FAQ Nationalsozialismus / Zweiter Weltkrieg

Diese Zusammenstellung von Schülerfragen zum NS und zum Zweiten Weltkrieg aus dem Schuljahr 2011/12 soll als Grundlage für weitere Schülerfragen dienen. Bitte schreibt weitere Fragen als Kommentare unter diesen Artikel. Gerne könnt Ihr die Fragen Eurer Mitschüler beantworten.

Besonders gute Fragen werden in diesen Artikel übernommen oder in einen gesonderten Artikel eingefügt.

Schülerfragen:
1. Wie ging der Krieg eigentlich zu Ende?
2. Warum wurde das Reich der Nazis „Drittes Reich“ genannt?
3. Wie stand Hitler eigentlich privat zu Frauen?

1. Deutschland kapitulierte am 8. Mai gegenüber den Westalliierten, am 9. Mai gegenüber der Roten Armee der Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt waren lediglich einige Gebiete in Mecklenburg, Oberbayern, Österreich und Böhmen noch nicht in der Hand des „Gegners“. Hitler hatte sich bereits am 30. April erschossen, Großadmiral Dönitz unterschrieb so die Kapitulation. Die vollständige Kapitulation war das Ziel der Alliierten, da sie Nazideutschland vollständig niederwerfen und den Nationalsozialismus komplett vernichten wollten. Ein „Teil-Frieden“ kam nicht in Frage. Die Wehrmacht und SS waren zu diesem Zeitpunkt aber sowieso kaum mehr existent, die meisten Soldaten unter Waffen waren zu diesem Zeitpunkt Kinder und Verwundete.

2. Sehr gute Frage. Die Nationalsozialisten wollten nach der Demokratie der Weimarer Republik das „Deutsche Reich“ wieder auferstehen lassen. Mit dem „ersten“ Reich wurde das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ gemeint, das 834 entstand und bis 1804 (!) bestand. Es trug diesen Namen durch seinen Anspruch, die Herrschaft der Römer weiterzuführen (auch Italien war lange Teil dieses Reiches). Das „zweite“ Reich war nach dem Denken der Nazis das Deutsche Kaiserreich seit 1871 unter preußischer Herrschaft. Es ging durch den Ersten Weltkrieg unter. Den Reichsgedanken griffen die Nazis also auf, um die „glorreiche Herrschaft der Deutschen über Europa“ wieder herbeizuführen und diesen Anspruch propagandistisch zu untermauern. Das Reich der Nazis sollte das „Dritte Reich“ sein.

3. Hierzu weiß man heute immer noch nicht genug. Hitler hatte stets ein gespaltenes Verhältnis zu den Frauen. Er wahrte Distanz und soll verschiedene nur kurze Beziehungen gehabt haben. Hitler war seit seiner Jugend wohl durch Zurückweisungen durch Frauen psychisch geschädigt und sein Frauenbild war (wie wir ja wissen) auf das einer Frau als reiner „Gebärmaschine“ ohne eigenen Willen beschränkt. In der Propaganda wurde Hitler als keuscher Mann dargestellt, der nur „mit dem Reich verheiratet“ sei. Er wurde allerdings von vielen Verehrerinnen umgarnt, Eva Braun hat sich schlussendlich durchgesetzt. Die Beziehung muss aber sehr kompliziert gewesen sein, vor allem weil Hitler ab 1943 durch die immer schlechter werdende Kriegssituation begann, nervenkrank zu werden und unter cholerischen Anfällen litt. Braun stand Hitler in dieser schweren Zeit anscheinend in solcher Weise bei, dass er sie (während Berlin von der Roten Armee bombardiert wurde) im Führerbunker unter der Reichskanzlei heiratete. Wenige Tage später (30.4.1945) begingen beide Selbstmord. Dabei nahmen wohl beide Gift, danach erschoss Hitler Eva Braun und dann sich selbst. Die Leichen sind bis heute nicht gefunden worden, weil sie von SS-Leibwächtern verbrannt und verscharrt wurden.

Schülerfrage:
Wir beide verstehen nicht so ganz wie der Krieg mit Japan mit dem 2. Weltkrieg bzw. mit Deutschland zu tun hat und warum Deutschland der USA den Krieg erklärte?

Japan war in der Wirtschaftskrise in ähnlicherweise zum Faschismus gelangt, wie Deutschland. Ab 1930 begann auch Japan mit einer Expansion im asiatischen Raum, wobei gegen China und Russland zunächst Gebiete erobert werden konnten (z.B. die Mandschurei). Die japanischen Faschisten wollten vor allem neue Gebiete erobern, weil das japanische Inselland kaum eigene Rohstoffe hat (deswegen heute auch der energiepolitische Schwerpunkt auf der Atomkraft = braucht kaum Rohstoffe).
1936 begann Japan ein weiteres Mal einen Krieg gegen das damals sehr zerstrittene China (war in fünf Teile geteilt!). Die USA fürchteten um ihr Vormacht im Pazifikraum und versuchten Japan durch Ölembargos und öffentlichen Druck zu isolieren. Deutschland und Italien halfen Japan in dieser Lage und versorgten es mit dringend benötigten Rohstoffen, Informationen über die Gegner und Technologie-Hilfen. So kam es zum „Anti-Komintern-Pakt“ zwischen den drei Mächten, ab da auch „Achsenmächte“ genannt.
Um seine weitere Expansion voranzutreiben, fühlte Japan sich genötigt, den USA im Januar 1941 den Krieg zu erklären. In einem Überraschungsangriff wurde Pearl Harbor auf Hawaii angegriffen und schwer getroffen. Es gab auf amerikanischer Seite viele Tote, weil keiner mit einem Angriff gerechnet hatte. Die USA erklärte Japan deshalb den Krieg (Pazifikkrieg). Hitler war klar, dass die USA nun auch offen gegen Deutschland kämpfen würden oder zumindestens Großbritannien mit Soldaten versorgen würde. Also löste er seine Bündnisversprechen an Japan ein und erklärte den USA ebenfalls den Krieg. Spätestens mit diesem Kriegseintritt der USA und Japans wurde der Krieg zum Weltkrieg.

Schülerfrage:
Deutschland ging am 24. August 1939 einen Nichtangriffspackt mit der
Sowjetunion ein. Wieso hat er ihn dann am 22. Juni 1941 gebrochen?

Der Hitler-Stalin-Pakt sollte vor allem zwei wichtige Aspekte erfüllen:
1. Der Pakt sollte erreichen, dass die Sowjetunion sich bei einem deutschen Krieg gegen Polen nicht selbst bedroht fühlen würde und Deutschland den Krieg erklärte. Durch das „geheime Zusatzprotokoll“ des Vertrages, teilten sich Hitler und Stalin die Nachbarländer zwischen sich auf (D erhielt den Westteil Polens, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Norwegen usw. / SU erhielt Litauen, Lettland, Estland, Finnland, den Ostteil Polens, kleine Teile Rumäniens usw.)

2. Der Pakt sollte die Westmächte davon abschrecken, Deutschland den Krieg zu erklären, wenn Polen angegriffen wird. In diesem Fall waren die Politiker in England und Frankreich aber zum ersten Mal nicht bereit sich irreführen zu lassen.

3. Der Pakt sollte die Sowjetunion in Sicherheit wiegen und ihr Friedensabsicht vorgaukeln. Durch diplomatische Irreführung (du erinnerst dich?) sollte er verhindern, dass Stalin bis 1941 mehr Truppen bauen lässt und sich so auf den Krieg vorbereiten kann.

Wie bei jedem Nichtangriffspakt, brach Hitler auch diesen sobald es ihm passte und griff die SU an. Die schwachen Verteidigungsvorbereitungen der Roten Armee zeigten schnell, dass Stalin tatsächlich keinen Angriff Hitler erwartet hatte und auf diese Falle hereinfiel. Der dann unternommene Versuch, schnell bis Moskau, Leningrad, Stalingrad, Baku und Astrachan vorzustoßen, schlug allerdings vollkommen fehl. Der Überraschungsmoment verpuffte im russischen Winter. Unterstützt von amerikanischen Hilfslieferungen und von der schlechten Winterausrüstung und Nachschublage der Deutschen begünstigt, gelang es der Roten Armee ab dem Winter 1942/43 die Wehrmacht zurückzuwerfen und 1945 bis tief nach Deutschland vorzustoßen.

Schülerfrage:
War die Besatzungspolitik in der Nazis in Polen und Frankreich ähnlich?

Der Zugriff auf „Ostarbeiter“ durch die Nationalsozialisten ab 1940 lässt sich auf die Herrenrassen-Ideologie der NSDAP zurückführen. Menschen slawischer Herkunft sollten auf lange Sicht als „Arbeitervolk“ die Schwerstarbeit für die nationalsozialistische Gesellschaft leisten und ein ewiges Sklavendasein fristen. Unter ihnen standen nur noch die Juden, die seit der Wannsee-Konferenz am 20.1.1942 zur Vernichtung vorgesehen waren. Ein großer Teil Polens wurde übrigens als „Generalgouvernement“ eingeteilt und zu einem riesigen Gebiet gemacht, in dem nur die SS der Nazis herrschte und Menschen willkürlich abtransportiert oder erschossen werden konnten. Dies machte es den Nazis noch leichter mit Menschen slawischer oder jüdischer Herkunft rücksichtslos umzugehen, da diese in einer solchen Situation völlig wehrlos waren.
Die Bevölkerung der westlichen Länder wurde als zumindest „verwandt“ mit der „Rasse der Arier“ gesehen und somit nicht als Sklavenvolk unterworfen. Die Besatzungspolitik war dort aber auch brutal, vor allem politische Gegner in Frankreich, Holland, Belgien oder Luxemburg wurden hingerichtet und verfolgt. Aber auch Menschen mit sogenannten „Erbkrankheiten“, „Zigeuner“, homosexuelle Menschen oder Zeugen Jehovas wurden wie in Deutschland gejagt und ermordet. In all diesen Ländern fanden sich aber auch Menschen, die bereit waren den Nazis bei der Besatzung ihres eigenen Landes zu helfen, weil sie entweder selbst Nationalsozialisten waren oder tatsächlich an die nie-endende Dominanz Nazi-Deutschlands über Europa glaubten und davon profitieren wollten. Durch diese „Kollaboration“ wurde eine Besatzungspolitik wie in Polen außerdem weitgehend überflüssig, weil sie einen effektiven Widerstand verhinderte.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2. Deutschland im Spannungsfeld zwischen Demokratie und Diktatur, III. Nationalsozialismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu FAQ Nationalsozialismus / Zweiter Weltkrieg

  1. A schreibt:

    Warum konnte Deutschland trotz großer U-Boot-Flotte den Seekrieg gegen England nicht gewinnen?

    • schulrechtsblog schreibt:

      Ich würde hier drei Probleme nennen. Erstens durfte, wie du weißt, Deutschland durch den Versailler Vertrag zunächst keine Flotte aufbauen und hatte daher nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten einen großen Rüstungs- und Marineforschungsnachteil. Zweitens waren die USA und Großbritannien wirtschaftlich und militärisch in der Lage, große Flottenverbände aufzustellen. Deutschland musste sich aber durch seine vielen Attacken auf Landgebiete vor allem auf den Kampf zu Land und in der Luft konzentrieren. Vor allem die USA konnten ab 1943 ihre Nachschubschiffe sehr effektiv mit Begleitschiffen schützen, womit das Agieren im Atlantik für die deutschen U-Boote immer schwieriger wurde. Drittens zeigte sich im Seekrieg in den frühen Vierzigerjahren deutlich die Überlegenheit von Flugzeugträgern gegenüber allen anderen Schiffsklassen, vor allem gegenüber den von den Deutschen präferierten großen Schlachtschiffen (Bismarck, Tirpitz). Die Admirale Raeder und Dönitz erkannten dies zu spät, so dass es dem Reich nie gelang einen eigenen Flugzeugträger einsatzbereit zu machen.

  2. unknown schreibt:

    Welchen Einfluss hatte der D-Day auf den Zweiten Weltkrieg?

    • schulrechtsblog schreibt:

      Der D-Day hatte großen Einfluss auf den Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Er war erst durch den Eintritt der USA ab 1941 möglich geworden und umschloss amerikanische, kanadische, britische, neuseeländische, australische, französische und weitere Verbände. Den Alliierten gelang es unter großen Verlusten einerseits neben der Italienfront (USA, UK) und der Ostfront (UdSSR) eine dritte Front zu errichten, die die deutschen Verbände entgültig in Mitteleuropa einkesselte und das nationalsozialistische Reich militärisch ausbluten ließ. So konnte der Krieg bis zum Mai 1945 beendet werden. Andererseits führte diese neue Front dazu, dass die demokratischen Westalliierten damit verhindern konnten, dass die Sowjetunion das gesamte Deutschland eroberte. Der D-Day trug daher auch maßgeblich dazu bei, dass ab 1949 in Westdeutschland ein demokratischer Staat entstehen konnte (unsere heutige BRD).

  3. Pingback: Themenliste 9b Klassenarbeit Nr. 2 am 24.05.2017 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  4. Pingback: Themenliste 9a Klassenarbeit Nr. 2 am 23.06.2017 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s