Die Kelten – ein Volk der Eisenzeit

Die Kelten sind laut Alexander Demandt das älteste namentlich bekannte Volk nördlich der Alpen. In den lateinischen und griechischen Quellen der Antike sind sie mal als „Galli“, mal als „Keltoi“, mal als „Galatai“ benannt. All diese Namen bezeichnen ein Volk, dass sich in der Eisenzeit als die erste Hochkultur im Norden Europas durchgesetzt hat und seinen Siedlungsbereich von Irland im Norden bis in die heutige Türkei im Südosten ausgedehnt hat.

Den meisten Schüler/innen sind die Kelten als Gallier aus den Abenteuern von Asterix und Obelix bekannt. Hier sind sie dank eines Zaubertranks unbesiegbar und müssen sich gegen aggressive römische Invasoren wehren. Die Comics stellen zwar viele Aspekte über das Leben der Gallier verklärt dar, sie geben aber auch einen guten Einblick in einige Lebensweisen der Kelten im Allgemeinen.

Überraschend ist für uns heute, dass sich die Kelten in so einem großen Siedlungsraum in Europa so schnell und erfolgreich ausdehnen konnten. Auch wenn die Kelten heute als Volk nicht mehr existieren, geschah diese Ausbreitung so nachhaltig, dass Europa bis heute vom keltischen Kulturgut beeinflusst wird. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie es den Kelten gelungen ist, sich so erfolgreich auszubreiten, bis die Übermacht der römischen „Zivilisation“ sie nach und nach verdrängte (oder eher „in sich auf nahm“ / assimilierte).

Dafür sollten wir uns die Kultur der Kelten genauer ansehen:

Die Religion der Kelten ist für Archäologen und Historiker immer noch ein spannendes Forschungsfeld. Die Kelten glaubten an mehrere Götter, was heute als Polytheismus bezeichnet wird. Die römischen Quellen berichten von Druiden, die wie in den Asterix-Comics als Priester und gleichzeitig als Heiler fungierten. Die Druiden bildeten eine eigene Kaste bei den Kelten und genossen hohes Ansehen. Aus ihrer Mitte wählten sie einen führenden Druiden, der in religiösen Fragen Entscheidungen fällen konnte. Die religiösen Stätten der Kelten waren wie bei den Germanen die Haine, in denen wichtigste Feldzeichen, Trophäen und religiöse Kultgegenstände aufbewahrt wurden. Gräber wurden bei den Kelten schon früh mit Grabbeigaben versehen, die auf ein festen Glauben an das Jenseits schließen lassen können. Hügelgräber mit großen Steinblöcken waren nicht die Norm, sondern waren für Adlige und Druide vorgesehen. Die Religion der Kelten beinhaltete auch Tieropfer und, dies lässt sich in Schriftquellen und durch Ausgrabungen bestätigen, Menschenopfer. Im Glaube der Kelten musste den Göttern für erfolgreiche Leben im Diesseits wiederum Menschen im Tausch geopfert werden. Meistens handelte es sich dabei um Gefangene und Verbrecher, manchmal wurden anscheinend aber auch Freiwillige oder Unschuldige geopfert. Archäologen glauben auch Beweise für Massentötungen gefunden zu haben.

Über die Behausungen der Kelten gibt es weit weniger Informationen. Klar ist, dass die meisten Kelten in mit Palisaden bewehrten Dörfern wohnten, die einen zentralen Platz vor dem Haus des Häuptlings hatten. In den Quellen nennen römische Schriftsteller auch große Siedlungen, von diesen „oppidum“ genannnt, die durchaus mit kleineren römischen Städten verglichen werden konnten. In Gallien selbst dürfte Alesia das wichtigste Oppidum gewesen sein. Diese Siedlungen waren stark verteidigt und schützten einen großen Marktplatz, sowie Siedlungsraum für tausende von Menschen.

Die Kelten nutzten ihre Marktplätze für einen ausgedehnten Handel. Salz, Felle, Schmuck, Holz und Nahrungsmittel waren wahrscheinlich wichtige Handelswaren. Die Kelten hatten, wie jede Hochkultur der Antike, ein eigenes Münzsystem, was ihren Handel besonders effektiv machte. Ihr Handel war aber vor allem deshalb so erfolgreich, weil die Kelten als eines der ersten Völker die Verarbeitung von Eisen zu Waffen und Werkzeug beherrschten und diese Produkte überall sehr begehrt waren. Außerdem war der Handel mit Reit- und Nutzpferden wohl sehr einträglich.

Was die Kelten von anderen Hochkulturen negativ abgrenzte war das lange Fehlen einer eigenen Schrift. Dies erschwert Historikern nicht nur heute die Erforschung der Kelten, da es nur griechische und römische Texte über die antiken Kelten gibt. Das Fehlen einer eigenen Schrift erschwerte den Kelten auch die effektive Verwaltung ihrer Gebiete. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, dass den Kelten nie der Aufbau größerer zusammenhängender Reiche gelang.

Besondere zivilisatorische Leistungen erzielten die Kelten im Bereich der Schmiedekunst. Wie oben erwähnt, gelang den Kelten bereits sehr früh der Abbau, die Schmelze und das Schmieden von Eisenerz. Keltische Eisenwaffen und -werkzeuge waren in der antiken Welt sehr begehrt. Archäologen haben Eisenschwerter aus keltischer Produktion selbst in Gräbern in der russischen Steppe oder in Kleinasien nachgewiesen. Die Schwerter der Kelten dürften ihnen bis zum Gallischen Krieg des Gaius Julius Caesar im 1. Jahrhundert v. Chr. gegen die meisten gegnerischen Völker einen entscheidenden Vorteil gegeben haben. Das Eisenhandwerk sowie das erfolgreiche Wirtschaftssystem (Münzsystem) der Kelten dürften der Grund für die weite Verbreitung der keltischen Kultur in der Antike sein.

Erst die Römer unter Caesar konnten die Kelten erfolgreich bezwingen und ihnen nach und nach ihre eigene Kultur aufzwingen. Der Brutalität Caesars und der effektiveren Verwaltung und Militärmaschinerie der Römer hatten die Gallier letztlich nichts mehr entgegenzusetzen. So kämpften in den Schlachten des Gallischen Kriegs die gallischen Kämpfer immer noch hauptsächlich mit freiem Oberkörper und kaum durch Rüstung geschützt, während die Römer bestens ausgerüstet und taktisch sowie strategisch perfekt vorgingen.

In Gallien verschmolzen nach dem Krieg keltische und römische Kultur zu einer gallorömischen Kultur, aus der sich nach dem Eroberungszug der Franken im Frühmittelalter allmählich die französische Kultur und Sprache entwickeln sollte.

Zum Weiterlesen empfiehlt sich diese tolle Einführung von Alexander Demandt:
Demandt, Alexander: Die Kelten, München 2011.

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