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Der Sonnenkönig Ludwig XIV.

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Keiner hat so lange über Frankreich geherrscht wie er: 72 Jahre, von 1643 bis 1715, war Ludwig XIV. König. Er ließ sich als „Sonnenkönig“ feiern, um den sich alles drehte wie die Planeten um die Sonne. Sein Schloss in Versailles wurde zum Vorbild für Fürsten in ganz Europa. Ludwig XIV. gilt als Musterbeispiel eines Herrschers im Zeitalter des Absolutismus. Was bedeutet das, und wie sah seine Herrschaft aus?

Ein Kind auf dem Thron

Ludwig wurde am 5. September 1638 geboren. Als sein Vater Ludwig XIII. 1643 starb, war er erst vier Jahre alt. Für ihn regierten seine Mutter Anna von Österreich und der Kardinal Mazarin. In Ludwigs Kindheit fiel ein Ereignis, das ihn tief prägte: die Fronde (1648–1653), ein Aufstand des Hochadels und des Pariser Parlaments gegen die Krone. Die Königsfamilie musste zeitweise aus Paris fliehen. Ludwig zog daraus eine Lehre: Nie wieder sollte der Adel dem König gefährlich werden können.

Als Mazarin 1661 starb, erklärte der 22-jährige Ludwig, er werde von nun an ohne einen leitenden Minister selbst regieren. Seine Minister sollten nur noch ausführen, was er entschied.

Was ist Absolutismus?

Der Begriff kommt vom lateinischen legibus absolutus, „von den Gesetzen losgelöst“. Ein absoluter Herrscher beanspruchte, dass alle Staatsgewalt bei ihm lag und er keinem Parlament Rechenschaft schuldete. Seine Macht begründete er mit dem Gottesgnadentum: Gott selbst habe ihn eingesetzt, und nur Gott sei er verantwortlich. Der Satz „Der Staat bin ich“ (L’État, c’est moi) wird Ludwig oft zugeschrieben. Wahrscheinlich hat er ihn so nie gesagt, er beschreibt aber gut, wie er sich selbst verstand.

Die Säulen der Macht

Im Unterricht spricht man oft von den „Säulen des Absolutismus“, auf die sich die Macht des Königs stützte:

  • Beamte: Der König schickte Intendanten in die Provinzen. Sie waren von ihm abhängig, kontrollierten die Verwaltung, zogen Steuern ein und berichteten direkt nach Versailles.
  • Stehendes Heer: Ludwig baute die größte Armee Europas auf – zeitweise mit über 300.000 Soldaten. Sie war ständig einsatzbereit, einheitlich ausgerüstet und dem König unterstellt.
  • Kirche: Die katholische Kirche stützte das Gottesgnadentum. Ludwig wollte in seinem Reich nur eine Religion dulden.
  • Wirtschaft: Das alles kostete sehr viel Geld. Es sollte durch eine neue Wirtschaftspolitik, den Merkantilismus, beschafft werden.
  • Hof und Prachtentfaltung: Der Hof in Versailles diente dazu, den Adel zu kontrollieren und die Größe des Königs darzustellen.

Versailles: eine Bühne für den König

Ludwig ließ ein ehemaliges Jagdschloss seines Vaters in Versailles, rund 20 Kilometer vor Paris, zu einer gewaltigen Schlossanlage ausbauen. Zehntausende Arbeiter waren daran beteiligt. 1682 verlegte er seinen Hof dauerhaft dorthin. Im Park ließ er die Natur in geometrische Formen zwingen: gerade Alleen, beschnittene Hecken und riesige Wasserspiele. Im Mittelpunkt des Schlosses lag das Schlafzimmer des Königs.

Am Hof lebten zeitweise mehrere Tausend Menschen. Jeder Tag folgte einem strengen Ablauf, der Etikette. Schon das Aufstehen des Königs, das Lever, war eine feierliche Zeremonie, bei der Adlige ihm beim Ankleiden helfen durften – eine große Ehre. Wer in der Gunst des Königs stand, erhielt Ämter, Titel und Geld. Wer fernblieb, hatte keine Chancen. So band Ludwig den mächtigen Hochadel an sich: Statt in ihren Provinzen Macht auszuüben, verbrachten die Adligen ihre Zeit und ihr Vermögen mit Festen, Kleidung und Glücksspiel am Hof.

Zugleich förderte Ludwig Kunst und Wissenschaft. Dichter wie Molière und Racine und der Komponist Lully arbeiteten für ihn, und er gründete Akademien für Malerei, Wissenschaften und Architektur. Französisch wurde zur Sprache der Diplomatie und der gebildeten Oberschicht in Europa.

Colbert und der Merkantilismus

Um die hohen Ausgaben zu finanzieren, setzte Finanzminister Jean-Baptiste Colbert auf den Merkantilismus. Die Grundidee: Ein Staat ist reich, wenn möglichst viel Geld ins Land fließt und möglichst wenig hinaus. Deshalb sollten wenige Rohstoffe billig eingeführt und viele fertige Waren teuer ausgeführt werden. Colbert gründete staatlich geförderte Manufakturen, in denen Arbeiter in Arbeitsteilung Luxusgüter wie Spiegel, Teppiche, Seide und Porzellan herstellten. Er ließ Straßen und Kanäle bauen, erhob hohe Zölle auf ausländische Waren und baute eine Handelsflotte und Kolonien auf.

Die Schattenseiten

Ludwigs Herrschaft hatte einen hohen Preis. Er führte fast ununterbrochen Kriege, um Frankreich zur führenden Macht Europas zu machen und seine Grenzen nach Osten zu verschieben. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg verwüsteten französische Truppen große Teile der Pfalz; auch Heidelberg und sein Schloss wurden zerstört. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) erschöpfte Frankreich völlig.

1685 hob Ludwig mit dem Edikt von Fontainebleau das Edikt von Nantes auf, das den französischen Protestanten, den Hugenotten, Glaubensfreiheit gewährt hatte. Rund 200.000 Hugenotten flohen, viele davon nach Brandenburg-Preußen, wo sie der Große Kurfürst mit dem Edikt von Potsdam aufnahm. Frankreich verlor damit viele fleißige Handwerker und Kaufleute.

Die Lasten trugen vor allem die Bauern, die den größten Teil der Steuern zahlten. Als Ludwig am 1. September 1715 starb, war Frankreich hoch verschuldet, und viele Menschen feierten seinen Tod. Die Finanzprobleme blieben ungelöst – eine der Ursachen für die Französische Revolution 1789.

War Ludwig wirklich „absolut“?

Viele Historiker betonen heute, dass die Macht Ludwigs XIV. in der Praxis geringer war, als es der Begriff Absolutismus vermuten lässt. Der König war auf die Zusammenarbeit mit Adel, Kirche, Provinzen und Städten angewiesen, die viele alte Rechte behielten. Die Darstellung als allmächtiger Sonnenkönig war auch eine gezielte Inszenierung. Deshalb sprechen manche Forscher lieber von einer Herrschaft, die absolute Macht beanspruchte, als von einer, die sie tatsächlich besaß.

Aufgaben

  1. Erkläre die Begriffe Absolutismus, Gottesgnadentum und Merkantilismus.
  2. Zeichne ein Schaubild mit den Säulen der Macht Ludwigs XIV.
  3. Erläutere, wie Ludwig XIV. den Adel mit Hilfe des Hofes in Versailles kontrollierte.
  4. Beurteile die Herrschaft Ludwigs XIV. aus Sicht eines Adligen, eines Bauern und eines Hugenotten.

Quellen