Die Gesellschaft des Mittelalters

Die Gesellschaft des Mittelalters

Dreiständeordnung:

– Adel (tu protege => Schutz)
– Klerus (tu supplex ora => Gebet)
– Bauern (tuque labora => Arbeit)

Die Gesellschaft hatte sich im Frühmittelalter zu einer Dreiständegesellschaft entwickelt. Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Europa im 5. Jahrhundert n. Chr. fiel der militärische Schutz der Römer für die Bauern der europäischen Ländereien weg. Die Bauern waren somit Plünderungen und Raubzügen schutzlos ausgeliefert. Im Reichssystem Karls des Großen entwickelte sich ein neues Schutzsystem, das Feudalsystem und damit die Einteilung der Gesellschaft in drei Stände.

Der König stand als „Inhaber“ aller Ländereien an der Spitze der Gesellschaft. Er war hauptsächlich durch seine Abstammung, seine militärische Stärke und immer mehr auch durch „Gottes Willen“ als Herrscher legitimiert. Er verteilte nun das dem Reich zugehörige Land an seine Kronvasallen, die ihm im Gegenzug zu Heeresfolge im Kriegsfall sowie zu Abgaben verpflichtet war. Dafür herrschten sie aber Kraft ihres Titels über Ländereien, die sie ihrerseits an Vasallen (Lehnshörige) weiterverpachteten. Die Vasallen der Kronvasallen waren diesen meist Herzögen, Grafen, Markgrafen und Bischöfen gegenüber zu Heeresfolge und zu Abgabeleistungen verpflichtet.

Die Untervasallen wollten die Ländereien als Ritter, Äbte oder Dienstmannen natürlich nicht selbst bestellen, sondern verpachteten die Ländereien weiter an die Bauern, die damit als Lehnshörige an die Untervasallen und damit indirekt auch an Kronvasallen und König gebunden waren. Sie mussten im Kriegsfall mit Hacken und Spaten einrücken und in Friedenszeiten den Großteil ihrer Ernte an die Untervasallen abliefern.

Die Bauern im Mittelalter waren nun zwar gegen Plünderungen und Überfälle geschützt, den die Untervasallen waren im Feudalwesen zum Schutz ihrer Lehnshörigen verpflichtet. Im Gegenzug hatten sie allerdings den Großteil ihrer Erträge abzuliefern, waren an die gepachteten Ländereien gebunden und lebten in fast vollständiger Unfreiheit.

Den drei Ständen waren klare Rollen in der Feudalgesellschaft zugeteilt: Der Klerus als 1. Stand sollte das System legitimieren und die Gnade Gottes für alle erbeten. Der Adel als 2. Stand hatte die Bauern und den Klerus zu beschützen, die Bauern als 3. Stand sollte mit seiner Arbeit für Nahrungsmittel, Bauten usw. sorgen. Die Kronvasallen stammten dabei aus dem 1. und vor allem aus dem 2. Stand, die Untervasallen ebenfalls. Aufstiegsmöglichkeiten gab es nur sehr begrenzt, Heiraten zwischen 2. und 3. Stand waren sehr unüblich, mit dem 1. Stand waren natürlich keine Heiraten möglich. Für Bauern war im Mittelalter lediglich der Eintritt in den 1. Stand über den Beitritt zu einem Kloster möglich, doch auch hier waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen selten viel besser als im Bauernstand.

Ab dem 10. Jahrhundert wurde das System immer direkter durch den Papst legitimiert, der u.a. den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches bei der Krönung zum Römischen Kaiser salbte und so seine Herrschaft unterstützte. Auch die französischen, englischen oder polnischen Könige wurden in ähnlicher Weise von der geistlichen Führung gestützt. Zum Dank erhielten der Papst und seine Untergebenen widerrum Schutz durch die Könige und Kronvasallen der europäischen Mächte.

Ab dem 11. Jahrhundert kam es bei immer mehr zu einem Konkurrenzkampf zwischen Papst und Kaiser, der im 12. Jahrhundert im Investiturstreit eskalierte.

Weiter zum Investiturstreit:

https://histopro.wordpress.com/2013/05/14/geistliche-und-weltliche-macht-im-mittelalter/

Die mittelalterliche Ständegesellschaft entwickelte aber auch eine davon immer unabhängigere Gesellschaft, die Gesellschaft der Stadt. Das Leben in der Stadt als Handwerker, Händler oder einfacher Handlanger ermöglichte den Menschen im Mittelalter zunehmend ein Leben in Unabhängigkeit vom einengenden Ständesystem. So entwickelte sich die Stadt bis ins Spätmittelalter zu einer mächtigen Gegenwelt zum Feudalsystem.

Zum Leben in der Stadt:

https://histopro.wordpress.com/2012/12/19/stadtluft-macht-frei-die-stadt-im-mittelalter/

Gesellschaftspyramide des Mittelalters:

Gesellschaftspyramide des Mittelalters

Weiter zum Leben der Ritter im Mittelalter:

https://histopro.wordpress.com/2012/12/13/das-leben-der-ritter/

Weiter zu Burgen im Mittelalter:

https://histopro.wordpress.com/2012/12/13/burgen-im-mittelalter/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 1. Leben und Herrschen im Mittelalter veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Die Gesellschaft des Mittelalters

  1. Pingback: Geistliche und weltliche Macht im Mittelalter | Histoblog – Geschichte macht Schule

  2. Pingback: Das Menschenbild der europäischen Renaissance | Histoblog – Geschichte macht Schule

  3. Pingback: Themen Klassenarbeit 7c Geschichte (Pretz) am 20.11.2014 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  4. Pingback: Themenliste 7c KA2 (Pretz) am 21.05.2015 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  5. Pingback: Themenliste 7c Klassenarbeit Nr. 1 am 11.01.2016 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  6. Pingback: Themenliste 7c Klassenarbeit 2 am 09. Mai 2016 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  7. Pingback: Themenliste 7a Klassenarbeit Nr. 1 am 16.11.2016 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

  8. Benedikt schreibt:

    Sind die lateinischen Bezeichnungen wichtig für die Arbeit???

  9. Pingback: Lebensformen im europäischen Mittelalter – History At The Highest Stage

  10. Pingback: Themenliste 7a Klassenarbeit Nr. 2 am 05.04.2017 | Histoproblog – Geschichte macht Schule

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s