Die Situation in Frankreich vor der Französischen Revolution

Frankreich wurde von 1643 bis 1715 vom Sonnenkönig Ludwig XIV. regiert, der die absolutistische Monarchie etablierte.

https://histopro.wordpress.com/2013/06/13/der-sonnenkonig-ludwig-xiv/

In der absolutistischen Monarchie regierte der König nicht mit Hilfe des Hochadels und als oberste Spitze des Feudalsystems, der gleichzeitig durch Gott und Papst legitimiert wurde. Der absolutistische Monarch umgang die Macht des Hochadels, indem er diesen an seinen prunkvollen Hofstaat band. Die Hochadligen mussten im Palast leben (in Frankreich war das natürlich der Hof in Versailles) und mit dem König Feste feiern. Wenn ein Hochadliger sich vom Hof abwand und sich seinen eigenen Ländereien widmete, wurde er in der französischen Elite als wertlos eingestuft und verlor viele seiner Privilegien. So band der König den Adel an sich und entmachtete ihn gleichzeitig.

Die Berater- und Verwaltungstätigkeiten des Hochadels wurden nun dem neu geschaffenen Beamtentum übertragen. Die Beamten wurden aus dem Bürgertum rekrutiert, schworen einen Eid auf den König und waren diesem loyal ergeben. Durch seine Lohnzahlungen waren auch sie vollkommen von ihm abhängig. Diese Experten machten das Verwaltungs-, Steuer- und Wirtschaftswesen besonders effizient.

Im militärischen Bereich schuf der Sonnenkönig ein stehendes Heer, das im Gegensatz zu den Söldnerarmeen der Renaissance-Zeit jederzeit zur Verfügung stand und stets loyal blieb (wer dies nicht war wurde als Deserteur erschossen). Diese Armee konnte der absolutistische König jederzeit gegen Nachbarstaaten aber auch gegen die eigene Bevölkerung einsetzen (z.B. um Unruhen zu unterdrücken).

Der absolutistische König, vor allem Ludwig XIV. war dabei nicht nur von Gott legitimiert, eine Legitimation, die er durch die katholische Kirche erhielt. Er wurde auch durchaus als Halbgottheit gesehen und stützte auch dadurch seine Herrschaft. Die Herrschaft des Sonnenkönigs machte so viel Eindruck auf die anderen europäischen Herrscher, dass diese ihre Monarchien ebenfalls immer weiter zu absolutistischen Monarchien umfunktionierten, in jedem Land natürlich mit unterschiedlichster Prägung.

Hier findest Du mehr Informationen zur Herrschaftssicherung im Absolutismus: https://histoproblog.org/2012/10/22/herrschaftssicherung-im-absolutismus/

Frankreich im Jahre 1789: eine Ständegesellschaft

Frankreich war auch 1789 noch eine Ständegesellschaft und wurde von einem absolutistischem König, Ludwig XVI. regiert. Dieser war allerdings deutlich weniger kompetent und effizient als der Sonnenkönig. Den hohen Ausgaben für den Hofstaat in Versailles und Kriegen „um die Ehre“ stand eine völlig ungenügende Finanzierung durch Steuern, Abgaben und Kriegsgewinnen gegenüber. Frankreich und sein König standen 1789 also dem Problem gegenüber, dass die Staatsschulden ins Unermessliche gewachsen waren, der Adel weigerte sich wegen fehlender Mitbestimmungsrechten aber diese Schulden zu bezahlen.

Die hohen Würdenträger des 1. und 2. Standes (Bischöfe und Äbte einerseits und Hochadel wie Herzöge und Grafen andererseits) waren zwar immer noch sehr reich, hatten aber durch ihre Bindung an den Hof wenig politischen Einfluss. Der niedere Klerus (Mönche, Nonnen und einfache Priester) sowie der niedere Adel (Landadel, Amtsadel) waren durch die hohen Steuern außerdem mittlerweile meist völlig verarmt. Trotzdem konnten beide Stände das System noch ertragen, da der 3. Stand (Bauern und Bürger) es durch ihre Abgaben noch stützte.

Der 3. Stand bestand zu dieser Zeit aus zwei Gruppierungen, dem Bürgertum (Händler, Handwerker, Ärzte, Beamte usw.) und den Bauern. Zusammen machten sie circa 98 Prozent der Bevölkerung aus, hatten aber bis auf die Verwaltungsbeamten des Königs keinerlei Rechte. Die Abgabe- und Steuerlast war so erdrückend, dass viele Bauern ihre Höfe abgeben mussten, Handlanger und Kleinbauern waren durch Hungersnöte und Seuchen stets vom Tod bedroht. Eine Steuererhöhung hätte für diese Schicht insgesamt nicht nur Einbußen, sondern tatsächlich Tote gefordert.

Wie war die französische Gesellschaft genau aufgebaut?

1. Stand: Klerus

hoher Klerus: Bischöfe, Äbte, Domherren

– wollte keine Veränderung der alten Ordnung und ihre Macht behalten
niederer Klerus: Gemeindepfarrer, Mönche, Priester, Nonnen

– forderten eine komplette Veränderung der Ordnung / Machtpositionen

– wollten nicht weiterhin zu den Ärmsten gehören

2. Stand: Adel

Hochadel: Herzöge und Grafen

– wehrten sich gegen Reformen und wollten ihren Reichtum und ihre Privilegien behalten

Landadel: Barone

– waren durch Steuererhöhungen und Kriegseinsätze selbst meist völlig verarmt

– wollte mehr Macht durch komplette Veränderung der Gesellschaftsstruktur

3. Stand: Bürgertum und Bauern

– erfolgreiche Unternehmer, Ärzte, Großkaufleute, Handwerker, Händler, Handlanger, Transportarbeiter, Fischer, Bauern

– große Bandbreite an finanzieller Situation

– Unternehmer, Großkaufleute, Ärzte und sonstige Reiche wollten mehr politische Mitspracherechte, mehr persönliche Freiheit und die Möglichkeit wirtschaftlich erfolgreich zu sein

– Bauern wollten eigenes Land und sinkende Abgaben

– Transportarbeiter und sonstige Lohnarbeiter wollten mehr Lohn und bessere Lebensverhältnisse

– Handwerker wollten niedrigere Steuern, damit die Betriebe wachsen konnten

Situation der Frauen

– vor allem Frauen aus dem dritten Stand lebten in schlechten Verhältnissen

– Frauen wurden aber privat in fast allen Familien unterdrückt, hatten keine Rechte

– waren in der Gesellschaft unerwünscht, z.B. waren Kneipen usw. für sie verboten

– keinen Zugang zu Bildung, Schulen und Universitäten waren für sie unzugänglich, selbst Lesen und Schreiben durften die meisten nicht lernen

– ABER: „durften“ zur Arbeit gehen, wobei sie jederzeit ihre Arbeit verlieren konnten, nur einen Drittel des Männerlohns erhielten und ihnen nur die sehr „einfachen“ Berufen überlassen wurden (Wäscherin, Marktfrau, Spinnerin, Hausmädchen, Prostitution)

– Forderungen der Frauen: rechtliche Gleichstellung, gleicher Lohn, Ausbildung und Schule, Wahlrechte

Der König in Geldnot rief die Generalstände ein

In dieser Situation forderte der König 1789 eine Steuererhöhung für alle Stände und bat im Gegenzug Reformen an. Für die Durchsetzung dieser Maßnahmen ließ zum ersten Mal seit 1614 die Generalstände zusammenrufen. In dieser Ständeversammlung aller drei Stände wurde nach Ständen gewählt. Das bedeutete, dass jeder Stand gleichviel Stimmgewalt hatte, obwohl der 3. Stand 98 Prozent der Bevölkerung ausmachte. So hätten 1. und 2. Stand unter Einfluss des Königs gegen den 3. Stand Steuererhöhungen beschließen lassen können.

Schon vor Zusammentreffen der Generalstände in Versailles wurde klar, dass der 3. Stand eine erneute Steuererhöhung auf seinem Rücken nicht akzeptieren würde…

Willst Du mehr wissen? Hier geht es weiter zur Französischen Revolution:
https://histoproblog.org/2013/12/05/zeitleiste-franzosische-revolution/
https://histoproblog.org/2013/10/16/frauen-in-der-franzosischen-revolution/
https://histoproblog.org/2013/11/24/die-exekution-ludwigs-xvi-warum-wurde-die-monarchie-1793-abgeschafft/
https://histoproblog.org/2013/11/24/die-schreckensherrschaft-robespierres-tugend-durch-terror/

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3 Antworten zu Die Situation in Frankreich vor der Französischen Revolution

  1. Pingback: Themenliste 8a KA1 am 25.11.2015 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  2. jfhfjhf schreibt:

    ok hört sich sehr interresant an

  3. Pingback: Klausurvorbereitung KS1 g1 für die Klausur am 24. November 2017 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

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