Die Mongolen in Europa

Eine ausführliche Bearbeitung des Themas erfolgt in meinem Essay „Die abendländische Sicht auf die Mongolen im 13. Jahrhundert“.
https://histopro.wordpress.com/2013/05/30/die-abendlandische-sicht-auf-die-mongolen-im-13-jahrhundert-2/

Es folgen der Verfassertext, die Quellenzusammenstellung und die Arbeitsaufträge der ersten Mongolen-Unterrichtsstunde zur Leitfrage „Wie kam es zu den großflächigen Eroberungen der Mongolen im Mittelalter?“
Die Materialzusammenstellung (als Arbeitsblatt) wurde vom Autor dieses Weblogs im Jahre 2010 im Rahmen einer Seminararbeit erstellt. Die Karte und die Bilder werden hier nicht präsentiert.

Die Mongolen im Mittelalter

Die Mongolen lebten ursprünglich als Hirtennomaden in der nordöstlichen Steppe der heutigen Mongolei. Der junge Temüdschin („der Schmied“) konnte 1190 durch geschickte Diplomatie und Einsatz von Gewalt alle mongolischen Stämme einigen. Er wurde 1206 zum Großkhan der Mongolen gewählt und erhielt den Herrschernamen Dschingis Khan („ungestümer Herrscher“).
Bis 1209 konnte er alle umliegenden Nomadenvölker unterwerfen. Der Khan führte die Allgemeine Wehrpflicht ein und formte eine Armee, die streng auf das Prinzip der Disziplin aufbaute. Nach Einführung der uigurischen Schrift, ließ er die Jassa, das erste geschriebene Gesetzbuch der Mongolei verfassen, das neue soziale Regeln aufstellte. In dieser neuen Gesellschaft waren nicht Abstammung oder Religion ausschlaggebend für den persönlichen Erfolg, sondern Leistung und Loyalität. Das mongolische Reich war geprägt von einer starken Zentralgewalt und nahm die unterworfenen Völker auf, um von deren Wissen zu profitieren. Während die Mongolen den Krieg in die Welt trugen, herrschte Frieden und Ordnung im mongolischen Reich. 1227 starb Dschingis Khan.
Unter seinem Nachfolger Ögedei Khan konnten die Mongolen nicht nur Nordchina erobern, sondern fielen von 1235 in Europa ein. Der „Mongolensturm“ verwüstete weite Teile Russlands, Ungarns, Polens und der Ukraine und kam zum Ende, als sich die Krieger nach dem Tod Ögedeis 1241 zur Wahl des neuen Großkhans in die Mongolei zurückzogen. Bis dahin hatten die Horden die Grenzen des heutigen Deutschlands erreicht.
Unter den Nachfolgern Ögedeis breitete sich das mongolische Reich weiter aus. Bis 1368 beherrschten sie sogar ganz China. Durch die Eroberung von einer Vielzahl an verschiedenen Kulturen nahmen die Mongolen in den verschiedenen Teilen des Reichs ihrerseits die eroberte Kulturen und Religionen an. Dadurch kam es zur Spaltung und zum stufenweisen Niedergang des Reichs bis ins 17. Jahrhundert.

Q1 Aus der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ (1240):
„Alle Menschen lebten in Feindschaft miteinander. Sie kamen nicht in ihre Betten, sondern raubten sich gegenseitig die Habe. Das ganze Volk war im Aufstand. Die Menschen lagen nicht friedlich in ihren Kissen, sondern bekriegten sich gegenseitig. In einer solchen Zeit konnte man nicht nach Wunsch leben. Man war vielmehr immer zum Kampf gezwungen. Man lebte nicht in Liebe sondern in gegenseitigem Umbringen.“

Q2 Aus Plano del Carpinis „Kunde von den Mongolen“ (1247):
„Mit Worten streiten sie selten oder nie miteinander, handgreiflich aber nie. Kriege, Streitigkeiten, Morde geschehen unter ihnen niemals […]. Einer ehrt den anderen nicht wenig, und untereinander sind sie recht vertraulich miteinander, und sie teilen ihre Nahrung, auch wenn sie wenig haben, doch gerecht untereinander auf.“

Q3 Juvainis „Historie des Welteroberers“ (1259) über Dschingis Khan in Balkh, Afghanistan:
„Er befahl, dass die Leute von Balkh, ob hoch oder niedrig, in großen oder kleinen Gruppen aus der Stadt in die Ebene getrieben wurden, um dem Brauch entsprechend in Mengen von hundert oder tausend eingeteilt durch das Schwert zu sterben, so dass auch nicht die Spur von Leben blieb. Noch lange haben sich die wilden Tiere an ihrem Fleisch sattgefressen.“

1. Vergleiche die Quellen Q1 und Q2 miteinander. Q1 beschreibt die Situation der
Mongolen vor Dschingis Khans Herrschaft, Q2 die Situation während seiner Herrschaft. Was hatte sich verändert und welche Gründe vermutest Du für die Veränderungen?

2. Die Karte M2 zeigt das mongolische Reich bei seiner größten Ausdehnung. Welche heutigen Länder kannst du erkennen? Mit welchen Kulturen und Religionen kamen die Mongolen bei ihren Eroberungen wahrscheinlich in Kontakt?

3. Vergleiche M2 und Q3 mit dem Text auf der linken Seite. Skizziere welche Gründe es für die militärische Stärke der mongolischen Armee gab. Warum konnten die Mongolen das größte Landreich der Geschichte (27.000.500 km²) errichten?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter VI. Identität und Alterität in Europa veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.