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Die Kelten – Ein Volk der Eisenzeit

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Viele kennen die Kelten vor allem aus den Asterix-Comics: ein kleines gallisches Dorf, ein Zaubertrank und viel Ärger mit den Römern. Doch wer waren die Kelten wirklich? Sie gehören zu den ältesten namentlich bekannten Bevölkerungsgruppen nördlich der Alpen und prägten Mitteleuropa während der Eisenzeit über viele Jahrhunderte. Auch in Süddeutschland haben sie zahlreiche Spuren hinterlassen.

Die Eisenzeit – eine neue Epoche

Die Vorgeschichte Europas teilt man in drei große Abschnitte ein: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Benannt sind sie nach dem wichtigsten Werkstoff ihrer Zeit. In Mitteleuropa begann die Eisenzeit um 800 v. Chr. Eisen hatte gegenüber Bronze einen großen Vorteil: Eisenerz kam fast überall vor, während man für Bronze Kupfer und Zinn brauchte, die oft von weit her geholt werden mussten. Aus Eisen ließen sich härtere Werkzeuge und Waffen herstellen – Pflugscharen, Äxte und Schwerter.

Die Archäologen unterscheiden in Mitteleuropa zwei Phasen der Eisenzeit, die nach berühmten Fundorten benannt sind:

  • Hallstattzeit (ca. 800–450 v. Chr.): benannt nach einem großen Gräberfeld bei Hallstatt in Österreich, wo seit Langem Salz abgebaut wurde.
  • Latènezeit (ca. 450 v. Chr. bis um Christi Geburt): benannt nach einem Fundort am Neuenburger See in der Schweiz.

Ein Volk – oder viele Stämme?

Den Namen „Kelten“ (griechisch Keltoi) haben ihnen die Griechen gegeben, die Römer nannten sie meist Gallier. Wichtig ist: Die Kelten waren kein einheitliches Volk mit einem gemeinsamen Staat oder König. Sie lebten in vielen verschiedenen Stämmen, die ähnliche Sprachen sprachen und eine ähnliche Kultur, Kunst und Religion hatten. Diese Stämme arbeiteten manchmal zusammen, kämpften aber oft auch gegeneinander.

Ihr Kerngebiet lag zwischen Ostfrankreich, Süddeutschland und Österreich. Von dort breiteten sie sich weit aus: nach Frankreich, Spanien, auf die Britischen Inseln, nach Norditalien und entlang der Donau bis nach Kleinasien in der heutigen Türkei. Um 250 v. Chr. reichten keltische Siedlungsgebiete vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer.

Woher wissen wir etwas über die Kelten?

Die Kelten haben selbst keine Geschichtsbücher geschrieben. Wir sind deshalb auf zwei Arten von Quellen angewiesen:

  • Archäologische Funde: Gräber, Siedlungsreste, Münzen, Schmuck und Waffen.
  • Berichte von Griechen und Römern: Der wichtigste stammt von Gaius Julius Caesar, der Gallien eroberte und darüber ein Buch schrieb („Der Gallische Krieg“).

Bei den schriftlichen Quellen musst du vorsichtig sein: Sie wurden von Fremden verfasst, oft von Feinden. Caesar wollte seine Eroberung rechtfertigen und stellte die Gallier deshalb gerne als wild und gefährlich dar. Die Griechen und Römer nannten die Kelten „Barbaren“ – ein Wort für alle, die nicht ihre Sprache sprachen.

Fürsten und Prunkgräber

In der späten Hallstattzeit entstanden sogenannte Fürstensitze auf Anhöhen. Der bekannteste in Deutschland ist die Heuneburg an der oberen Donau in Baden-Württemberg. Ihre Bewohner umgaben sie sogar mit einer Mauer aus Lehmziegeln nach dem Vorbild von Städten am Mittelmeer. Das zeigt, wie eng die Kontakte zu Griechen und Etruskern waren.

Die Anführer wurden in großen Grabhügeln mit kostbaren Beigaben bestattet. Im Fürstengrab von Hochdorf bei Stuttgart fanden Archäologen einen Toten auf einer bronzenen Liege, mit Goldschmuck, einem Wagen und einem riesigen Kessel aus Griechenland. Am Glauberg in Hessen entdeckte man eine lebensgroße Steinfigur eines keltischen Fürsten. Solche Funde zeigen: Die keltische Gesellschaft war klar gegliedert, mit einer reichen Oberschicht an der Spitze.

Die ersten Städte nördlich der Alpen

In der späten Latènezeit gründeten die Kelten große befestigte Siedlungen, die die Römer Oppida nannten (Einzahl: Oppidum). Man kann sie als die ersten Städte nördlich der Alpen bezeichnen. Das Oppidum von Manching in Bayern hatte eine rund sieben Kilometer lange Mauer, und dort lebten wohl mehrere Tausend Menschen. In den Oppida arbeiteten Handwerker, es gab Märkte, und die Kelten prägten eigene Münzen.

Wirtschaft, Handwerk und Glaube

Die meisten Kelten waren Bauern und Viehzüchter. Daneben gab es geschickte Handwerker: Schmiede, Töpfer, Glasmacher und Goldschmiede. Die Kelten bauten Salz und Eisenerz ab und handelten weit über ihre Gebiete hinaus. Ihre Kunst ist berühmt für geschwungene Muster, Spiralen und Tiermotive.

Über ihre Religion wissen wir nur wenig. Die Kelten verehrten viele Götter, und heilige Orte lagen oft in der Natur: an Quellen, Seen oder in Hainen. Eine wichtige Rolle spielten die Druiden. Laut Caesar waren sie Priester, Richter und Lehrer zugleich. Ihr Wissen gaben sie nur mündlich weiter.

Kelten und Römer

Die Kelten waren gefürchtete Krieger. Nach der Überlieferung eroberten und plünderten keltische Krieger um 387 v. Chr. sogar die Stadt Rom. Später drehte sich das Blatt. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer ein keltisches Gebiet nach dem anderen. Caesar unterwarf zwischen 58 und 51 v. Chr. ganz Gallien. Der gallische Anführer Vercingetorix leistete heftigen Widerstand, musste sich aber 52 v. Chr. bei Alesia ergeben. Wenig später gerieten auch die keltischen Gebiete in Süddeutschland und im Alpenraum unter römische Herrschaft. Von Norden drängten zudem germanische Stämme vor.

Was von den Kelten blieb

Die Kelten verschwanden nicht einfach, sondern vermischten sich mit Römern und Germanen. In Irland, Schottland, Wales und der Bretagne werden bis heute keltische Sprachen gesprochen. Auch viele Orts- und Flussnamen in Deutschland haben keltische Wurzeln, zum Beispiel wahrscheinlich die Namen von Rhein und Donau.

Fazit

Die Kelten waren kein einheitliches Volk, sondern viele Stämme mit gemeinsamer Kultur. Sie beherrschten die Eisenverarbeitung, trieben weiten Handel, bauten die ersten Städte nördlich der Alpen und schufen eindrucksvolle Kunstwerke. Weil sie keine eigenen Schriftquellen hinterließen, verdanken wir unser Wissen vor allem der Archäologie – und den oft einseitigen Berichten ihrer Gegner. Wer die Kelten verstehen will, muss daher genau prüfen, woher eine Information stammt.

Quellen