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Chlodwig und das Frankenreich

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Nach dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahr 476 entstanden auf seinem Boden mehrere germanische Königreiche. Die meisten von ihnen verschwanden schon nach wenigen Jahrzehnten wieder. Ein Reich aber hatte Bestand und wurde zum mächtigsten Staat Westeuropas: das Frankenreich. Sein Begründer war ein junger König namens Chlodwig. Seine wichtigste Entscheidung war nicht eine Schlacht, sondern eine Taufe.

Wer waren die Franken?

Die Franken waren ein Zusammenschluss germanischer Gruppen, die ursprünglich am Niederrhein lebten. Schon im 4. und 5. Jahrhundert dienten viele von ihnen als Verbündete und Soldaten im römischen Heer. Nach und nach siedelten sie im Norden Galliens, dem heutigen Belgien und Nordfrankreich. Dort herrschten mehrere fränkische Kleinkönige nebeneinander.

Chlodwigs Aufstieg

Chlodwig wurde um 466 geboren. Er gehörte zur Familie der Merowinger, benannt nach einem sagenhaften Vorfahren namens Merowech. Sein Vater Childerich war König in Tournai. Nach dessen Tod übernahm Chlodwig 481/482 im Alter von etwa 15 oder 16 Jahren die Herrschaft.

Chlodwig war ehrgeizig und skrupellos. Seine wichtigsten Erfolge im Überblick:

  • 486/487: Sieg bei Soissons über Syagrius, den letzten römischen Machthaber in Gallien.
  • um 496: Sieg über die Alamannen, der Überlieferung nach bei Zülpich.
  • um 498: Taufe in Reims.
  • 507: Sieg über die Westgoten unter König Alarich II. bei Vouillé. Damit gewann er große Teile Südwestgalliens.
  • bis 511: Ausschaltung aller anderen fränkischen Kleinkönige, oft durch List und Mord.

Paris machte Chlodwig zum Mittelpunkt seines Reiches. Als er 511 starb, beherrschte er fast das gesamte Gebiet des heutigen Frankreichs und Teile Westdeutschlands.

Die Taufe Chlodwigs

Unsere wichtigste Quelle über Chlodwig ist der Bischof Gregor von Tours, der etwa 80 Jahre nach Chlodwigs Tod eine Geschichte der Franken schrieb. Er erzählt eine berühmte Geschichte: Chlodwig war mit Chrodechild verheiratet, einer burgundischen Prinzessin, die katholische Christin war. Sie drängte ihren Mann immer wieder, sich taufen zu lassen, doch Chlodwig blieb bei den alten germanischen Göttern. In der Schlacht gegen die Alamannen geriet sein Heer dann in große Bedrängnis. Da soll Chlodwig zum Gott seiner Frau gebetet und versprochen haben, sich taufen zu lassen, wenn er siege. Er gewann die Schlacht – und hielt sein Versprechen.

An einem Weihnachtsfest, wahrscheinlich um 498, ließ sich Chlodwig von Bischof Remigius in Reims taufen. Mit ihm sollen sich rund 3000 seiner Krieger haben taufen lassen. Das genaue Jahr ist in der Forschung umstritten; genannt werden 496, 497, 498 oder 499.

Bei dieser Geschichte solltest du aufmerksam sein: Gregor war selbst Bischof und wollte Chlodwig als von Gott erwählten Herrscher darstellen. Die Erzählung erinnert außerdem stark an die Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin, der vor einer Schlacht ein christliches Zeichen gesehen haben soll. Historiker vermuten deshalb, dass Gregor die Geschichte ausgeschmückt hat. Wahrscheinlich hatte Chlodwig vor allem politische Gründe für seine Entscheidung.

Warum war die Taufe so wichtig?

Um die Bedeutung zu verstehen, muss man wissen: Die meisten anderen germanischen Könige, etwa die Goten und die Vandalen, waren zwar ebenfalls Christen, aber sie folgten dem Arianismus. Diese Glaubensrichtung sah Jesus nicht als gleichrangig mit Gott an und galt der katholischen Kirche als Irrlehre. Die einheimische, römisch geprägte Bevölkerung Galliens und ihre Bischöfe waren dagegen katholisch. Zwischen den germanischen Herrschern und ihren Untertanen stand also eine Glaubensgrenze.

Chlodwig entschied sich bewusst für den katholischen Glauben. Das hatte große Vorteile:

  • Er gewann die Unterstützung der mächtigen Bischöfe, die in den Städten oft die wichtigsten Anführer waren.
  • Franken und Gallorömer teilten nun denselben Glauben. So konnten beide Gruppen leichter zusammenwachsen.
  • Seine Kriege gegen die arianischen Westgoten konnte er als Kampf für den wahren Glauben darstellen.
  • Es entstand eine enge Verbindung zwischen dem fränkischen Königtum und der Kirche in Rom, die das ganze Mittelalter prägen sollte.

Wie regierte Chlodwig?

Chlodwig verband germanische und römische Traditionen. Er übernahm Teile der römischen Verwaltung und arbeitete mit der gebildeten gallorömischen Oberschicht zusammen. Gleichzeitig ließ er das Recht der Franken aufschreiben: die Lex Salica. Sie regelte zum Beispiel, wie viel Wergeld (Bußgeld) bei Diebstahl oder Körperverletzung zu zahlen war. Die unterworfenen Völker durften meist ihr eigenes Recht behalten.

Nach Chlodwig: Teilungen und Hausmeier

Nach germanischem Brauch wurde das Reich nach Chlodwigs Tod unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Solche Teilungen wiederholten sich immer wieder und führten zu blutigen Familienkämpfen. Im Laufe der Zeit verloren die Merowingerkönige an Macht. Die eigentliche Regierung übernahmen die Hausmeier, die obersten Verwalter des Königshofes. Einer von ihnen, Pippin der Jüngere, setzte 751 den letzten Merowinger ab und ließ sich selbst zum König erheben. Damit begann die Herrschaft der Karolinger, deren berühmtester Vertreter Pippins Sohn Karl der Große war.

Fazit

Chlodwig vereinte die Franken, besiegte seine Rivalen und schuf das größte Reich im Westen Europas. Seine katholische Taufe war eine kluge politische Entscheidung: Sie verband Franken und Gallorömer und machte die Kirche zur Verbündeten des Königs. Damit legte Chlodwig den Grundstein für das Frankenreich, aus dem später Frankreich und Deutschland hervorgingen. Kein Wunder, dass sein Name weiterlebt: Aus „Chlodwig“ wurde „Ludwig“, und in Frankreich wurde daraus „Louis“ – der Name vieler französischer Könige.

Quellen