Präsidalregierung / Präsidialkabinett

Ein Präsidialkabinett in der WR war eine Regierung, die allein auf dem Vertrauen des Reichspräsidenten basierte. Das bedeutete, dass die Regierung nicht aus den stärksten gewählten Parteien des Reichstags gebildet wurde und somit auch keine Mehrheit im Reichstag hatte. Sie regierte mittels Notverordnungen (Artikel 48 Weimarer Verfassung), die der Reichspräsident einzeln durchsetzen konnte, um Gesetze zu verabschieden. Damit wurde der demokratisch gewählte Reichstag vollständig umgangen und hatte keine legislative (gesetzgebende) Funktion mehr.
Eine Präsidialregierung (ein Präsidialkabinett) war daher im Grunde keine demokratisch handelnde Regierung mehr, weil sie nie von einer Mehrheit des Volkes gewählt wurde.
Während der Zeit der Weimarer Republik waren die Regierungen Brüning, von Papen, von Schleicher und Hitler Präsidialregierungen. Sie wurden ab 1930 eingesetzt, da die Weimarer Koalition der demokratischen Parteien wegen der die Wirtschaftskrise betreffenden Fragen zur Sozialversicherung usw. zerbrochen und wegen ihres schlechten Krisenmanagements von der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert war.

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