„Ora et labora“ – Das Leben im mittelalterlichen Kloster (7. Klasse)

Leitfrage: Was bedeutet der lateinische Ausspruch „ora et labora“ im Zusammenhang mit dem Klosterwesen im Mittelalter?

– Im Mittelalter wurden Klöster von Menschen gegründet, welche eine Lebensweise nach dem Vorbild Jesu Christi angestrebt haben.

– Durch den Kontakt aller Klöster untereinander entstand eine gewisse „europäische Gemeinschaft“ der Christen.

Die Klosterregeln
– Benedikt von Nursia stellte Anfang des 6. Jahrhunderts allgemeine Regeln für das Leben in Klöstern auf. Diese Regeln verbreiteten sich schnell und wurden in vielen europäischen Klöstern angewandt.

4. Jahrhundert -> Errichtung der ersten Klöster
um 529 Benediktinerregeln durch Benedikt von Nursia (geb. um 480 n. Chr.) -> Gehorsam und Streben von zentraler Bedeutung
um 1098 Robert von Molesme (geb. 1027) -> unter Bernard de Clairvaux und Robert von Molesme erleben die Benediktinerregeln eine neue Blütezeit
um 1209 Franz von Assisi (geb. 1181) -> Leben nach dem Evangelium in Demut, Armut und Askese
um 1216 Dominikus (geb. 1170) -> Leben als Bettelmönch

Die Regeln in der Zusammenfassung:

Armut -> kein eigener Besitz, alles was man braucht, erhält man vom Abt (Vorsteher) des Klosters

Sesshaftigkeit -> alles Lebensnotwendige sollte innerhalb des Klosters sein

Gehorsam -> erster Schritt zur Demut ist Gehorsam gegenüber seinem Obersten

Gebete -> Gebete sieben Mal am Tag mit Fürbitten

Arbeit -> Müsiggang ist ein Feind der Seele => Beschäftigung in bestimmten Zeiten mit Handarbeit, Lehrtätigkeit, Erziehung, Wissenschaft, Abschreiben von Bibeln, Archivarbeit, Kräutergarten usw.

Lesung -> häufige Lesungen aus der Bibel, am Tisch sollen alle außer dem Leser schweigen

Gastfreundlichkeit -> alle Gäste werden wie Christus empfangen, Pilgern und Arme werden beherbergt und versorgt

Nachtruhe -> wenn möglich schlafen alle in einem Schlafsaal, man schläft bekleidet und mit Licht, um bei Signal direkt zum Chorgebet mit den Ältesten gehen zu können

Der Klosteraufbau

– Europäische Klöster waren meistens in einen weltlichen Bereich und einen geistlichen Bereich geliedert, wobei der geistliche Bereich (der mit dem Glauben zu tun hatte) im Zentrum der Klosteranlage stand. Der weltliche Bereich wurde um den geistlichen Bereich herum angeordnet.

– Weltliche Gebäude:

Küche, Bad, Schlafsaal, Apotheke, Gästehaus, Gästehaus für adlige Besucher, Hospital, Vorratskammer, Schulhaus, Haus für den Aderlass, Garten, Esssaal, Pilgerhaus, Haus des Abts

– Geistliche Gebäude und Gebäudeteile:

– Basilika (große Kirche mit Sakristei, Chor, „Ostparadies“), Friedhof, Kreuzgang, Novizenschule, Bibliothek, Schreibstube

– In der Bibliothek wurde das geistige und weltliche Wissen gelagert. Die dortigen Bücher wurden in der Schreibstube gepflegt, restauriert und vor allem von Mönchen abgeschrieben. Die Abschriften wurden mit kunstvollen Malereien und Schriftzügen verschönert. So wurde wichtiges Wissen aus früheren Zeiten durch die Klöster bewahrt und weiterverbreitet.

– Im Schulhaus und in der Novizenschule wurden Laien und junge Mönche gebildet. Lesen und Schreiben zu lernen war im Mittelalter ein Privileg, dass sich nur wenige Menschen leisten konnten. Mönche unterrichteten nicht nur die ihnen von Adligen und Bauern gesandten Kinder, sondern auch häufig die Kinder aus der näheren Umgebung, deren keine geistige Laufbahn vorgesehen war.

– Im Kräutergarten, in der Apotheke, im Hospital und im Haus für den Aderlass wurden einfach medizinische Produkte entwickelt, arme und kranke Menschen gepflegt und Seelsorge betrieben. Auch wenn diese Hilfe für die Menschen unerlässlich war, hinderten bestimmte Festlegungen der Kirche die Mönche oft an einem wirkungsvollen Eingreifen bei Krankheitsfällen. So war z.B. der wirkungslose Aderlass eine der Hauptmethoden der damaligen Heilkunst. Dabei wurde Kranken Blut aus den Adern gelassen, um so die (wie man meinte) vier entscheidenden Körpersäfte wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

– Im weltlichen Bereich arbeiteten die Mönche außerdem im Garten, im Hospital und weiteren Gebäuden, um Pilger zu versorgen, Nahrungsmittel herzustellen, das Kloster instandzuhalten usw.

– Im Zentrum des Klosters fand die eigentliche Arbeit der Mönche statt: Hier wurde für das Seelenheil der Menschen gebetet. Vor allem Adlige wurden dabei besonders beachtet, die für diesen Dienst für das Jenseits z.T. viel Geld bezahlten oder dem Kloster Ländereien vererbt hatten.

Der Tagesablauf
Ein beispielhafter Tagesablauf in einem mittelalterlichen Kloster

00.30 Uhr Aufstehen und Ankleiden zum Mitternachtsgebet

01.00 Uhr Mitternachtsgebet in der Kapelle

2 – 3 Uhr Ruhezeit und Lesezeit in der Bibliothek

04.00 Uhr Mette in der Kapelle

09.00 Uhr Gebet im Oratorium

10 – 11.30 Uhr Arbeit im Klosterkrankenhaus

15.00 Uhr Gebet in der Kapelle

15.30 Uhr Essen im Refektorium (Speisesaal)

Das vorletzte Gebet, die Vesper, findet vor Sonnenuntergang statt. Das letzte Gebet vor dem Schlafengehen im Dormitorium (Schlafsaal).

Abfolge der Gebete des Tages im Mittelalter: Matutin – Laudes – Prim – Terz – Sext – Non – Vesper – Komplet

Hier findest du einen Vergleich des Tagesablaufs im Kloster zwischen der Zeit heute und dem Mittelalter:
http://www.kloster-aktuell.de/kloster-tagesablauf.html (letzter Aufruf 03.11.2015)

– Trotz des relativen Schutzes und der guten Versorgung mit Nahrungsmitteln, war das Leben der Mönche sehr beschwerlich und kurz. Das Leben bestand hauptsächlich aus Arbeit und Beten.

=> „Ora et Labora“ – Das Leben im Kloster war nach dem Prinzip „Bete und Arbeite“ strukturiert.

Leistungen der Klöster für die mittelalterliche Gesellschaft:

– Geistiger Beistand, Gottesdienste, Seelsorge und das Beten für das Seelenheil

– Verbreitung des christlichen Glaubens und der Bibel

– Bewahrung von antikem und mittelalterlichem Wissen in Archiven und in Skriptorien

– Verbreitung und Einsatz von Medizin (Klosterspitäler)

– Bildung von Teilen der Bevölkerung (Klosterschulen)

– Hilfeleistung für Pilger

 

 

 

 

 

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6 Antworten zu „Ora et labora“ – Das Leben im mittelalterlichen Kloster (7. Klasse)

  1. Pingback: Themen Klassenarbeit 7c Geschichte (Pretz) am 20.11.2014 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  2. Pingback: Themenliste 7b KA1 am 18.11.2015 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  3. mattes schreibt:

    tolle seite

  4. natalie schreibt:

    Ich habe eine frage worauf schrieben die Leute im kloster?

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