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Die Exekution Ludwigs XVI. – Warum wurde die Monarchie 1793 abgeschafft?

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Am Morgen des 21. Januar 1793 fuhr eine Kutsche durch das von Soldaten gesäumte Paris zur Place de la Révolution, dem heutigen Place de la Concorde. Darin saß ein Mann, den die Revolutionäre nur noch „Bürger Louis Capet“ nannten. Wenige Minuten nach zehn Uhr fiel das Beil der Guillotine. Mit Ludwig XVI. starb der erste König Frankreichs, der von seinem eigenen Volk zum Tode verurteilt worden war. Wie konnte es so weit kommen – und warum war die Monarchie in Frankreich nicht mehr zu retten?

Eine wichtige Klarstellung

Genau genommen wurde die Monarchie nicht erst durch die Hinrichtung abgeschafft. Das geschah schon am 21. September 1792: Am ersten Tag seiner Sitzungen beschloss der neu gewählte Nationalkonvent, das Königtum aufzuheben; am nächsten Tag begann die Zeitrechnung der Republik. Die Hinrichtung im Januar 1793 besiegelte diesen Bruch. Sie machte deutlich, dass es kein Zurück mehr geben sollte. Um beide Ereignisse zu verstehen, muss man fragen, wie der König zwischen 1789 und 1792 das Vertrauen der Revolution verlor.

Vom absoluten zum konstitutionellen König

1789 war Ludwig XVI. noch ein absoluter Monarch. Nach dem Sturm auf die Bastille musste er Schritt für Schritt Macht abgeben. Die Verfassung von 1791 machte ihn zum „König der Franzosen“ in einer konstitutionellen Monarchie: Die Gesetze beschloss nun eine gewählte Versammlung, der König konnte sie nur für eine gewisse Zeit aufhalten (aufschiebendes Veto). Viele Revolutionäre waren zu dieser Zeit noch überzeugte Anhänger des Königtums. Eine Republik forderten nur wenige.

Der Bruch des Vertrauens

Drei Ereignisse zerstörten das Vertrauen in den König:

  • Die Flucht nach Varennes (Juni 1791): Die Königsfamilie versuchte, verkleidet ins Ausland zu fliehen. In dem Dorf Varennes wurde sie erkannt und nach Paris zurückgebracht. In einer zurückgelassenen Erklärung hatte Ludwig die Revolution scharf verurteilt. Für viele war klar: Der König arbeitete gegen die Verfassung, auf die er geschworen hatte.
  • Der Krieg (ab April 1792): Frankreich erklärte Österreich den Krieg, bald kämpfte auch Preußen gegen Frankreich. Marie Antoinette war eine österreichische Prinzessin, und man verdächtigte das Königspaar, mit dem Feind zusammenzuarbeiten. Als der König Gesetze gegen Priester, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, und gegen Emigranten mit seinem Veto blockierte, wuchs das Misstrauen weiter.
  • Das Manifest des Herzogs von Braunschweig (Juli 1792): Der Oberbefehlshaber der feindlichen Truppen drohte, Paris zu zerstören, falls der Königsfamilie etwas geschähe. Statt den König zu schützen, heizte das die Stimmung gegen ihn an.

Am 10. August 1792 stürmten bewaffnete Pariser und Nationalgardisten das Tuilerienschloss. Der König wurde abgesetzt und mit seiner Familie im Temple, einem alten Festungsturm, gefangen gesetzt. Wenige Wochen später schaffte der Konvent die Monarchie ab.

Der Prozess

Im November 1792 wurde im Schloss ein geheimer, in eine Wand eingelassener Eisenschrank entdeckt. Darin lagen Briefe, die Kontakte des Königs zu Gegnern der Revolution belegten. Nun war ein Prozess kaum noch zu vermeiden. Umstritten war aber, wie man mit Ludwig verfahren sollte:

  • Die gemäßigten Girondisten zögerten. Einige wollten das ganze Volk über das Schicksal des Königs abstimmen lassen.
  • Die radikalen Jakobiner um Robespierre und Saint-Just lehnten einen normalen Prozess ab. Saint-Just erklärte, man könne nicht unschuldig König sein: Das Königtum selbst sei ein Verbrechen. Robespierre forderte, Ludwig müsse sterben, damit das Vaterland lebe.

Ab dem 11. Dezember 1792 musste sich Ludwig vor dem Konvent verantworten. Er wurde von Anwälten verteidigt und bestritt die meisten Vorwürfe. Im Januar 1793 stimmten die Abgeordneten einzeln und öffentlich ab. Fast alle erklärten ihn für schuldig. Eine Volksabstimmung lehnte die Mehrheit ab. Bei der entscheidenden Frage nach der Strafe fiel das Ergebnis sehr knapp aus: Von 721 Abgeordneten stimmten 361 für die Todesstrafe ohne Bedingungen – genau die Zahl, die für eine Mehrheit nötig war. Auch ein Antrag, die Hinrichtung aufzuschieben, scheiterte.

Warum der König sterben musste – die Argumente

Für die Befürworter der Hinrichtung war sie aus mehreren Gründen notwendig:

  • Solange der König lebte, konnten sich alle Gegner der Revolution um ihn sammeln.
  • Der Tod eines Königs, der als von Gott eingesetzt galt, sollte zeigen, dass er ein Mensch wie jeder andere war und vor dem Gesetz gleich behandelt wurde.
  • Im Krieg sollte ein unumkehrbares Zeichen gesetzt werden: Die Republik würde nicht verhandeln.

Gegner hielten dagegen, dass die Verfassung von 1791 den König für unantastbar erklärt hatte, dass der Konvent zugleich Ankläger und Richter war und dass die Hinrichtung Frankreich im Ausland noch mehr Feinde machen würde.

Die Folgen

Die Gegner der Hinrichtung behielten zumindest in einem Punkt recht. Die europäischen Monarchen waren entsetzt. Im Februar 1793 erklärte Frankreich Großbritannien und den Niederlanden den Krieg, bald stand fast ganz Europa gegen die Republik. Im Inneren erhob sich im März 1793 die Vendée im Westen Frankreichs. Die Revolution fühlte sich von allen Seiten bedroht und wurde immer radikaler. Wenige Monate später begann die Schreckensherrschaft. Am 16. Oktober 1793 wurde auch Königin Marie Antoinette hingerichtet. Ihr Sohn, der kleine Ludwig XVII., starb 1795 im Gefängnis.

Endgültig war das Ende der Monarchie in Frankreich trotzdem nicht: Nach Napoleons Kaiserreich kehrten die Bourbonen 1814 mit Ludwigs Brüdern auf den Thron zurück. Erst ab 1870 wurde Frankreich dauerhaft zur Republik.

Hinweis für Lehrkräfte

Das Thema eignet sich hervorragend für ein Rollenspiel oder eine Pro-und-Kontra-Debatte: Die Klasse übernimmt die Rolle des Konvents und stimmt nach einer Diskussion ab. Gut geeignet sind Auszüge aus den Reden Robespierres und Saint-Justs sowie Bildquellen der Hinrichtung. Anschließend kann das Ergebnis der Klasse mit dem historischen verglichen und die Frage erörtert werden, ob es Alternativen zur Hinrichtung gegeben hätte und wie ein heutiger Rechtsstaat vorgehen würde.

Aufgaben

  1. Erkläre, warum die Flucht nach Varennes ein Wendepunkt war.
  2. Stelle die Argumente für und gegen die Hinrichtung in einer Tabelle gegenüber.
  3. Beurteile, ob der Prozess gegen Ludwig XVI. ein faires Verfahren war.

Quellen