Die mündliche Prüfung im fünften Prüfungsfach ist für viele Abiturientinnen und Abiturienten die letzte große Hürde. Wer Geschichte als Präsentationsprüfung gewählt hat, hat einen großen Vorteil: Man kann sich intensiv vorbereiten und das eigene Thema selbst gestalten. Damit das gelingt, braucht es aber einen guten Plan. Dieser Beitrag erklärt den Ablauf der Präsentationsprüfung in Baden-Württemberg und gibt praktische Tipps für das Fach Geschichte.
Die Regeln im Überblick
Die Präsentationsprüfung ist in der Abiturverordnung für Gymnasien der Normalform geregelt. Sie kann nur in einem Fach abgelegt werden, das nicht schon schriftlich geprüft wurde. Der Ablauf sieht so aus:
- Themenvorschläge: Spätestens zwei Wochen vor der Prüfung legst du vier Themen schriftlich vor, die du mit deiner Fachlehrkraft abgesprochen hast.
- Auswahl: Die oder der Vorsitzende des Fachausschusses wählt eines dieser vier Themen aus.
- Bekanntgabe: Etwa eine Woche vor der Prüfung erfährst du, welches Thema ausgewählt wurde.
- Prüfung: Die Prüfung dauert etwa 20 Minuten. In den ersten rund 10 Minuten präsentierst du dein Thema. Danach folgt ein etwa 10-minütiges Prüfungsgespräch, das sich zunächst auf deine Präsentation bezieht, aber auch auf andere Themen der Kursstufe ausgeweitet werden kann.
Informiere dich außerdem über die Absprachen an deiner Schule, zum Beispiel, bis wann und in welcher Form die Themen abgegeben werden müssen und ob ein Handout erwartet wird.
Schritt 1: Die vier Themen klug wählen
Die Auswahl der Themen ist die wichtigste Entscheidung. Da du nicht weißt, welches Thema genommen wird, musst du alle vier gleich gut vorbereiten können. Beachte dabei:
- Verteile die Themen über verschiedene Kurshalbjahre und Epochen. So zeigst du Breite und bist im Prüfungsgespräch auf viele Anschlussfragen vorbereitet.
- Formuliere eine Problemfrage statt eines bloßen Themas. „Die Weimarer Republik“ ist zu weit und lädt zum Nacherzählen ein. „Scheiterte die Weimarer Republik an ihrer Verfassung?“ verlangt dagegen eine Untersuchung und ein begründetes Urteil.
- Achte auf den richtigen Umfang. Das Thema muss in zehn Minuten sinnvoll bearbeitet werden können – nicht zu breit, aber auch nicht so eng, dass nichts zu erörtern bleibt.
- Verwende keine Wiederholung deiner GFS oder eines Referats aus dem Unterricht.
Beispiele für gute Themenformulierungen im Fach Geschichte:
- „Staatliche Sozialpolitik im Kaiserreich – Lösung der Sozialen Frage oder Mittel zur Machtsicherung?“
- „Wer trug die Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Die Kriegsschulddebatte im Wandel“
- „Das Ermächtigungsgesetz 1933 – legale Revolution oder Staatsstreich?“
- „Westintegration oder Wiedervereinigung? Die Deutschlandpolitik Adenauers in der Diskussion“
Schritt 2: Alle vier Themen vorbereiten
Beginne mit der Vorbereitung nicht erst, wenn das Thema feststeht – eine Woche ist zu knapp, um sich ein Thema ganz neu zu erarbeiten. Lege für jedes der vier Themen schon vorher eine Grobgliederung an, sammle geeignete Literatur und wähle zwei bis drei aussagekräftige Materialien aus, zum Beispiel eine Textquelle, eine Karikatur, eine Statistik oder den Auszug aus einer Historikerdarstellung. Eine gute Präsentation in Geschichte arbeitet immer mit Material und zeigt, dass du Quellen analysieren kannst.
Schritt 3: Die Präsentation aufbauen
Zehn Minuten sind schnell vorbei. Eine bewährte Struktur ist:
- Einstieg (etwa 1 Minute): ein Zitat, ein Bild oder eine Zahl, die neugierig macht, und die Problemfrage.
- Gliederung (kurz): Was erwartet die Zuhörer?
- Hauptteil (etwa 7 Minuten): historischer Hintergrund, Analyse der Materialien, Abwägung von Argumenten.
- Ergebnis (etwa 2 Minuten): Beantworte die Problemfrage mit einem begründeten eigenen Urteil.
Achte darauf, alle drei Anforderungsbereiche abzudecken: Wiedergeben von Wissen (AFB I), Erklären und Analysieren (AFB II) sowie Beurteilen und Bewerten (AFB III). Gerade der dritte Bereich entscheidet oft über eine sehr gute Note.
Schritt 4: Medien und Vortrag
- Weniger ist mehr: Verwende wenige, gut gestaltete Folien mit Stichworten, Bildern und Karten – keine Textwüsten.
- Frei sprechen: Nutze Karteikarten mit Stichworten, lies aber nicht ab. Halte Blickkontakt zum Prüfungsausschuss.
- Zeit üben: Halte deine Präsentation mehrmals laut vor Freunden oder der Familie und stoppe die Zeit. Wer die zehn Minuten deutlich überschreitet, wird unterbrochen.
- Technik prüfen: Kläre vorher, welche Geräte im Prüfungsraum zur Verfügung stehen, und habe einen Plan B, zum Beispiel ausgedruckte Folien oder ein Tafelbild.
Schritt 5: Das Prüfungsgespräch vorbereiten
Viele unterschätzen das Prüfungsgespräch. Es beginnt meist mit Rückfragen zu deiner Präsentation: Warum hast du diese Quelle gewählt? Wie zuverlässig ist sie? Welche Gegenargumente gibt es zu deinem Urteil? Anschließend weiten die Prüfer das Gespräch häufig auf verwandte Themen aus. Wer etwa über das Ermächtigungsgesetz spricht, sollte auch Fragen zum Scheitern der Weimarer Republik oder zur Gleichschaltung beantworten können. Überlege dir deshalb für jedes Thema, welche Verbindungen zu anderen Themen der Kursstufe bestehen, und notiere dir mögliche Fragen samt Antworten.
Checkliste für die letzte Woche
- Präsentation zum ausgewählten Thema fertigstellen und mindestens dreimal proben
- Handout oder Gliederung vorbereiten, falls an deiner Schule üblich
- Mögliche Fragen für das Prüfungsgespräch sammeln und mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler üben
- Grundwissen der Kursstufe wiederholen: wichtige Daten, Begriffe und Zusammenhänge
- Am Tag vorher: Technik und Unterlagen packen, früh schlafen gehen
Und zum Schluss: Die Prüfer wollen nicht herausfinden, was du nicht weißt, sondern zeigen lassen, was du kannst. Wer gut vorbereitet ist, kann die Präsentationsprüfung sogar genießen. Viel Erfolg!