüsselbegriffe
– Textsprache (wirkt die Sprache informativ, appelativ, emotional, sachlich, manipulierend, aggressiv)
– werden rhetorische Stilmittel besonders häufig und auffällig verwendet?
– Kernaussage der Quelle

Schritt 3: Historischer Kontext
In diesem Schritt muss die Quelle nun in ihren historischen Gesamtzusammenhang eingeordnet werden. Manche Lehrer wollen hier eine eher kurze Einordnung. In meinem Fall sollte der historische Kontext ausgiebig dargelegt werden. Das heißt:

Dabei wird angegeben,
-> was in der Zeit der Quelle passiert ist. Dieser Textteil sollt ausführlicher behandelt werden. Dabei sind die Jahreszahlen nicht von zentraler Bedeutung, eher die Zusammenfassung der bestimmenden Entwicklungen dieser Epoche. Eine Einteilung der Epoche in einzelne Phasen könnte hier auch sehr hilfreich sein (z.B. Industrialisierung, Französische Revolution)

Welcher Epoche ist die Quelle zuzuordnen, welche wichtigen Ereignisse bestimmten die Epoche?
Welche Prozesse und Konflikte waren für die Entstehungszeit der Quelle bestimmend?

-> wie die Quelle zu dieser Zeit passt.

Wieso ist die Quelle typisch oder untypisch für die Entstehungszeit / Epoche?
Welche Prozesse und Konflikte spiegeln sich in der Epoche wieder?

Schritt 4: Beurteilung
In diesem Schritt wird die Art des Urteils meist von der Klausur vorgeben. Wenn nicht sollte man alle Arten der Beurteilung vornehmen:

Sachurteil
– Zum Autor: Welchen politisch-ideologischen Standpunkt nimmt der Autor ein? Welche Intentionen verfolgt er?
– Zur Quelle: Inwieweit ist der Text glaubwürdig, enthält er Widersprüche?
– Zum Adressaten: Welche Wirkung sollte der Text bei den Lesern erzielen, wie haben sie wahrscheinlich reagiert?

Werturteil
– Bewertung des Textes hinsichtlich der Leitfrage aus heutiger Sicht.

Persönliches Urteil
– Ist die Quelle überzeugend? Kann man der Gesamtaussage des Autors beipflichten oder lehnt man den Inhalt der Quelle z.B. aus moralischen Gründen ab?

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