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Rollentagebücher zur Französischen Revolution

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Wie erlebten ganz normale Menschen die Französische Revolution? Eine Bäuerin auf dem Land sah die Ereignisse ganz anders als ein adliger Graf oder ein Handwerker in Paris. Um das nachzuempfinden, eignen sich Rollentagebücher: Man versetzt sich in eine erfundene, aber historisch mögliche Person und schreibt aus ihrer Sicht Tagebuch. Auf dieser Seite findest du vier Rollen mit Beispieleinträgen und am Ende Hinweise, wie du selbst ein Rollentagebuch schreiben kannst.

Wichtig: Die Personen und ihre Tagebücher sind erfunden. Die Ereignisse, auf die sie sich beziehen, sind dagegen historisch belegt. Ein gutes Rollentagebuch verbindet beides.

Rolle 1: Marie, Bäuerin in der Picardie (Dritter Stand)

März 1789. Heute haben sich alle Männer des Dorfes in der Kirche versammelt, um unser Beschwerdeheft für den König zu schreiben. Der Notar hat es aufgesetzt, weil kaum einer schreiben kann. Wir klagen über den Zehnten, über die Abgaben an den Grundherrn und darüber, dass seine Tauben unser Saatgut fressen und wir sie nicht vertreiben dürfen. Der letzte Winter war so kalt, dass unser Brot kaum für die Kinder reicht. Man sagt, der König will uns anhören. Ich hoffe es.

Ende Juli 1789. Seltsame Gerüchte gehen um: Räuber sollen im Auftrag der Adligen kommen, um unsere Ernte zu vernichten. Alle haben Angst. Die Männer aus dem Nachbardorf sind zum Schloss gezogen und haben die alten Urkunden verbrannt, in denen steht, was wir dem Herrn schulden. Ich weiß nicht, ob das richtig war. Aber wie lange sollen wir noch für andere arbeiten?

August 1789. Der Pfarrer hat erzählt, die Versammlung in Versailles habe die Vorrechte des Adels abgeschafft. Mein Mann hat vor Freude getanzt. Doch dann hieß es, manche Abgaben müssten wir erst mit Geld ablösen. Woher sollen wir das nehmen?

Rolle 2: Jacques, Tischler in Paris (Sansculotte)

14. Juli 1789. Was für ein Tag! Schon am Morgen haben wir im Invalidendom Gewehre geholt. Dann zog die Menge zur Bastille, denn dort lagerte das Schießpulver. Stundenlang wurde geschossen. Am Nachmittag ergab sich die Besatzung. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie der Kommandant abgeführt wurde. Was dann mit ihm geschah, will ich nicht aufschreiben. Die Bastille ist gefallen – der König muss jetzt auf uns hören!

10. August 1792. Die Preußen marschieren auf Paris zu, und der König steckt mit ihnen unter einer Decke, das weiß jeder. Heute haben wir das Tuilerienschloss gestürmt. Die Schweizergarde hat auf uns geschossen, viele meiner Nachbarn sind tot. Der König ist abgesetzt. Ich trage jetzt stolz die langen Hosen der Arbeiter und die rote Mütze. Wir nennen uns Sansculotten – die ohne Kniebundhosen der Reichen.

Frühjahr 1794. Ein Pfund Brot kostet immer noch zu viel, obwohl der Konvent Höchstpreise festgelegt hat. Jeden Tag rollen die Karren mit Verurteilten zur Guillotine. Früher habe ich gejubelt. Aber gestern wurde der Bäcker aus unserer Straße abgeholt, weil jemand ihn angezeigt hat. Er war ein guter Patriot. Wer ist eigentlich noch sicher?

Rolle 3: Comte Henri de Montval, Adliger (Zweiter Stand)

Juni 1789. Die Abgeordneten des Dritten Standes führen sich auf, als seien sie die Herren Frankreichs. Sie nennen sich jetzt „Nationalversammlung“ und haben geschworen, nicht zu weichen, bis sie eine Verfassung haben. Einige meiner Standesgenossen wollen Reformen und sind sogar zu ihnen übergelaufen. Ich halte das für gefährlich. Die Ordnung der Stände ist von Gott gegeben.

Oktober 1789. Mein Schloss ist geplündert, das Archiv verbrannt. Meine Rechte sind abgeschafft. Die Königsfamilie wurde von einem Haufen Marktweiber nach Paris geschleppt. Ich habe beschlossen, mit meiner Familie Frankreich zu verlassen und nach Koblenz zu gehen, wo sich andere Emigranten sammeln.

Februar 1793. Die Nachricht hat uns im Exil erreicht: Der König ist tot, hingerichtet wie ein gewöhnlicher Verbrecher. Mein Vermögen in Frankreich wurde beschlagnahmt. Mein Bruder, der geblieben ist, sitzt im Gefängnis. Ich bete für ihn – und für ein Ende dieses Wahnsinns.

Rolle 4: Louise Bertin, Tochter eines Anwalts in Lyon (Bürgertum)

September 1789. Vater hat uns beim Abendessen die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vorgelesen: „Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten.“ Er hatte Tränen in den Augen. Ich habe ihn gefragt, ob das auch für Frauen gilt. Er hat nur gelacht.

Herbst 1791. Eine Frau namens Olympe de Gouges hat eine „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ geschrieben. Ich habe sie heimlich gelesen. Sie schreibt: Wenn die Frau das Recht hat, das Schafott zu besteigen, muss sie auch das Recht haben, die Rednertribüne zu besteigen. Vater darf nach der neuen Verfassung wählen, weil er genug Steuern zahlt. Unser Diener Pierre darf es nicht. Und ich schon gar nicht.

Oktober 1793. Unsere Stadt hat sich gegen die Jakobiner in Paris erhoben. Jetzt belagern Truppen des Konvents Lyon. Vater hält es mit den Gemäßigten, und das ist gefährlich geworden. Man sagt, Lyon soll bestraft werden. Ich habe Angst um ihn. Und aus Paris kommt die Nachricht, dass Olympe de Gouges verhaftet wurde.

So schreibst du dein eigenes Rollentagebuch

  1. Wähle eine Rolle: Lege Name, Alter, Wohnort, Beruf und Stand deiner Person fest. Möglich sind zum Beispiel auch ein Landpfarrer, eine Marktfrau in Paris, ein Soldat der Revolutionsarmee oder ein Abgeordneter der Nationalversammlung.
  2. Wähle Ereignisse: Suche dir drei bis fünf wichtige Ereignisse aus der Zeitleiste aus, von denen deine Person erfahren oder die sie selbst erlebt haben könnte.
  3. Recherchiere: Prüfe, ob deine Person von dem Ereignis überhaupt wissen konnte. Eine Bäuerin in der Provinz war nicht in Versailles dabei – sie hörte die Neuigkeiten vielleicht vom Pfarrer oder auf dem Markt, oft erst Tage später.
  4. Schreibe aus der Ich-Perspektive: Beschreibe nicht nur, was passiert, sondern auch, was deine Person denkt, hofft und fürchtet. Ihre Meinung darf sich im Laufe der Zeit ändern.
  5. Bleib historisch korrekt: Deine Person ist erfunden, die Ereignisse und Lebensumstände müssen aber stimmen. Vermeide Dinge, die es damals nicht gab.

Aufgaben zur Auswertung

  1. Vergleiche, wie Marie, Jacques, der Comte und Louise die Abschaffung der Vorrechte des Adels im August 1789 bewerten würden.
  2. Erkläre, warum Jacques 1794 anders über die Guillotine denkt als 1792.
  3. Arbeite heraus, für wen die Menschen- und Bürgerrechte von 1789 tatsächlich galten und wer ausgeschlossen blieb.
  4. Beurteile: Welche Vorteile und welche Grenzen hat ein erfundenes Tagebuch, um Geschichte zu verstehen?

Quellen