Der Peloponnesische Krieg

Der Peloponnesische Krieg (431 – 404 v. Chr.)

1. Die Quellen

– Thukydides: „Der Peloponnesische Krieg“ für die Zeit bis 411 v. Chr.
=> Anspruch die „Wahrheit“ aufzuschreiben, nicht zu rhetorischem Zweck; sein
Werk als „Besitz für immer“
=> reiste, um Informationen zu sammeln; war aus Athen verbannt
=> auxisis: Übertreibung der Wichtigkeit des Krieges gegenüber allen vorigen

– Xenophon: „Hellenika“ für die Zeit ab 411 v. Chr.
=> nüchtern-klare Sprache, ohne das Niveau des Thukydides zu erreichen

– Plutarch („Alkibiades“) / Diodor / Cornelius Nepos und andere antike Historiker

– Komödien / Tragödien: Aristophanes („Die Vögel“), Euripides (Kriegsstücke)

2. Die Auslöser und Ursachen des Krieges

Paradoxe Grundsituation:
– Demokratisches Athen, Delisch-Attischer Seebund, Seemacht, 16.000 Hopliten, Unterwerfung der Poleis in der Ägäis
– Oligarchisches Sparta, Peloponnesischer Bund, Landmacht, über 40.000 Hopliten, als Freiheitsgarant der einzelnen Poleis angesehen

-> führte bereits zum „Ersten Peloponnesischen Krieg“ (457 – 445 v. Chr.)

Auslöser des Krieges:
das militärische Eingreifen Athens auf Seiten von Korkyra
Belagerung von Poteidaia
Seehandelsverbot gegen Megara (megarisches Psephisma)

Thukydides zu den Ursachen:
Unaufhaltsamer Machtaufstieg Athens habe einen „Präventivschlag“ Spartas heraufbeschworen.

Ursachen waren aber auch:
– Kompromissloser Wille der Athener auf den Machterhalt des Seebundes zu bestehen
– Verfestigung einer machtpolitisch bipolaren Welt seit 446 verstärkte die Wirkung von Nachbarschaftsstreits und provozierten Hegemonialmächte
– Kalkül des Perikles, oppositionelle Kräfte innerhalb der Stadt durch einen großen Krieg zu schwächen
Innenpolitisches und militärisches Profilierungsstreben der jüngeren Generationen Athens und Spartas

3. Periodisierung

a. Archidamischer Krieg (431 – 421 v. Chr.)

Strategie der Athener (Perikles):
Vermeidung einer Auseinandersetzung an Land, Rückzug hinter die Langen Mauern in Athen und Angriff der Küstenstädte der Peloponnes durch die Flotte.

Strategie der Peloponnesier (Archidamos II.):
Zermürbungsstrategie mit Verwüstung Attikas, finanzielle Schwächung Athens durch Abfall ihrer Bündnispartner und hohen Unterhalt der Flotte

430 v. Chr. erstmaliges Auftreten der „Seuche“ in Athen aufgrund hyg. Zustände
429 v. Chr. starb Perikles an der Seuche
425 v. Chr. eroberte Demosthenes für Athen die Küstenstadt Pylos (Peloponnes)
setzte Kleon die spartanische Kampfelite auf Sphakteria fest
424 v. Chr. Niederlage der Athener in der Schlacht von Delion
darauf erfolgreiche Aktionen des Brasidas zur Schwächung Athens
422 v. Chr. Schlacht von Amphipolis; Tod der Aggressoren Kleons und Brasidas

b. Nikias-Friede und Ausbau der Herrschaft (421 – 416 v. Chr.)

Thukydides beschrieb den Frieden als unsicheren Waffenstillstand:
421 v. Chr. Friede des Nikias (status quo ante). Defensivbündnis Athen u. Sparta
420 v. Chr. Quadrupelallianz (Athen, Argos, Elis, Mantineia)
418 v. Chr. Sieg der Spartaner über die Quadrupelallianz bei Mantineia
416 v. Chr. Untergang von Melos (neutral)

=> durch Alkibiades aggressive Außenpolitik
=> konsequente Beaufsichtigung der Bündner in einem Herrschaftsapparat

Scheitern des Friedens, weil
– die Interessen der Bündnispartner Spartas nicht berücksichtigt waren
– günstiger Friede zu übersteigertem Selbstbewusstsein der Athener führte

c. Sizilienexpedition (416 – 413 v. Chr.)

416 v. Chr. Gesandtschaft von Segesta bittet um Hilfe gegen Syrakus
415 v. Chr. Hermenfrevel und Ausfahrt der athenischen Flotte nach Sizilien
414 v. Chr. Eingreifen des Gylippos
413 v. Chr. Besetzung Dekeleias durch die Spartaner
Katastrophale Niederlage der Athener in Sizilien

=> Sizilienexpedition sollte Getreideimporte zu den Peloponnesiern verhindern
und syrakusischen Einfluss mindern; psychol. wichtiges Großunternehmen
=> Nikias für perikleische Linie der schrittweisen Machtkonsolidierung
=> Alkibiades für Expedition, setzte sich durch weil er Gewinnsucht anstachelte
=> 45.000 Athener und Bundesgenossen verloren ihr Leben, Exekution d. Nikias

d. Ionisch-Dekeleischer Krieg (413 – 404 v. Chr.)

Hauptmerkmale des Ionisch-Dekeleischen Kriegs:
– Permanente Verlagerung des Krieges nach Attika (Epiteichismos)
– Beteiligung Persiens als Rache für ath. Unterstützung von Dissidenten
– Spartas Krieg auf dem Meer; Zerstörung der Versorgung Athens
– Ausschlagen von Friedensangeboten an Athen / politische Instabilität

412 v. Chr. Vertrag Spartas mit Persien (Alkibiades als Initiator)
411 v. Chr. Diktatur der 400 / Herrschaft der 5000 (Flotte vor Samos dagegen)
410 v. Chr. Wiederherstellung der Demokratie in Athen und Siege in den Seeschlachten um den Hellespont
406 v. Chr. Sieg der Athener bei den Arginusen / Arginusenprozess
405 v. Chr. Niederlage der Athener bei Aigospotamoi
404 v. Chr. Kapitulation Athens, Schleifung der Langen Mauern

4. Die Folgen des Krieges

Hoffnung auf Frieden in der griechischen Poliswelt:
„Nach der Annahme der Friedensbedingungen fuhr Lysander in den Peiraios ein, die Verbannten kehrten zurück, und man begann mit Freude, die Mauern unter der Begleitmusik von Flötenspielerinnen einzureißen, weil man glaubte, dass mit jenem Tag der Anfang der Freiheit für Hellas begonnen habe.“
Xenophon, Hellenika, 2,3,23.

Der Peloponnesische Krieg führte zu
– einer endgültigen Destabilisierung des politisch-militärischen Gleichgewichts in der griechischen Welt; permanenter Kriegszustand
– einem durch eigene Zusagen notwendig gewordenen Krieg Spartas gegen das persische Reich (Königsfrieden von 386 v. Chr.)
– einer Erhebung Spartas zum Hegemon, einer Rolle der es wegen ihres Systems nicht gewachsen war => auf lange Sicht Makedonien
– einem vorübergehenden Abfallen Athens in die Bedeutungslosigkeit. Die athenische Demokratie sollte sich allerdings als langlebig erweisen

Literatur:
Bleckmann, Bruno: Der Peloponnesische Krieg, München 2007.
Funke, Peter: Athen in klassischer Zeit, München 2003.
Kagan, Donald: The Peloponnesian War, New York 2003.
Rhodes, Peter J.: Thukydides and the Causes of the Peleponnesian War, Hermes 115 (1987), 154-165.
Schulz, Raimund: Athen und Sparta, Darmstadt 2005.

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