Die Französische Revolution dauerte zehn Jahre – von 1789 bis 1799. In dieser kurzen Zeit wurde Frankreich von einer absoluten Monarchie zu einer konstitutionellen Monarchie, dann zu einer Republik, erlebte eine Schreckensherrschaft und endete schließlich unter der Herrschaft eines Generals. Bei so vielen Ereignissen verliert man leicht den Überblick. Diese Zeitleiste hilft dir, die wichtigsten Daten zu ordnen. Sie ist nach den Phasen gegliedert, in die man die Revolution meist einteilt.
Vorgeschichte: Ein Staat in der Krise (1774–1789)
- 1774: Ludwig XVI. wird König von Frankreich. Er regiert als absoluter Monarch.
- 1778–1783: Frankreich unterstützt die Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien. Der Krieg ist sehr teuer, die Staatsschulden steigen gewaltig.
- 1787: Eine Versammlung hoher Adliger und Geistlicher (Notabeln) lehnt ab, dass auch der erste und zweite Stand Steuern zahlen sollen.
- August 1788: Der Staat ist praktisch zahlungsunfähig. Der König kündigt an, die Generalstände einzuberufen – eine Versammlung aller drei Stände, die seit 1614 nicht mehr getagt hatte.
- 1788/89: Nach einer Missernte und einem harten Winter steigen die Brotpreise stark. Viele Menschen hungern. In ganz Frankreich schreiben die Menschen ihre Beschwerden in Beschwerdehefte (cahiers de doléances).
- Januar 1789: Der Geistliche Emmanuel Joseph Sieyès veröffentlicht die Schrift „Was ist der Dritte Stand?“. Seine Antwort: Der Dritte Stand ist alles – er bildet die Nation.
Phase 1: Die Revolution beginnt (1789–1791)
- 5. Mai 1789: Die Generalstände treten in Versailles zusammen. Streit entsteht darüber, ob nach Ständen (jeder Stand eine Stimme) oder nach Köpfen abgestimmt wird.
- 17. Juni 1789: Die Abgeordneten des Dritten Standes erklären sich zur Nationalversammlung. Sie beanspruchen, das ganze Volk zu vertreten.
- 20. Juni 1789: Ballhausschwur: Weil ihr Sitzungssaal verschlossen ist, versammeln sich die Abgeordneten in einer Ballspielhalle und schwören, nicht auseinanderzugehen, bis Frankreich eine Verfassung hat.
- 14. Juli 1789: Sturm auf die Bastille: Pariser Bürger erobern das Staatsgefängnis, ein Symbol der königlichen Willkür. Der 14. Juli ist bis heute der französische Nationalfeiertag.
- Juli/August 1789: Die „Große Furcht“: Auf dem Land greifen Bauern Schlösser an und verbrennen die Urkunden über ihre Abgaben.
- 4./5. August 1789: In einer nächtlichen Sitzung schafft die Nationalversammlung die Vorrechte des Adels und die Feudallasten ab.
- 26. August 1789: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte: Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten geboren.
- 5./6. Oktober 1789: Tausende Pariserinnen ziehen nach Versailles, um gegen die Brotnot zu protestieren. Die Königsfamilie muss nach Paris umziehen.
- November 1789: Der Besitz der Kirche wird verstaatlicht, um die Staatsschulden zu bezahlen.
- Juli 1790: Die Zivilverfassung des Klerus macht Priester zu Staatsbeamten. Viele Geistliche und gläubige Katholiken lehnen das ab.
- 20./21. Juni 1791: Flucht nach Varennes: Die Königsfamilie versucht, heimlich ins Ausland zu fliehen, wird aber erkannt und nach Paris zurückgebracht. Das Vertrauen in den König ist zerstört.
- 3. September 1791: Frankreich erhält seine erste Verfassung. Es wird eine konstitutionelle Monarchie mit Gewaltenteilung. Wählen dürfen aber nur Männer, die genug Steuern zahlen (Aktivbürger).
- September 1791: Olympe de Gouges veröffentlicht die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ und fordert gleiche Rechte für Frauen.
Phase 2: Krieg und Republik (1792–1793)
- 20. April 1792: Frankreich erklärt Österreich den Krieg. Bald kämpft auch Preußen gegen Frankreich. Die Revolution fühlt sich von außen bedroht.
- 10. August 1792: Sturm auf die Tuilerien: Aufständische Pariser und Soldaten stürmen das Königsschloss. Der König wird abgesetzt und gefangen genommen.
- 2.–6. September 1792: Septembermorde: In Pariser Gefängnissen werden über tausend Gefangene getötet, weil man sie für Verräter hält.
- 20. September 1792: Französische Truppen halten bei Valmy die preußische Armee auf.
- 21./22. September 1792: Der neu gewählte Nationalkonvent schafft die Monarchie ab und ruft die Republik aus. Erstmals durften fast alle Männer wählen.
- 21. Januar 1793: Der ehemalige König Ludwig XVI. wird als „Bürger Louis Capet“ wegen Verrats hingerichtet.
- März 1793: In der Vendée im Westen Frankreichs beginnt ein Aufstand gegen die Republik. Ein Revolutionstribunal wird eingerichtet.
- April 1793: Der Wohlfahrtsausschuss wird gegründet. Er entwickelt sich zur eigentlichen Regierung.
- 2. Juni 1793: Die gemäßigten Girondisten werden aus dem Konvent vertrieben. Die radikalen Jakobiner übernehmen die Macht.
- 13. Juli 1793: Der radikale Journalist Jean-Paul Marat wird von Charlotte Corday ermordet.
Phase 3: Die Schreckensherrschaft (1793–1794)
- September 1793: Der Konvent setzt den „Schrecken“ auf die Tagesordnung. Das Gesetz über die Verdächtigen erlaubt es, jeden zu verhaften, der als Feind der Revolution gilt.
- 16. Oktober 1793: Königin Marie Antoinette wird hingerichtet.
- 3. November 1793: Auch Olympe de Gouges stirbt unter der Guillotine.
- April 1794: Der Revolutionär Georges Danton und seine Anhänger werden hingerichtet. Maximilien de Robespierre ist nun der mächtigste Mann im Wohlfahrtsausschuss.
- Juni 1794: Robespierre feiert das „Fest des Höchsten Wesens“. Ein neues Gesetz beschleunigt die Prozesse – Angeklagte haben kaum noch Rechte.
- 27. Juli 1794 (9. Thermidor): Robespierre wird im Konvent gestürzt und am nächsten Tag hingerichtet. Die Schreckensherrschaft endet. Zehntausende Menschen waren ihr zum Opfer gefallen.
Phase 4: Das Direktorium (1795–1799)
- 1795: Eine neue Verfassung tritt in Kraft. Die Regierung übernimmt ein Direktorium aus fünf Männern. Das Wahlrecht hängt wieder vom Besitz ab.
- 1796–1797: Der junge General Napoleon Bonaparte feiert große Erfolge im Krieg in Italien und wird sehr beliebt.
- 1798–1799: Napoleon führt einen Feldzug nach Ägypten. In Frankreich wächst die Unzufriedenheit mit dem schwachen und bestechlichen Direktorium.
- 9. November 1799 (18. Brumaire): Napoleon stürzt das Direktorium in einem Staatsstreich und wird als Erster Konsul Herrscher Frankreichs. Damit gilt die Französische Revolution als beendet.
Ausblick
1804 krönte sich Napoleon selbst zum Kaiser der Franzosen. Viele Errungenschaften der Revolution blieben aber erhalten: Die Vorrechte des Adels kehrten nicht zurück, und mit dem Code civil von 1804 galt in Frankreich ein Recht, das alle Bürger vor dem Gesetz gleichstellte. Die Idee der Menschen- und Bürgerrechte verbreitete sich in ganz Europa und darüber hinaus.
Tipps zum Lernen
Du musst nicht jedes Datum auswendig lernen. Wichtiger ist, die großen Linien zu verstehen: Wie wurde aus einer Finanzkrise eine Revolution? Warum wurde die Revolution immer radikaler? Und warum endete sie in der Herrschaft eines Einzelnen? Präge dir vor allem die „Schlüsseldaten“ ein: 5. Mai, 20. Juni, 14. Juli und 26. August 1789, die Verfassung 1791, die Republik 1792, die Hinrichtung des Königs 1793, der Sturz Robespierres 1794 und der Staatsstreich Napoleons 1799. Tipp: Zeichne die Zeitleiste als Kurve – sie steigt bis zur Schreckensherrschaft an und fällt danach wieder ab.
Quellen
- segu Geschichte: Verlauf der Französischen Revolution
- segu Geschichte: Modulserie Französische Revolution
- Franzoesische-Revolution.net: Zeittafel Französische Revolution
- Enzyklopädie der Weltgeschichte: Französische Revolution
- Enzyklopädie der Weltgeschichte: Karte der Französischen Revolution und Kriege 1789–99