NS-Außenpolitik nach 1938

Der vorliegende Artikel soll die Informationen aus diesem Artikel über die Zeit nach 1938 hinaus erweitern:

https://histopro.wordpress.com/2013/01/09/ns-ausenpolitik-bis-1938/

Hitlers Doppelstrategie hatte bis 1938 großen Erfolg. Die innenpolitische Schwäche der Westmächte hatte er bisher ausgenutzt, um sie einerseits durch Friedensbeteuerungen ruhig zu stellen und andererseits den Versailler Vertrag und seine Deutschland einengenden Bestimmungen schrittweise außer Kraft zu setzen.

Großbritannien war vor allem geschwächt durch das schwache Königtum Edwards VIII und dessen Abdankung 1936 sowie vor allem durch die Regierung Neville Chamberlains. Dessen Appeasement-Strategie sah vor, Hitler und Nazi-Deutschland solange diplomatische Zugeständnisse zu machen, bis diese sich mit den Erfolgen ihrer Politik zufrieden gaben.

Lebenslauf Neville Chamberlains: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ChamberlainArthur/index.html

Die Appeasement-Politik scheiterte allerdings mit schicksalhaften Folgen. Die USA hatte sich wirtschaftlich noch nicht von der Weltwirtschaftskrise erholt und war durch seine isolationistische Außenpolitik nicht an einem Eingreifen in Europa interessiert. In Frankreich tobten innenpolitische Kämpfe, denn auch hier versuchten linksradikale und rechtsradikale Kräfte die Wirtschaftskrise zu einem politischen Umsturz zu nutzen. Auch in den Kolonien wurden die Unabhängigkeitsbestrebungen stärker und banden die Kräfte Frankreichs und Großbritanniens.

Die Sowjetunion war im Jahr 1938 gleichzeitig ebenfalls geschwächt. Gerüchte über etwaige Umsturzversuche in der Roten Armee veranlassten Stalin in wenigen Wochen den Großteil des Offizierskorps der Armee, darunter hochrangingste Anführer, ermorden zu lassen. Auch der schwelende Konflikt mit Japan band die Kräfte der Sowjetunion.

In dieser Situation wurde dem nationalsozialistischen Deutschland nun fast freie Hand in der Außenpolitik gelassen. Wie im vorigen Artikel nachzulesen, hatte Hitler bis 1938 nicht nur den Versailler Vertrag fast vollständig revidiert, er hatte auch die letzten Reparationszahlungen verweigert und im März 1938 mit Hilfe des österreichischen Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart Österreich annektiert (sogenannter „Anschluss Österreichs“).

Neville Chamberlain versuchte nun zum letzten Mal seine Politik zu einem Erfolg zu bringen. Im Münchner Abkommen entschieden die Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Deutschlands am 30. September 1938 die Abtrennung der Sudetengebiete von der Tschechoslowakei. Diese Gebiete waren Randgebiete der 1918 neu entstandenen Tschechoslowakei, in denen noch viele ehemalige deutsche Siedler (Sudeten) lebten. Dessen „Eingliederung“ in das nationalsozialistische Reich war eines der zentralen Forderungen der NS-Außenpolitik an die Weltgemeinschaft. Vertreter der Tschechoslowakei waren bei diesem völkerrechtswidrigen Treffen nicht zugelassen. Am 2. Oktober annektierte dann auch Polen einen kleinen Teil der Tschechoslowakei (Teschener Olsagebiet).

Am 23. März 1939 wurden die Hoffnungen Chamberlains endgültig enttäuscht, als Hitler ein Bündnis mit dem slowakischen Nationalistenführer Jozef Tiso nutzte, die Slowakei als deutschen Marionettenstaat von der Tschechoslowakei abtrennte und die sogenannte „Resttschechei“ von der Wehrmacht besetzten ließ. Am 22. März 1939 hatte Hitler bereits Litauen zur Abgabe des Memelgebietes gezwungen.

In der Folge dessen gab Großbritannien eine Garantieerklärung für die Unabhängigkeit Polens ab und änderte nun seine außenpolitische Strategie. Deutschland musste nun um jeden Preis aufgehalten werden, doch die militärischen Mittel der Westmächte waren durch die Wirtschaftskrise limitiert und z.T. in den Kolonien gebunden (v.a. Indien und Afrika). Es lag nun in der Entscheidung der Führungspersonen des nationalsozialistischen Deutschlands, ob man einen Krieg gegen die schwachen Westmächte riskieren solle oder sich mit dem erreichten begnügen sollte. Als im August 1939 der Hitler-Stalin-Pakt mit der Sowjetunion unterschrieben wurde, in dem sich das Deutsche Reich und die Sowjetunion, eigentlich ideologische Erzfeinde, Unterstützung bei einem gemeinsamen Überfall auf Polen zusicherten, war die Entscheidung gefallen. Ende August forderte Hitler von Polen das Unmögliche, die Abgabe der freien Stadt Danzig. Als Polen dies zurückwies, ordnete Hitler am 1. September 1939 den Angriff auf Polen an. Zwei Tage später erklärten die Westmächte dem Deutschen Reich den Krieg. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.

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