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Martin Luther und die Reformation

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Ein Mönch aus einer kleinen Universitätsstadt in Sachsen stellt die mächtigste Institution seiner Zeit in Frage – und verändert damit die Welt. Martin Luther wollte die Kirche eigentlich nur erneuern. Am Ende stand die Spaltung der westlichen Christenheit in Katholiken und Protestanten. Die Reformation prägte nicht nur die Religion, sondern auch Politik, Sprache und Bildung in Deutschland und Europa bis heute.

Vom Jurastudenten zum Mönch

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Sein Vater Hans arbeitete sich im Kupferbergbau hoch und wollte, dass sein Sohn Jurist wird. Luther studierte in Erfurt. Doch im Juli 1505 geriet er bei Stotternheim in ein schweres Gewitter. Als ein Blitz neben ihm einschlug, gelobte er in Todesangst: „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“ Kurz darauf trat er gegen den Willen seines Vaters in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.

Im Kloster quälte Luther eine Frage: Wie kann ich einen gnädigen Gott finden? Er fastete, betete und beichtete unermüdlich, fühlte sich aber nie gut genug für Gott. 1512 wurde er Doktor der Theologie und Professor an der Universität Wittenberg. Beim Studium der Bibel, besonders des Römerbriefs von Paulus, kam er zu einer befreienden Erkenntnis: Der Mensch wird nicht durch gute Werke vor Gott gerecht, sondern allein durch den Glauben, den Gott ihm aus Gnade schenkt. Diese Rechtfertigungslehre wurde zum Kern der Reformation.

Der Ablassstreit und die 95 Thesen

Zu dieser Zeit ließ die Kirche einen besonderen Ablass verkaufen, um den Neubau des Petersdoms in Rom zu finanzieren. Gläubige konnten Ablassbriefe erwerben, die ihnen – und sogar schon verstorbenen Angehörigen – Strafen im Fegefeuer erlassen sollten. Der Dominikaner Johann Tetzel war ein besonders erfolgreicher Ablassprediger.

Luther war empört. Am 31. Oktober 1517 schickte er dem zuständigen Erzbischof Albrecht von Mainz 95 Thesen, in denen er den Ablasshandel kritisierte. In These 36 heißt es sinngemäß: Jeder Christ, der wahrhaft bereut, erhält vollständigen Erlass von Strafe und Schuld – auch ohne Ablassbrief. Ob Luther die Thesen wirklich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist unter Historikern umstritten. Sicher ist: Dank des Buchdrucks verbreiteten sie sich innerhalb weniger Wochen in ganz Deutschland.

Der Bruch mit Rom

Rom leitete ein Ketzerverfahren gegen Luther ein. 1518 wurde er in Augsburg vom Kardinal Cajetan verhört, 1519 diskutierte er in Leipzig mit dem Theologen Johannes Eck. Dabei erklärte Luther, auch Päpste und Konzilien könnten irren – nur die Bibel sei die höchste Autorität. 1520 schrieb er drei berühmte Schriften, in denen er die Macht des Papstes, einen Großteil der Sakramente und die Vorrechte der Geistlichen in Frage stellte. Als der Papst ihm mit dem Kirchenbann drohte, verbrannte Luther das päpstliche Schreiben öffentlich. Im Januar 1521 wurde er aus der Kirche ausgeschlossen.

Worms und die Wartburg

Im April 1521 musste Luther auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. und den Fürsten des Reiches erscheinen. Er sollte seine Schriften widerrufen. Luther weigerte sich: Solange man ihn nicht mit der Heiligen Schrift widerlege, könne er nicht gegen sein Gewissen handeln. Die berühmten Worte „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ wurden ihm wahrscheinlich erst später in den Mund gelegt. Im Wormser Edikt verhängte der Kaiser die Reichsacht über Luther: Jeder durfte ihn nun gefangen nehmen oder töten.

Doch sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, schützte ihn. Er ließ Luther auf der Rückreise zum Schein überfallen und heimlich auf die Wartburg bei Eisenach bringen. Dort lebte Luther als „Junker Jörg“ und übersetzte in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Seine Bibelübersetzung prägte die deutsche Schriftsprache entscheidend.

Die Grundgedanken der Reformation

  • Allein durch den Glauben (sola fide): Der Mensch wird durch den Glauben gerettet, nicht durch gute Werke oder Ablässe.
  • Allein durch die Gnade (sola gratia): Die Erlösung ist ein Geschenk Gottes, das man sich nicht verdienen kann.
  • Allein die Schrift (sola scriptura): Die Bibel ist die einzige Richtschnur für den Glauben, nicht Papst oder Tradition.
  • Priestertum aller Getauften: Alle Christen sind vor Gott gleich; Geistliche haben keinen höheren Rang.

Die Reformation breitet sich aus

Viele Städte und Fürsten schlossen sich der neuen Lehre an. Die Messe wurde auf Deutsch gefeiert, Klöster wurden aufgelöst, Priester heirateten. Luther selbst heiratete 1525 die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Im selben Jahr stellte er sich im Bauernkrieg gegen die aufständischen Bauern. 1529 protestierten evangelische Fürsten auf dem Reichstag zu Speyer gegen Beschlüsse gegen die Reformation – daher kommt die Bezeichnung „Protestanten“. 1530 legten sie dem Kaiser mit dem Augsburger Bekenntnis, verfasst von Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon, ihren Glauben dar. 1534 erschien die vollständige Lutherbibel.

Luther starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben. Zu seinem Bild gehört auch eine dunkle Seite: In seinen späten Jahren schrieb er Hetzschriften gegen die Juden, die später von Antisemiten, auch von den Nationalsozialisten, missbraucht wurden.

Die Folgen

Nach Jahren politischer und kriegerischer Auseinandersetzungen einigten sich Kaiser und Fürsten 1555 im Augsburger Religionsfrieden. Er legte fest: Der Landesherr bestimmt die Religion seiner Untertanen. Später fasste man diese Regel in die Formel cuius regio, eius religio („wessen Land, dessen Religion“). Deutschland war damit dauerhaft konfessionell gespalten. Neben Luther wirkten andere Reformatoren wie Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf. Die katholische Kirche reagierte mit eigenen Reformen auf dem Konzil von Trient. Die religiösen Gegensätze führten im 16. und 17. Jahrhundert zu Konflikten und Kriegen, allen voran zum Dreißigjährigen Krieg.

Aufgaben

  1. Erstelle eine Zeitleiste zu Luthers Leben von 1483 bis 1546.
  2. Erkläre, was ein Ablass ist und warum Luther ihn kritisierte.
  3. Erläutere, welche Rolle der Buchdruck und die Fürsten für den Erfolg der Reformation spielten.

Quellen