Buchrezension: „Wie Krankheiten Geschichte machen“ von Ronald D. Gerste

Buchrezension: „Wie Krankheiten Geschichte machen“ von Ronald D. Gerste

In unserem Geschichtsunterricht treffen wir immer wieder auf
Krankheiten besonderer historischer Persönlichkeiten oder ganzer
Bevölkerungsgruppen, die den Lauf der Geschichte veränderten.

So diskutierte meine sechste Klasse erst vor wenigen Wochen mit mir
über die rätselhafte Krankheit, die den großen Eroberer Alexander den
Großen von Makedonien dahingerafft haben mag. War es eine Grippe, eine
alkoholbedingte Krankheit oder eine gänzlich unbekannte Krankheit, die
das Leben des größten Generals der Antike nach nur 35 Jahren beendet hat?

Besonders fatal mag sich der relativ frühe Tod Friedrich Eberts 1925
auf die deutsche Geschichte ausgewirkt haben. In meinen neunten Klassen
wurde allen klar, dass mit seinem Tod und der Reichspräsidentschaft des
entschiedenen Anti-Demokraten Hindenburg eine neue Gefahr für die noch junge
Weimarer Republik zu entstehen begann.

Oder welche Wendung hätte wohl die deutsche Geschichte genommen,
wenn der schwere Raucher Friedrich III. 1888 nicht nach nur 99 Tagen
an der Macht an Kehlkopfkrebs gestorben wäre? Laut meines Neigungskurses
wäre Deutschland zumindest für einige Jahre ein Kaiser Wilhelm II.
erspart geblieben, der danach seinerseits mit einer ganz eigenen
Krankheitsgeschichte entscheidend in das politische Geschehen des
Kaiserreichs eingegriffen hat.

Krankheiten der Mächtigen sind stets Entscheidungsfaktoren in der
Geschichte gewesen. Diesen Einfluss hat der Historiker und Arzt
Ronald D. Gerste nun in seinem neuen Buch
„Wie Krankheiten Geschichte machen“ untersucht.

Mit seinem spannenden Schreibstil und einer sehr anschaulichen und
einem teilweise humorvollen Ansatz gelingt es Gerste in 27 Kapiteln
abwechslungsreiche Schlaglichter auf die unterschiedlichsten Krankheiten
zu legen. Besonders gerne habe ich die Kapitel über den „Cäsarenwahn“ der
römischen Kaiser, über die Gerontokratie der spätsowjetischen General-
sekretäre und die geheime (Patho-)Biographie John F. Kennedys gelesen.

Das Kapitel zu Alexander dem Großen hat mich in meiner Überzeugung
bestärkt, dass ihm sein übermäßiger Alkoholkonsum am Ende wohl zum
Verhängnis geworden ist. Die meisten meiner Schüler werden sich aber
sicherlich für die hypochondrische Natur Hitlers interessieren, ein
ebenfalls sehr lesenswertes Kapitel.

Das Buch „Wie Krankheiten Geschichte machen – Von der Antike bis heute“
von Ronald D. Gerste ist vor wenigen Tagen im Klett-Cotta-Verlag
erschienen und kann bei mir in der Geschichtssammlung ausgeliehen werden.

Das Buch kann unter der ISBN-Nummer 978-3-608-96400-4 bestellt werden.

Upload des Buchcovers mit Genehmigung des Klett-Cotta Verlags

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