Die Exekution Ludwigs XVI.: Warum wurde die Monarchie 1793 abgeschafft?

Die Hinrichtung des französischen Königs Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 wurde auch von den Zeitgenossen in Frankreich als eine historische Wende gesehen und als solche erkannt. So finden sich noch heute zahllose Werke, die sich mit dem ehemals absolutistisch herrschenden König auf dem Schafott beschäftigen.

Im Buch „Brückner, Dieter: Das waren Zeiten 3. Das lange 19. Jahrhundert, Bamberg 2008“ haben wir zum Einstieg dieses Ereignis anhand eines Kupferstichs unbekannter Herkunft interpretiert (S. 26, Ausgabe Baden-Württember).

Hier ein vergleichbarer Kupferstich, jedoch ohne Priester und bürgerliche Zuschauer auf einer Mauer:

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Heinrich_Sieveking

Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist (70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) abgelaufen ist. 

Auffällig ist, dass obwohl Schriftquellen bestätigen, dass der Exekution wohl mehrere Tausend Menschen beigewohnt haben müssen, das Bürgertum nur ganz am Rande gezeigt wird. Auf einer Mauer auf der linken Seite sind sechs bis sieben Personen zu erkennen, die dem Bürgertum zugerechnet werden können. Auf dem Schafott befinden sich außerdem die beiden Henker, die dem gehobenen Bürgertum zugeordnet werden können (durch die Kniehosen müssen sie Großbürger oder eventuell Adlige sein).

Die den absolutistischen König in seiner Macht stützenden Personengruppen sind dafür z.T. in hoher Anzahl oder in prominter Position zu sehen. So ist das Schafott vom stehenden Heer umringt, das der Exekution scheinbar regungslos zusieht. Lediglich der Kommandant der Kavallerie scheint den abgetrennten Kopf des Königs mit seinem Säbel zu grüßen. Das stehende Heer, eine wichtige und loyale Säule des Absolutismus, hatte ihren König also 1793 also verlassen.

Auch die katholische Kirche, im Kupferstich vertreten durch einen katholischen Priester, scheint die Exekution zu akzeptieren. Der Priester hält ein Kreuz billigend über den Leichnam des Königs, andere Vertreter der Geistlichkeit sind nicht zu sehen. Wenn man dieser Interpretation folgt, so muss Ludwig XVI. vor seinem Tod zumindest einen Teil der Unterstützung durch die staatstragende katholische Kirche in Frankreich verloren haben.

Am Bild erkennen lässt sich allerdings nicht, ob auch das den König stützende Beamtenwesen in ähnlicher Weise die Monarchie verlassen hat.

Mit dem Vorwissen über die revolutionären Ereignisse in Frankreich zwischen 1789 und 1792 mit ihrem Wechsel von absolutistischer zu konstitutioneller Monarchie ist folgende Leitfrage zentral:

LF: „Warum wurde 1793 Ludwig XVI. exekutiert und die Monarchie abgeschafft?“

Zur Beantwortung der LF sollte die Zeit nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 genauer untersucht werden. Durch welches persönliches Verhalten und durch welche inneren und äußere Umstände in Frankreich könnte die Exekution des Königs ausgelöst worden sein?

Zeitleiste zur Französischen Revolution zwischen Ende 1789 und Anfang 1793

4./5. August 1789 Augustbeschlüsse-> Abschaffung der Leibeigenschaft der Bauern-> Beschluss der Menschen- und Bürgerrechte durch die Nationalversammlung
5./6. Oktober 1789 Frauen protestieren in Paris -> Hungersnöte und steigende Preise verschlimmern das Elend in der Bevölkerung-> 6000 Frauen zwingen König zum Umzug von Versailles nach Paris
14. Juli 1790 Verbrüderungsfest-> Revolutionsfeiern durch republikanische Jakobiner-> Ludwig XVI. muss einen feierlichen Eid auf die französische Nation leisten

-> Adelstitel sind durch Nationalversammlung abgeschafft

Juli 1791 Fluchtversuch des Königs an den österreichischen Hof-> obwohl Ludwig XVI. sich als Diener verkleidet, wird er von Nationalgardisten enttarnt und ins Stadtschloss zurückgebracht-> König verliert nun jeglichen Rückhalt im Volk, wird als Verräter gebrandmarkt
13. September 1791 Frankreich wird konstitutionelle Monarchie-> Nationalversammlung beschließt Verfassung und der König leistet einen Eid auf sie-> Einteilung Frankreichs in 83 Départements, Binnenzölle entfallen

-> Trennung von Kirche und Staat, Schule nun Staatshoheit, Enteignung von Kirchenvermögen

-> Adel und viele Geistliche fliehen ins Ausland

10. August 1792 „Zweite Revolution“-> anrückende Truppen aus Preußen und Österreich schüren Furcht vor ausländischer Gegenrevolution zum Vorteil des Königs-> Volk stürmt das Stadtschloss und verhaftet den König

-> Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts (ab 21 Jahren, unabhängig von Mindesteinkommen)

2.-5. September 1792 Septembermorde-> aufgebrachte Volksmassen töten ca. 1500 meist adlige Gefangene, aus Furcht diese könnten mit den anrückenden Truppen zusammenarbeiten
22. September 1792 Einführung der Republik-> Wahlen zum Nationalkonvent mit starken radikalrepublikanischen Kräften-> Nationalkonvent beschließt die Einführung der Republik

-> Fortsetzung des Kriegs gegen das monarchistische Ausland

21. Januar 1793 Exekution des Königs-> nach Gerichtsverhandlung wegen „Verschwörung gegen die Freiheit der Nation“ vor der Nationalversammlung wird Ludwig XVI. hingerichtet-> am 16. Oktober 1793 wird auch seine Frau, Marie Antoinette und am 8. Juni 1795 sein Sohn und eigentlicher Nachfolger (Dauphin) getötet
Folgen Erster Koalitionskrieg-> durch die Hinrichtung des Königs provoziert traten dem ursprünglichen royalistischen Bündnis aus Preußen und Österreich nun auch England, Holland und Spanien bei und versuchten Frankreich durch Krieg zur Rücknahme der getroffenen staatsrechtlichen Entscheidungen zu zwingen.Bürgerkrieg

-> die ständigen Truppenaushebungen für den Krieg gegen die Koalitionstruppen sowie Hunger führten zu Aufständen, die sich in großen Teilen Frankreichs zu einem Bürgerkrieg ausweiteten

Bei der Untersuchung dieser entscheidenden Zeitspanne der Französischen Revolution wird offensichtlich, dass der König die Abschaffung der Monarchie in Frankreich z.T. selbst verursacht oder zumindest deutlich beschleunigt hat.

Statt die Bedrohungslage durch die monarchistische Koalition von Preußen und Österreich zu nutzen und Frankreich als Kopf einer konstitutionellen Monarchie zu leiten, versuchte er sich der brenzligen Situation durch Flucht zu entziehen. Die durch die immer noch katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse und die außenpolitische Bedrohungslage aufgestachelte Bevölkerung (v.a. Kleinbürgertum -> Sansculotten) nutzten diese Lage zu einer „Zweiten Revolution“, um in einer dadurch geschaffenen Republik ihre gesellschaftliche Gleichstellung durchzusetzen.

Die Ermordung und Massenflucht vieler Adliger und Geistlicher und letztlich die Exekution des Königs selbst verstärkte die außenpolitische Bedrohung und die wirtschaftliche Not noch weiter. Der Bedrohung versuchte man mit mehr Truppen entgegenzuwirken, was widerrum zu noch mehr Aufständen und zu Bürgerkrieg führte (v.a. in der Vendée in Westfrankreich und in Lyon).

Die Republik hatte sich nun zwar durchgesetzt, war aber von inneren und äußeren Feinden belagert und durch Hungersnöte und Inflation an den Rand des Scheiterns gebracht. Die Frage, ob die Probleme Frankreichs überhaupt lösen konnte oder nur neue Probleme schaffte, stellte sich den meisten Menschen in Europa zu dieser Zeit.

In dieser Situation beschloss der Nationalkonvent 1793 eine neue Verfassung, die die weitreichenden Probleme lösen sollte. Doch das zu einem unfassbar hohen Preis…

Hier geht es zu den weiteren Ereignissen:

https://histoproblog.org/2013/11/24/die-schreckensherrschaft-robespierres-tugend-durch-terror/

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2 Antworten zu Die Exekution Ludwigs XVI.: Warum wurde die Monarchie 1793 abgeschafft?

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