Friedrich I. Barbarossa und die Welfen – ein staufisch-welfischer Konflikt?

Essay: Friedrich I. Barbarossa und die Welfen – ein staufisch-welfischer Konflikt?
Autor: Manfred Pretz

Einleitung

Das 12. Jahrhundert wurde in der deutschen Geschichte lange als ein durch den „staufisch-welfischen Gegensatz“ dominiertes Jahrhundert verstanden. So nannte Gerhard Baaken 1975 den Gegensatz die „größte innenpolitische Frage“ des 12. Jahrhunderts. Für Peter Classen (1983) war diese Zeit dominiert vom Wettstreit zwischen Staufern und Welfen, wodurch der Kampf zwischen Königtum und Fürstenopposition der vorherigen Jahrhunderte abgelöst worden wäre. Die Theorie vom „staufisch-welfischen Gegensatz“ war grundlegendes Interpretationsmuster für alle Quellen zum 12. Jahrhundert in Deutschland. Erst 1996 stellte Werner Hechberger die Theorie in Frage und konnte in der Folge aufzeigen, dass sie ein geschichtswissenschaftliches Konstrukt darstellt, zu Fehlinterpretationen von Quellen geführt und keinen zeitgenössischen Wert hat. Er konnte dabei vor allem zeigen, dass die Theorie aus der Quelle Ottos von Freising (Gesta Friderici) mit ihrer Gegenüberstellung von „Heinrici de Gueibelinga“ und den „Fürsten von Waiblingen“ sowie der modernen Annahme von spätmittelalterlichen Verhältnissen für das Hochmittelalter erwachsen ist. Dieser Essay zum Rahmenthema „Staufer und Welfen im 12. Jahrhundert“ wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit es in der Kaiserzeit Friedrich I. Barbarossas einen Gegensatz zwischen Staufern und Welfen gegeben haben könnte. Die Arbeit wird dabei die These behandeln, dass in dieser Zeit die Zusammenarbeit der Welfen Heinrich dem Löwen und Welf VI. mit dem Kaiser sogar überwiegt haben und sich überdies die Herrschaftspraxis Barbarossas klar von seinem Vorgänger, dem Staufer Konrad III., absetzte. Der Essay wird dabei zunächst die Vorbedingungen der Kaiserzeit Barbarossas aus der Herrschaft Konrads III. beleuchten, dann die Beziehung zwischen den Welfen und Friedrich I. Barbarossa nach dessen Thronbesteigung untersuchen, in einem dritten Schritt die veränderte Situation zwischen Heinrich dem Löwen und Barbarossa ab 1175 interpretieren und mit einem zusammenfassenden Fazit schließen.

Hauptteil
Die Vorbedingung der Kaiserzeit Barbarossas

Zunächst muss geklärt werden, inwieweit in der Regierungszeit Konrads III. von einem Gegensatz zwischen Staufern und Welfen gesprochen werden kann. Der Welfe Heinrich der Stolze, Herzog von Bayern, hatte durch die Hochzeit mit der Erbtochter des Kaisers Lothar III. (1125 – 1138) Anschluss an Sachsen gefunden und erbte bei dessen Tod nicht nur die reichen sächsischen Eigengüter des Supplinburgers, sondern mit den Reichsinsignien vermeintlich auch dessen Herrschaftsanspruch. Es gab allerdings Parteien im Reich, denen die Machtfülle des doppelten Herzogs als Bedrohung ihrer Interessen erschien. Neben Papst Innozenz II., den Heinrichs zusätzliche Besitzungen in Italien bedrohten, waren das vor allem die schwäbischen Großen um Friedrich II. von Schwaben und Konrad III. In einer vom Papst unterstützten und von einer Minderheit der Fürsten durchgeführten vorgezogenen Wahl im März 1138 in Koblenz wurde Konrad III. zum deutschen König erhoben und eine Woche später in Aachen gekrönt. Konrad wurde auf dem Reichstag zu Bamberg auch von den meisten anderen Fürsten akzeptiert, da er die schwächere Machtbasis im Reich hatte und das im Interesse der Fürsten war. Außerdem konnte er sich im Gegensatz zu Heinrich dem Stolzen auf eine Blutsverwandtschaft mit den salischen Kaisern stützen (Enkel Heinrichs IV.). Auf dem Fürstentag in Regensburg 1138 ging Konrad gegen den Welfen vor, forderte die Reichsinsignien und die Huldigung ein. Wegen der Verweigerung des Letzteren wurde er auf dem Reichstag in Augsburg mit der Acht und einer Reichsheerfahrt belegt. Das Herzogtum Bayern wurde dem Babenberger Luitpold IV. (nach 1143 Heinrich Jasomirgott) übertragen, einem Halbbruder Konrads. Die Babenberger sollten zur Machtstütze Konrads etabliert werden. Mit Sachsen wurde der Askanier Albrecht der Bär belehnt. Auch wenn Heinrich der Stolze 1139 starb und die von ihm ausgehende Gefahr erlosch, konnten sich weder Babenberger noch Askanier als stabile Machtstützen Konrads erweisen. Die Babenberger wurden in Bayern nur schwerlich akzeptiert und waren untereinander zerstritten. In Sachsen konnten sich die Askanier nicht gegen die von Lothars Kaiserwitwe Richenza geführte Opposition durchsetzen, deshalb wurde hier schließlich der Sohn Heinrich des Stolzen, Heinrich der Löwe 1142 als Herzog belehnt. Der von seiner süddeutschen, schwäbischen Machtbasis operierende Konrad hatte im Norden die erstrebte Machtetablierung mit Hilfe der Askanier nicht durchsetzen können und gab dem Streben der alten sächsischen Machtbasis seines Vorgängers nach, um durch Frieden im Reich seine Kaiserkrönung in Italien in Angriff zu nehmen. Dieses Ziel scheiterte endgültig, als Heinrich der Löwe ab 1148 von seiner sächsischen Machtbasis aus eine Fehde gegen Heinrich Jasomirgott begann, um das Herzogtum Bayern als Erbe seines Vaters zurückzugewinnen. In dieser Fehde wurde er von seinem Neffen Friedrich III., Herzog von Schwaben, unterstützt. Der zukünftige Friedrich I. Barbarossa hatte staufische, welfische und babenbergische Vorfahren und wurde in der älteren Forschung der „staufisch-babenbergischen“ Partei Konrads III. zugerechnet. Sein Eingreifen auf Seiten des Löwen wurde im Lichte der Theorie vom „staufisch-welfischen Gegensatz“ als jugendlicher Leichtsinn abgetan. Nimmt man einen solchen Gegensatz aber nicht von vornherein an, dann wird deutlich, dass hier ein Fürst, Friedrich III. von Schwaben, lediglich einen anderen Fürst und Verwandten, Heinrich den Löwen, im Kampf gegen den König und Oheim Konrad III. unterstützte. Friedrich mit seinem Gefolge verwüstete dabei persönlich Ländereien des Königs. Auch seinen Oheim Welf VI. unterstützte Friedrich im Kampf gegen Konrad III. um das Calwer Erbe ab 1140.
Es zeigen sich in den Voraussetzungen der Kaiserzeit Barbarossas also gleich drei wichtige Aspekte: Erstens unterstützte Konrads III. ganz andere Fürsten als Pfeiler seiner Macht, als das Friedrich I. Barbarossa nach 1152 tat. Die Babenberger und Askanier Fürsten sind am Hof Barbarossas kaum mehr beurkundet. Im Gegenteil: mit Heinrich dem Löwen und Welf VI. unterstützte Friedrich als Kaiser sogar deren Feinde. Eine „staufische Kontinuität“ zwischen Konrad III. und Barbarossa kann hier also deutlich zurückgewiesen werden. Zweitens zeigt sich, dass die Konfliktlinie eher zwischen einer schwäbischen Fürstenbasis unter Konrad III. und Friedrich II. von Schwaben auf der einen Seite und einer sächsischen Machtbasis mit Lothar III., Heinrich dem Stolzen und Heinrich dem Löwen gesprochen werden kann. Auch der Löwe operierte von Anfang an mit Hilfe der Kaiserwitwe Richenza und von Braunschweig aus. Drittens wurde klar, dass Heinrich der Löwe und Welf VI. schon vor der Wahl von 1152 deutlich an der Seite von Friedrich Barbarossa einzuordnen sind.

Neuordnung unter Barbarossa

Die ältere Forschung hat den „staufisch-welfischen Gegensatz“ vor allem an einem jahrzehntelangen Streit zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich I. Barbarossa festmachen wollen, der mit dem Sturz des Löwen 1180/81 geendet habe. Heinrich der Löwe sei bei Barbarossas Wahl im Jahre 1152 als Kandidat und schärfster Konkurrent angetreten. Einige Historiker argumentierten, Barbarossa habe den Löwen mit der Zusage auf Belehnung mit Bayern bestechen müssen, andere versuchten ebenfalls im Lichte des „Gegensatzes“ eine heimliche Übergehung des Löwen zu konstruieren. Eine Thronkandidatur des Löwen ist in den Quellen allerdings nirgendwo belegt. Die Betrachtung der ersten Herrschaftsjahre Kaiser Friedrichs I. und der Rolle Heinrichs des Löwen und Welfs VI. in diesen sollte weitere Klarheit bringen. Dies soll anhand von neun kurzen Fallbeispielen geschehen.
Heinrich der Löwe ist noch heute für seine rigorose Herrschaftsausübung und seinen Drang seine Machtbasis zu erweitern bekannt. Nach dem Tod des letzten weltlichen Udonen Rudolf II. 1144 entflammte ein Erbschaftsstreit um die Grafschaft Stade. Konrad III. hatte den Erzbischof von Bremen mit Stade belehnt, doch Heinrich der Löwe machte erbrechtliche Besitzansprüche geltend und riss die Grafschaft 1145 militärisch an sich. Auch bezüglich der Missionierung und Machtausweitung im Gebiet zwischen Elbe und Peene in der Folge des Wendenkreuzzugs kam es zu Komplikationen zwischen dem Löwen und dem Bremer Erzbischof. Barbarossa unterstützte als Kaiser diese Machtexpansion des Löwen Richtung Osten, weil er ebenfalls von diesem Machtzuwachs profitierte. Auch bei einem zweiten Territorialproblem erhielt Heinrich die Unterstützung des Kaisers: Der westliche Teil Sachsens, das Engerngebiet, stand unter der Kontrolle des Erzbischofs von Köln. Heinrich suchte diesen Teil Sachsens für sich militärisch und administrativ zu erschließen und geriet dabei in einen jahrzehntelangen Konflikt mit dem Erzbistum Köln; ein Konflikt der 1179 einen Auslöser für den Sturz des Löwen bieten sollte.
Auch im bereits oben genannten Streit um Bayern gegen den Babenberger Heinrich Jasomirgott bezog der Kaiser bald deutlich Stellung. 1152 erneuerte er allerdings zunächst das Lehnsverhältnis zu Jasomirgott, was gegen eine diesbezügliche Wahlabsprache zwischen dem Löwen und Barbarossa spricht. Zwischen 1154 und 1156 Heinrich der Löwe allerdings dann schrittweise in Bayern eingesetzt. Im Privilegium Minus von 1156 wurde dem Babenberger die Mark Österreich zum Lehen gegeben und gleichzeitig zum voll erblichen Herzogtum bis in die Seitenlinien erhoben. Mit diesem Schritt konnte Barbarossa einerseits den den Reichsfrieden verhindernden Konflikt um Bayern beenden und andererseits den Löwen als zuverlässigen Parteigänger in Bayern etablieren. Dass Barbarossa den Löwen bei dessen Machtdurchsetzung in Bayern weiterhin tatkräftig unterstützte, ist am Freisinger Zollstreit in den Jahren 1156 bis 1158 erkennbar: Im erstgenannten Jahr war Heinrich der Löwe militärisch gegen den Handelsort Freising vorgegangen und hatte die Brücke und Marktplatz des Ortes zerstört. An einer anderen Stelle der Isar errichtete er einen eigenen Ort mit Zollstelle, das heutige München. Barbarossa goutierte dieses Vorgehen und benachteiligte dabei im „Augsburger Vergleich“ sogar seinen babenbergischen Onkel und Chronisten Otto von Freising. 1162 ermöglichte Barbarossa mit Hilfe von Rainald von Dassel die Zustimmung des Papstes zur Scheidung Heinrichs von der Zähringerin Clementia, da Barbarossa in der Burgund-Frage in Opposition zu Berthold V. von Zähringen geraten war. Der Kaiser ermöglichte dem Löwen dadurch die Heirat mit der angesehenen englischen Prinzessin Mathilde, was dessen Macht im Norden des Landes ausweiten half.
Im Gegenzug setzte sich auch der Herzog für den Kaiser ein. So ist Heinrich auf den ersten Italienzügen Barbarossas nachgewiesen, wo er sich vor allem 1155 bei der Belagerung von Tortona und der blutigen Niederschlagung der Römer auf der Engelsbrücke an vorderster Front hervortat. Auch beim Schisma von 1159 bis 1177 (beendet durch den Frieden von Venedig) gegen Alexander III., unterstützte Heinrich die von Barbarossa aufgebauten Gegenpäpste Viktor IV., Paschalis III. und Kalixt III., während Friedrich IV. von Rothenburg und Welf VI. beispielsweise Alexander III. anerkannten. In Würzburg legte Heinrich sogar als erster den Eid auf Paschalis III. ab.
Welf VI. wurde von Friedrich I. Barbarossa nicht annähernd so weitgehend protegiert wie der Löwe, allerdings setzte der Kaiser den Welfen bereits 1152 als Herzog von Spoleto, Markgraf von Tuszien sowie als Rektor von Sardinien ein und übertrug ihm die Mathildischen Güter. Welf VI. sollte dadurch zu einem kaiserlichen Pfeiler der Macht in Italien gemacht werden. Außerdem gelang es Barbarossa dadurch dem Welfen mit dem Herzogtitel die persönliche honor wiederzugeben. Dieser Schachzug gelang und trug zur Befriedung des Reiches bei. Welf verweigerte den Gegenpäpsten allerdings das Gefolge, da die mit ihm in Süddeutschland territorial konkurrierenden Bischöfe die Gegenpäpste unterstützten. Diese Diskrepanz führte allerdings zu keinen Problemen zwischen Welf und Friedrich. Welf ist in den Italienzügen bis 1162 stets beurkundet und Barbarossa soll während der Belagerung Cremas im Jahre 1159 zum Zeichen der besonderen Stellung Welfs in Italien bei dessen Ankunft sein eigenes Lager für den Herzog geräumt haben. Die besondere Zusammenarbeit Welfs mit Barbarossa wird auch klar werden, wenn weiter unten über das ostschwäbische und fränkische Erbe des Welfen zu sprechen sein wird, das Barbarossa letztendlich zuteil wurde.
Die dauerhafte Unterstützung Barbarossas für Heinrich den Löwen und Welf VI. vor und nach der Wahl von 1152 zeigt, dass hier kein staufisch-welfischer Gegensatz erkennbar ist. Nicht der Konflikt, sondern die enge Zusammenarbeit dieser Verwandten war bis 1175 die Regel. Die beiden Welfen erscheinen als wichtige Herrschaftsstützen ihres Neffen, die ihrerseits ihre eigene Territorialherrschaft ganz klar auf den Kaiser stützten und diesem ihre Position verdankten. In diesem Kontext war ihre Unterstützung Barbarossas bei der Königswahl von 1152 eine logische Wahl. Durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa war die Vertretung ihrer Interessen von höchster Ebene garantiert.

Kursänderung ab 1175

In der älteren Forschung wurde ab 1179 der Beginn des Sturzes des Löwen im Kampf gegen Friedrich I. Barbarossa angenommen. Hansmartin Schwarzmaier konnte zeigen, dass dabei eine wichtige Vorbedingung für diesen Sturz übersehen wurde. Als 1167 bei der fatalen Malaria-Epidemie im Heer vor Rom neben Friedrich IV. von Rothenburg und Rainald von Dassel auch Welf VII., der einzige Sohn Welfs VI., gestorben war, verlor dieser jegliche politischen Ambitionen im Reich. Er zog sich auf seine süddeutschen Besitzungen zurück und etablierte dort einen königlichen Hof. Gleichzeitig gab er dem Kaiser gegen ein Entgelt die durch die Niederlage vor Rom ohnehin wertlos gewordenen Lehen zurück. Offen blieb allerdings die Erbschaft seines süddeutschen Besitzes. Welf VI. schloss mit Heinrich dem Löwen ein Abkommen, durch das dieser gegen finanzielle Zuwendungen die Anwartschaft auf das Erbe erhielt. Davor waren die Kontakte der beiden Welfen sehr beschränkt und von einer regelrechten Zusammenarbeit oder gemeinsamen Partei konnte nicht die Rede sein. Heinrich machte seine Versprechungen allerdings nicht wahr, weil er hoffte, dass Welf VI. sowieso sterben und Heinrich dann dessen Besitz ohne Geldzahlungen erben würde. Welf wandte sich daraufhin an seinen Neffen Friedrich Barbarossa und übergab diesem für dringend benötigte Geldzahlungen die Erbrechte für seinen Besitz. Beim Pfingstfest in Augsburg 1175 wurde der Übergang feierlich vollzogen und Welfs Anhänger und Ministerialen wechselten in beiderseitigem Einvernehmen in das Lager Barbarossas.
In diesem Lichte müssen die unerhört scheinenden Forderungen des Löwen in Chiavenna 1176 gesehen werden. Heinrich forderte für seine fortgesetzte Heeresfolge nach Italien eine Entschädigung für die ihm verloren gegangenen welfischen Erbgüter. Die wichtige sächsische Stadt Goslar mit ihren reichen Silberminen schien ein adäquater Ersatz im Norden zu sein. Für den Welfen schienen die Forderungen gerechtfertigt, für Barbarossa waren sie schon wegen der Bewahrung seiner honor nicht annehmbar. Nach Fußfall Barbarossas, Weigerung des Löwen und der Niederlage von Legnano verlor der Löwe den besonderen Schutz des Kaisers, weil er dessen Ehre angegriffen hatte. Der Kaiser zog sich nun zurück und musste seine einst wichtigste Machtstütze, nämlich Heinrich, den Fürsten überlassen. Die Herrschaftsausübung Heinrichs hatte derweil soviel Unmut auf sich gezogen, dass der ernsteste Konflikt, der mit dem Erzbischof von Köln, zu einem landrechtlichen und einem lehnsrechtlichen Verfahren in Worms und Magdeburg führte. Nach einem zurückgewiesenen Vermittlungsversuch Barbarossas (gegen Geld), konnten die Fürsten den einst mächtigen Löwen durch Acht, Oberacht und Reichskrieg bis zur Unterwerfung 1181 demontieren und 1185 zum Exil zwingen. Barbarossa hatte hier nicht gesiegt, im Gegenteil. Er verlor die wichtigste Stütze seiner Macht.

Fazit

Inwieweit hat es also einen Gegensatz zwischen Staufern und Welfen in der Kaiserzeit Friedrichs I. Barbarossa gegeben? Zunächst einmal ist deutlich geworden, dass sich die Konflikte während der Regierungszeit Konrads III. deutlich von denen der Zeit Kaiser Barbarossas unterscheiden. Konrad III. stützte seine Macht auf völlig andere Fürsten, nämlich Babenberger und Askanier, als dies Barbarossa später tat. Die Konflikte um Macht und Einfluss sind zu Konrads Zeit deshalb auch andersartig. Konrad versuchte an das salische Herrschaftskontinuum anzuknüpfen und musste sich dabei von seiner süddeutschen Machtbasis aus gegen die durch Lothars III. Thronbesteigung 1125 stark gewordene sächsische Partei durchsetzen. Der in diese Partei eingeheiratete Heinrich der Stolze und dessen Sohn, Heinrich der Löwe, standen als Welfen und Verwandte auf der sächsischen Seite. Der junge Friedrich III. von Schwaben und Welf VI. stand mit diesen als Verwandte ebenfalls auf einer Seite. Konrad aber unterstützte vor allem die ihm wichtigen Verwandten, die Babenberger. Mit der Thronbesteigung Barbarossas änderte sich die Herrschaftspraxis grundlegend: Friedrich protegierte als Kaiser umgehend seine Unterstützer in der Verwandtschaft, allen voran Heinrich den Löwen und Welf VI. Einen Gegensatz oder Streit hat es zwischen ihnen bis 1175 nicht gegeben und auch danach zog sich Barbarossa eher von Heinrich zurück, als ihn aktiv zu attackieren. Das zeigt auch sein Vermittlungsversuch. Nicht der Konflikt, sondern die Zusammenarbeit bestimmten das Verhältnis zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich I. Barbarossa. So ist auch eine durch die Quellen nicht belegte Kandidatur Heinrichs 1152 unlogisch und ein Produkt der Gegensatz-Theorie. Die Kaiserzeit Barbarossas als Gegensatz zwischen Staufern und Welfen darzustellen verdeckt somit den Blick auf einen anderen Konflikt, nämlich den seit der Salierherrschaft schwelenden Konflikt zwischen der Rolle der Fürsten und der Rolle des Kaisers. Der eigentliche Konflikt des 12. Jahrhunderts ist die grundlegende Auseinandersetzung zwischen Adel und Königtum um die Machtansprüche im Reich. Dabei wurden die Reichsfürsten immer mehr zu Säulen der königlichen Herrschaft verstanden und gewannen seit dem Investiturstreit einen wachsenden Einfluss auf die Reichspolitik. Diese Entwicklung vom Investiturstreit hin bis zum Kurfürstenkolleg ist die eigentliche Kontinuität im Hochmittelalter und ist nicht durch einen staufisch-welfischen Gegensatz zur Kaiserzeit Barbarossas unterbrochen worden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Essays veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s