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Kaiser Friedrich II. und das Papsttum

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Kaum ein Herrscher des Mittelalters hat seine Zeitgenossen so sehr beeindruckt und zugleich so sehr gespalten wie der Staufer Friedrich II. (1194–1250). Seine Anhänger nannten ihn stupor mundi, das „Staunen der Welt“. Seine Gegner hielten ihn für den Antichristen. Zwei Päpste belegten ihn mit dem Kirchenbann, einer erklärte ihn sogar für abgesetzt. Der Konflikt zwischen Friedrich II. und dem Papsttum war der letzte große Machtkampf zwischen Kaiser und Papst im Hochmittelalter – und er endete mit dem Untergang der Staufer.

Der Hintergrund: Wer steht an der Spitze der Christenheit?

Seit dem Investiturstreit im 11. Jahrhundert stritten Kaiser und Päpste darüber, wem in der christlichen Welt die höchste Macht zustand. Nach der sogenannten Zwei-Schwerter-Lehre hatte Gott zwei Gewalten eingesetzt: die geistliche Gewalt des Papstes und die weltliche Gewalt des Kaisers. Umstritten war aber, wie sie zueinander standen. Die Päpste des 13. Jahrhunderts beanspruchten, dass der Kaiser sein Schwert letztlich aus ihrer Hand empfange und ihnen verantwortlich sei. Die Kaiser sahen sich dagegen direkt von Gott eingesetzt.

Ein Kind aus Sizilien

Friedrich wurde am 26. Dezember 1194 in Jesi in Mittelitalien geboren. Sein Vater war Kaiser Heinrich VI., ein Sohn Friedrich Barbarossas. Seine Mutter Konstanze war die Erbin des normannischen Königreichs Sizilien, zu dem auch Süditalien gehörte. Friedrichs Vater starb schon 1197, seine Mutter 1198. Das Kind wurde König von Sizilien und kam unter die Vormundschaft von Papst Innozenz III.

Friedrich wuchs in Palermo auf, einer Stadt, in der Christen, Muslime und Juden zusammenlebten und in der Griechisch, Arabisch und Latein gesprochen wurde. Diese Umgebung prägte ihn. Er interessierte sich zeitlebens für Wissenschaft, Philosophie und Dichtung, sprach mehrere Sprachen und schrieb später ein berühmtes Buch über die Falkenjagd.

Das Problem: die „Umklammerung“ des Kirchenstaats

Im Reich nördlich der Alpen stritten nach Heinrichs Tod zwei Könige um die Krone: der Staufer Philipp von Schwaben und der Welfe Otto IV. Als Otto später gegen die Interessen des Papstes handelte, unterstützte Innozenz III. den jungen Friedrich. 1215 wurde Friedrich in Aachen zum König gekrönt, 1220 in Rom zum Kaiser.

Doch damit entstand genau die Lage, die die Päpste am meisten fürchteten: Ein und derselbe Herrscher regierte nun im Norden das Reich mit Oberitalien und im Süden das Königreich Sizilien. Der Kirchenstaat in Mittelitalien lag dazwischen wie in einer Zange. Die Päpste sahen darin eine Gefahr für ihre Unabhängigkeit. Friedrich hatte deshalb versprochen, das Reich und Sizilien getrennt zu halten – hielt sich aber nicht daran.

Der erste Bann und der Kreuzzug ohne Segen

Bei seiner Krönung hatte Friedrich außerdem gelobt, einen Kreuzzug ins Heilige Land zu führen. Er schob den Aufbruch aber immer wieder hinaus. 1227 brach er endlich auf, doch in seinem Heer brach eine Seuche aus, und er kehrte krank um. Der neue Papst Gregor IX. glaubte ihm nicht und verhängte den Kirchenbann über ihn. Ein Gebannter war aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen – eine schwere Strafe, denn eigentlich durften Christen ihm nun nicht mehr gehorchen.

Friedrich zog 1228 trotzdem ins Heilige Land – als gebannter Kreuzfahrer. Dort erreichte er etwas Erstaunliches: Ohne eine einzige große Schlacht schloss er am 18. Februar 1229 mit dem ägyptischen Sultan al-Kamil einen Vertrag. Jerusalem kam für zehn Jahre wieder unter christliche Herrschaft. In der Grabeskirche setzte sich Friedrich selbst die Krone des Königs von Jerusalem auf. Der Papst war empört: Ein gebannter Kaiser hatte durch Verhandlungen mit einem Muslim erreicht, was vielen Kreuzzügen mit dem Schwert nicht gelungen war. Während Friedrich im Osten war, ließ Gregor IX. sogar päpstliche Truppen in Sizilien einfallen.

Friedrich kehrte zurück, vertrieb die päpstlichen Truppen und schloss 1230 mit dem Papst den Frieden von San Germano. Der Bann wurde aufgehoben.

Ein moderner Herrscher?

In Sizilien baute Friedrich eine für die Zeit ungewöhnlich straffe Verwaltung auf. 1231 erließ er ein umfassendes Gesetzbuch, die Konstitutionen von Melfi. Er setzte gut ausgebildete Beamte ein, gründete 1224 in Neapel eine Universität, um Juristen für seinen Staat auszubilden, und ließ Burgen wie das berühmte Castel del Monte errichten. Manche Historiker haben ihn deshalb später als „ersten modernen Menschen auf dem Thron“ bezeichnet. Heute sieht die Forschung das zurückhaltender: Friedrich war ein Herrscher seiner Zeit, der auch Ketzer verfolgen ließ und seine Macht mit großer Härte durchsetzte. Im deutschen Reichsteil dagegen überließ er den Fürsten viele Rechte, um in Italien freie Hand zu haben.

Der zweite Bann: Kampf um Italien

Der eigentliche Streitpunkt blieb Italien. Friedrich wollte die reichen Städte Oberitaliens, die sich im Lombardischen Bund zusammengeschlossen hatten, seiner Herrschaft unterwerfen. 1237 besiegte er sie bei Cortenuova. Die Päpste unterstützten die Städte, weil ein starker Kaiser in Italien ihre Unabhängigkeit bedrohte. 1239 verhängte Gregor IX. zum zweiten Mal den Bann über Friedrich.

Nun wurde der Konflikt auch als Propagandakrieg geführt. Beide Seiten verschickten Briefe und Streitschriften an die Fürsten Europas. Der Papst beschrieb Friedrich als das Tier aus der Offenbarung des Johannes, als Ketzer und Vorboten des Antichristen. Friedrich warf dem Papst vor, er missbrauche sein geistliches Amt für weltliche Machtpolitik, und forderte eine arme Kirche nach dem Vorbild der Apostel. Als Gregor 1241 ein Konzil nach Rom einberief, ließ Friedrich die anreisenden Geistlichen auf See abfangen und gefangen nehmen. Kurz darauf starb der Papst.

Die Absetzung auf dem Konzil von Lyon 1245

Friedrich hoffte auf einen Ausgleich mit dem neuen Papst Innozenz IV. Doch Innozenz floh 1244 heimlich nach Lyon, außerhalb von Friedrichs Reichweite. Dort berief er 1245 ein Konzil ein. Am 17. Juli 1245 erklärte er Friedrich wegen Meineids, Friedensbruchs, Kirchenschändung und Verdachts auf Ketzerei für abgesetzt. Alle Untertanen wurden von ihrem Treueeid entbunden. Friedrich erkannte das Urteil nicht an und bestritt, dass der Papst einen Kaiser absetzen dürfe.

Die Folgen waren dennoch spürbar. Im deutschen Reich wählten papsttreue Fürsten Gegenkönige: 1246 Heinrich Raspe, 1247 Wilhelm von Holland. In Italien tobten weiter Kämpfe. 1248 erlitt Friedrich vor Parma eine schwere Niederlage. Am 13. Dezember 1250 starb er in Castel Fiorentino in Apulien, ohne dass der Konflikt gelöst war.

Das Ende der Staufer

Die Päpste setzten den Kampf gegen Friedrichs Nachkommen fort. Sein Sohn Konrad IV. starb 1254, sein Sohn Manfred fiel 1266 im Kampf gegen Karl von Anjou, den der Papst mit Sizilien belehnt hatte. Friedrichs Enkel Konradin wurde 1268 in Neapel hingerichtet. Damit war die Familie der Staufer ausgelöscht. Im Reich begann das Interregnum, eine Zeit ohne allgemein anerkannten König, und die Macht der Fürsten wuchs weiter.

Nach seinem Tod wuchs die Legende: Viele glaubten, Friedrich sei nicht tot, sondern schlafe in einem Berg und werde eines Tages wiederkehren. Diese Sage wurde später auf seinen Großvater Barbarossa und den Kyffhäuser übertragen.

Wer hat gewonnen?

Auf den ersten Blick hat das Papsttum gesiegt: Die Staufer waren vernichtet, und kein Kaiser konnte danach mehr eine vergleichbare Macht in Italien aufbauen. Doch auch die Päpste zahlten einen hohen Preis. Der Streit hatte gezeigt, dass sie Bann und Kreuzzug als Waffen der Machtpolitik einsetzten. Das schadete ihrem Ansehen als geistliche Führer. Gleichzeitig profitierte ein Dritter: Der französische König, der sich aus dem Konflikt heraushielt, wurde zur stärksten Macht in Europa. Schon wenige Jahrzehnte später sollte das Papsttum selbst unter französischen Einfluss geraten.

Quellen