Die Uneinigkeit des Reiches unter Karl V.

Interessen der europäischen Mächte zu Beginn des 16. Jahrhunderts:

Kaiser Karl V. (Heiliges Römisches Reich)
– „Weltherrschaft“ -> leitete sich aus dem Selbstverständnis als Rechtsnachfolger der römischen Kaiser ab
– sollte Reich von Sünden bewahren
– ganz Europa sollte einem einzigen Glauben folgen -> Katholizismus
– wollte eine „gnädige Herrschaft“ ausüben

Päpste (mit Kirchenstaat in Italien)
– wollten Übermacht in Italien verteidigen
– wollten Bündnis mit dem Kaiser stärken
– wollten, dass das Reich katholisch bleibt

Reichsstände (Fürsten des Reiches)
– wollten in ihrer Machtposition nicht eingeschränkt werden

Protestanten und Luther:
– wollten die Kirche reformieren und die Missstände aufheben
– wollten Protestantismus zur gleichberechtigten Religion erheben lassen

Schweden und Dänemark:
– wurden protestantisch, blieben aber zunächst außenpolitisch inaktiv

Frankreich (katholisch)
– Verteidigung gegen Weltherrschaftsanspruch Karls V.
– Machtexpansion in Mitteleuropa

Osmanen (muslimisch)
– Rache für die Kreuzzüge
– Verbreitung des Islam nach Europa
– Eroberung Europas
=> Frankreich und Osmanisches Reich verbündeten sich gegen das Reich, Karl verlor große Teile Ungarns an die Osmanen

Problem: Kaiser wollte seine Ziele gegen die Interessen aller anderen Mächte durchsetzen!

=> Folgen:

1530 Augsburger Bekenntnis:
protestantische Reichsfürsten bekennen sich vor dem Kaiser zum evangelischen Glauben
1552 Fürstenaufstand
Aufstand der protestantischen Reichsfürsten gegen Karl V., der ihren Glauben nicht anerkennen wollte, es kam zu militärischen Konflikten
1555 Augsburger Religionsfrieden
Reichsgesetz, gestand den Anhängern des Augsburger Bekenntnisses dauerhaft ihre Besitzstände und freie Religionsausübung zu
Reichsfürsten bestimmten nun selbst über die Religionszugehörigkeit ihrer Vasallen, auch wenn dies der evangelische Glaube war

=> Großer Machtzugewinn für den Protestantismus, Schwächung der Stellung des Kaisers

Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 – die Lösung aller innerdeutschen Probleme?

Folgen des Augsburger Religionsfriedens für die Gläubigen:

– besiegelte die Glaubensspaltung im Deutschen Reich (katholisch / protestantisch)
– „ewig währender Frieden“ zwischen katholischer und protestantischer Kirche abgemacht
– Fürsten (Reichsstände) durften entscheiden welche Religion sie annehmen, Untertanen mussten es ihnen nachtun oder das Land verlassen
– Protestanten wurden im Reich rechtlich anerkannt, wenn sie das Augsburger Bekenntnis behielten
– Protestantismus wurde als Konfession anerkannt
– alle protestantische Reichsstände durften die enteigneten Kirchengüter behalten
– in konfessionell gemischten Reichsstädten durften die Religionen gleichberechtigt nebeneinander leben

Der Augsburger Religionsfrieden löste die Probleme im Reich nicht, sondern besiegelte die konfessionelle Spaltung im Reich. Im 17. Jahrhundert sollte diese konfessionelle Spaltung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) münden.

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